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Die Verfolgergruppe rennt bei Schnee und Regen am 38. Internationalen Radquer in Dagmersellen, am 26. Dezember 2013. (KEYSTONE/Sigi Tischler)....Participants at the cyclo-Cross race in Dagmersellen, Switzeland, Thursday, 26 December 2013.   (KEYSTONE/Sigi Tischler)

Schnee, Regen, Dreck: Radquer ist ein Sport für echte Kerle. Bild: KEYSTONE

Start zu neuer Schweizer Rennserie

Radquer kommt neu als Cyclocross daher und will als Trendsport verlorenes Terrain zurückerobern

Radquer ist eine der spektakulärsten Velodisziplinen und die Schweizer waren darin jahrelang Weltklasse. Nachdem der Sport mit dem Aufkommen von Mountainbikes in der Versenkung verschwand, wird er mit einer neuen Rennserie und einem anderen Namen wiederbelebt.

Radquer-Weltmeisterschaft 1980 in Wetzikon: Am Streckenrand stehen bodenständige, ältere Herren und bei Start und Ziel riecht es nach Bratwurst. Man muss nicht die Autokennzeichen aus der Ostschweiz, der Innerschweiz und dem Aargau lesen, um sie zu verorten. Die robuste Helly-Hansen-Jacke, kräftige Hände und eine krumme Villiger im Mundwinkel passen hierher, zwischen Waldrand und Kartoffelacker.

Beat Wabel am 29. Januar 1995 in Aktion bei der Rad Quer-Weltmeisterschaft in Eschenbach, Kanton St. Gallen. Wabel beendet das Rennen als Dritter.  (KEYSTONE/Str)

Volksfeststimmung an der WM 1995 im st.gallischen Eschenbach. Bild: KEYSTONE

In keiner anderen Sportart gewann die Schweiz mehr WM-Medaillen als im Radquer. Von 1954 bis 1997 gab es insgesamt 58-mal Edelmetall: 15 Gold-, 20 Silber- und 23 Bronzemedaillen. Danach ging es dem Schweizer Radquer nicht nur auf der Strecke dreckig. Bis zum vergangenen Jahr, denn das Radquer erfindet sich gerade neu.

EKZ Crosstour in Baden, im Herbst 2014: Naturgemäss findet das Radquer-Rennen immer noch auf dem Land statt, bei Start und Ziel riecht es immer noch nach Bratwurst. Am Streckenrand stehen aber neben den treuen «alten» Zuschauern neu auch junge, urbane Sportfans. Ihre coole Commuter-Jacke von Levi's, die Freitag-Tasche und das Smartphone passen gut hierher, zwischen Waldrand und Kartoffelacker.

Ein Teilnehmer rennt an der Radquer Schweizermeisterschaft im Rennen der Junioren in Frenkendorf am Sonntag, 6. Januar 2008. (KEYSTONE/ Georgios Kefalas)

Der Lieblingssport sämtlicher Waschmittelproduzenten … Bild: KEYSTONE

Das spektakuläre Radquer findet neue Zuschauer

Radquer ist eine der spektakulärsten und spannendsten Disziplinen des Radsports. Trotzdem ist es um die Jahrtausendwende in der Versenkung verschwunden. Heute findet die Sportart aber neue Zuschauer, welche die Athleten anfeuern, die auf dem nur 2,5 bis 3,5 Kilometer langen Rundkurs immer wieder vorbeifahren.

Je nach Kategorie ist das Radquer-Rennen in 30 bis 60 Minuten vorbei. Rundkurs und Renndauer sind überschaubar, was alte und junge Zuschauer schätzen. Nicht zuletzt, weil Querfeldeinrennen im Herbst und Winter ausgetragen werden und über Wiesen, Feld- und Waldwege schon mal eine kalte Bise pfeift.

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For the Love of Mud – Impressionen aus dem Dreck. Vimeo/benedict campbell

Athleten und Velos sind agil und doch robust

Die Fahrer kommen auch bei tiefen Temperaturen ins Schwitzen. Kurze, enorm steile Passagen wechseln ab mit rasanten Abfahrten auf Schlammpisten. Bei künstlichen Hindernissen müssen sie das Rad im Laufschritt schultern – sofern sie keinen Sprung über das bis 40 Zentimeter hohe Hindernis riskieren.

Wer beim Radquer schwere Mountainbikes mit grossen Federwegen erwartet, sieht sich getäuscht. Hier werden Rennvelos mit einem längeren Radstand, flacherem Sitz- und Lenkwinkel, Cantilever-Bremsen, viel mehr Reifenfreiheit und maximal 33 Millimeter breiten Reifen eingesetzt. Im Vergleich zum Mountainbike mit seinen fetten Stollenpneus verhält sich das agile Querfeldein-Rennrad wie ein Porsche zu einem Range Rover.

