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Hirscher jubelt mit der Kugel, Feuz applaudiert fair.
Hirscher jubelt mit der Kugel, Feuz applaudiert fair.Bild: KEYSTONE
Unvergessen

Die grosse Kristallkugel liegt für Feuz bereit – doch Hirscher schnappt sie ihm noch weg

15. März 2012: Beat Feuz bietet sich eine Chance, die nie mehr kommen wird. Am Weltcupfinal in Schladming könnte er sich im Super-G im Idealfall den Gesamtweltcup sichern. Doch es kommt alles ganz anders und am Ende jubelt kein Schweizer, sondern ein Österreicher.
15.03.2022, 00:0115.03.2022, 09:25

Das Rennen um den Gesamtweltcup im Winter 2011/12 ist gegen Ende der Saison zum Duell zweier Ausnahmetalente verkommen. Beat Feuz, 25-jährig aus Schangnau im Emmental, misst sich mit dem zwei Jahre jüngeren Marcel Hirscher aus dem Salzburger Land.

Das viertletzte Rennen der Saison ist die Abfahrt im Weltcupfinal in Schladming. Feuz wird Zweiter und so ist die Ausgangslage vor dem drittletzten Rennen, einem Super-G, komfortabel: Feuz hat 135 Punkte Vorsprung auf Hirscher. Mit einem Sieg oder einem zweiten Platz kann sich der Schweizer den Sieg im Gesamtweltcup sichern, falls es seinem österreichischen Kontrahenten nicht gelingt, zu punkten.

Feuz freut sich über Rang 2 in der Abfahrt.
Feuz freut sich über Rang 2 in der Abfahrt.Bild: IMAGO / Camera 4/PhotoSI

Doch Beat Feuz hat eine schlechte Vorahnung, als er vor dem Super-G über diese Ausgangslage spricht. «Marcel kann ein Spitzenresultat einfahren und ich ausfallen. Dann ist plötzlich wieder alles anders», warnt er.

Hirscher überrascht sich selber

Hirscher ist ein exzellenter Slalom- und Riesenslalomfahrer, in den schnellen Disziplinen tritt er nur selten an. In Schladming aber versucht er natürlich zu punkten. Hirscher hat Glück bei der Startnummernauslosung, kann mit der frühen Nummer 2 ins Rennen gehen. Er nutzt dies ebenso aus wie die Kurssetzung, die seinem Fahrstil entgegenkommt. Hirscher fährt eine Zeit, an der sich fast alle Konkurrenten die Zähne ausbeissen.

Die Fahrt von Marcel Hirscher.Video: YouTube/wintersportchannel

Marcel Hirscher liegt immer noch auf Rang 3, als Beat Feuz mit der Startnummer 19 angreift. Seine Fahrt ist nicht fehlerfrei, aber mit 0,32 Sekunden Rückstand bei der zweiten Zwischenzeit kann er vorne mitmischen.

Doch dann das verhängnisvolle Missgeschick: In einer Rechtskurve verliert Feuz über eine Kuppe fahrend kurz die Kontrolle. Er rutscht aus, scheidet aus – und verliert so auch den Gesamtweltcup.

Beat Feuz stürzt und hat zwei Rennen vor dem Saisonende nur noch 75 Punkte Vorsprung auf Hirscher.Video: YouTube/wintersportchannel

Denn dank den 60 Punkten für Rang 3 im Super-G hat Marcel Hirscher den Rückstand im Gesamtweltcup auf 75 Punkte reduziert. Für die beiden letzten Saisonrennen, ein Riesenslalom und ein Slalom, ist er der klare Favorit. «Das ist eine grosse Überraschung für Österreich, für den Skisport», staunt Hirscher.

Aus die Maus – Feuz scheidet im Super-G aus.
Aus die Maus – Feuz scheidet im Super-G aus.Bild: IMAGO / Camera 4/PhotoSI

Der Auftakt zu Hirschers Triumphzug

Obwohl es für ihn gelaufen ist, weist der Österreicher die Favoritenrolle von sich: «75 Punkte sind immer noch wahnsinnig viel, dafür muss ich zuerst mal Zweiter werden.» Der Österreicher hält dem Druck jedoch stand. Er gewinnt zwei Tage nach dem Super-G den Riesenslalom. Weil Beat Feuz in jenem Rennen keine Punkte holt und im Slalom gar nicht mehr antritt, geht die grosse Kristallkugel an Marcel Hirscher.

Gute Stimmung beim Weltcupfinale: Lara Gut, Felix Neureuther und Beat Feuz (von links).
Gute Stimmung beim Weltcupfinale: Lara Gut, Felix Neureuther und Beat Feuz (von links).Bild: IMAGO / Hartenfelser

Für den Österreicher beginnt damit eine einzigartige Erfolgs-Ära. Denn er gewinnt den Gesamtweltcup von diesem ersten Sieg 2012 an gleich acht Mal in Folge. 2019 tritt Hirscher zurück, er macht es auch als zweifacher Olympiasieger und siebenfacher Weltmeister.

Die einzigartige Karriere von Skirennfahrer Marcel Hirscher

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Die einzigartige Karriere von Skirennfahrer Marcel Hirscher
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Auch Feuz feiert schier ohne Ende

Beat Feuz kommt dem Triumph im Gesamtweltcup nie mehr so nahe. Nach der Saison 2012 kommt es bei einer Knie-Operation zu Komplikationen, zwischenzeitlich droht dem Emmentaler gar eine Amputation. Feuz muss immer wieder unters Messer, seine Karriere hängt an einem seidenen Faden.

Doch er kämpft sich magistral zurück auf die ganz grosse Bühne. 2017 wird Beat Feuz in St.Moritz Abfahrts-Weltmeister, 2022 in Peking Olympiasieger in der Königsdisziplin. Und dazwischen gewinnt er vier Mal in Folge die kleine Kristallkugel für den Gewinn der Abfahrtswertung – auch, weil er unter anderem die Klassiker am Lauberhorn und in Kitzbühel mehrfach gewinnt.

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Sonne, Berge, Feuz: Das perfekte Skifest am Lauberhorn 2018
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Und weil er auf allerhöchstem Niveau sagenhaft konstant ist. Bis zu einem Sturz in Bormio Ende 2021 klassiert er sich in 36 Abfahrten in Folge in den Top Ten. Meist steht Feuz auf dem Siegertreppchen, mit 46 Podestplätzen ist er in dieser Hinsicht der erfolgreichste Abfahrer der Geschichte. Eine Geschichte, die im Gegensatz zu jener von Marcel Hirscher noch nicht zu Ende erzählt ist.

Unvergessen
In der Serie «Unvergessen» blicken wir am Jahrestag auf ein grosses Ereignis der Sportgeschichte zurück: Ob hervorragende Leistung, bewegendes Drama oder witzige Anekdote – alles ist dabei.
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