Helfer reinigen die Velos bei Schnee und Regen am 38. Internationalen Radquer am 26. Dezember 2013 in Dagmersellen. (KEYSTONE/Sigi Tischler)

Während des Rennens werden die Maschinen gereinigt, damit die Fahrer nach ein oder zwei Runden auf ein sauberes Velo wechseln können. Bild: KEYSTONE

Radquer heisst jetzt (wieder) Cyclocross

Es ist eine Ironie der Geschichte, dass junge, urbane Zuschauer den «neuen» Namen Cyclocross in den USA verorten. Tatsächlich entstanden das Radquer und der Name Cyclocross nämlich um 1900 an der französischen Riviera, wo die ersten professionellen Strassenfahrer vor Beginn der Saison ihre Form aufbauten.

Um neben der Kondition auch die Koordination und den schnellen Antritt zu fördern, fuhren diese frühen Radprofis über Stock und Stein, steile Anstiege hinauf und Abhänge hinunter. Wenn es nicht anders weiter ging, schulterten sie dabei ihre Räder, die mit 25 Kilogramm dreimal schwerer waren als ein heutiges Cyclocross-Velo.

Die Athleten ueberspringen eine Huerde bei Schnee und Regen am 38. Internationalen Radquer in Dagmersellen, am 26. Dezember 2013. (KEYSTONE/Sigi Tischler)....Participants at the cyclo-Cross race in Dagmersellen, Switzeland, Thursday, 26 December 2013.   (KEYSTONE/Sigi Tischler)

Garstige Bedingungen prägen so manches Rennen. Bild: KEYSTONE

Die Blütezeit der Schweizer Medaillenhamsterer

1973 begann die grosse Ära der Schweizer Radquer-Fahrer, als Albert Zweifel bei der WM in London auf den fünften Platz fuhr. Schon 1975 gewann Zweifel 28 von 37 Radquer-Rennen, bis 1986 war der Schweizer nicht zu schlagen. In dieser Zeit stand er mit Ausnahme der Weltmeisterschaften 1980 und 1985 bei jeder WM auf dem Podium und neben ihm oft der «ewige Zweite» Peter Frischknecht.

Ihnen folgten grosse Namen wie Beat Breu, Pascal Richard, Dieter Runkel, Beat Wabel und Thomas Frischknecht. Bis 1999 zählte die jährliche Radquer-Weltmeisterschaft zu den wichtigsten Anlässen im Schweizer Sport, war am Sonntagabend das Hauptthema im «Sportpanorama» des Schweizer Fernsehens.

Radrennfahrer Beat Breu sichtlich gezeichnet auf dem Weg zum dritten Platz an der Radquer-WM in Haegendorf, aufgenommen am 31. Januar 1988. (KEYSTONE/Michael Kupferschmidt)

Hätten Sie ihn erkannt? Publikumsliebling Beat Breu wird an der WM 1988 in Hägendorf angefeuert. Bild: KEYSTONE

Die Athleten der nächsten Generation sattelten aber wie die meisten Hobbyfahrer um auf das Mountainbike, den neuen Trend aus den USA. Heute wird die Cyclocross-WM in Printmedien und Fernsehen bestenfalls mit Resultaten sowie einer Kurzmeldung abgehandelt.

Startschuss zur Quer-Saison in Baden

Heute steht in der Schweiz eine neue Generation siegeshungriger Cyclocross-Athleten am Start. Angeführt werden sie von Lukas Flückiger, Julien Taramarcaz, Marcel Wildhaber und Simon Zahner bei den Herren sowie Sina Frei und Nicole Koller bei den Frauen.

Mit neuen Ideen und einem modernen Auftreten sowie spannenden und für die Zuschauer noch attraktiveren Strecken bieten die heutigen Cyclocross-Rennen spektakuläre Radrennen. Dazu gehört auch die neue Rennserie EKZ Crosstour, welche die vier Rennen in Baden, Dielsdorf, Hittnau und Eschenbach zu einem Cup mit Gesamtwertung vereint.

Am Sonntag startet auf der Badener Baldegg die neue Saison. Zum ersten Rennen werden Athleten aus 15 Nationen erwartet. Aus Schweizer Sicht ist Lukas Flückiger am meisten zuzutrauen. Erst letztes Wochenende wurde der Oberaargauer Siebter an der Mountainbike-WM in Norwegen.

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Der Trailer zur EKZ Crosstour. Vimeo/EKZ CrossTour



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