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Terrorismus
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Dschochar Zarnajew

Der Prozess gegen den «Boston-Bomber» hat begonnen



Fast zwei Jahre nach dem Terroranschlag auf den Marathonlauf in Boston in den USA hat am Montag der Prozess gegen den mutmasslichen Täter begonnen. Die Anklage wirft Dschochar Zarnajew vor, gemeinsam mit seinem älteren Bruder Tamerlan auf der Zielgeraden des Marathons zwei selbstgebastelte Bomben zur Explosion gebracht zu haben.

Dschochar Zarnajew erschien am Montag in einem dunklen Pulli und einer hellen Hose im Gerichtssaal von Boston. Der 21-Jährige hörte zu, wie Richter George O'Toole einer ersten Gruppe von potenziellen Jurymitgliedern die Anklagepunkte erläuterte. 

Bis Mittwoch sollen rund 1200 Kandidaten vor Gericht erscheinen und einen Fragebogen ausfüllen. Anschliessend müssen sich Anklage und Verteidigung auf zwölf Geschworene und sechs Stellvertreter einigen. Als vorläufigen Termin für den eigentlichen Beginn der Verhandlung hat Richter O'Toole den 26. Januar festgelegt. 

30 Anklagepunkte 

Zarnajew werden 30 Anklagepunkte vorgeworfen, darunter der Gebrauch einer «Massenvernichtungswaffe». 17 der Punkte wiegen so schwer, dass sie ihm bei einem Schuldspruch die Todesstrafe eintragen könnten. 

Laut Anklageschrift sollen die Brüder den Anschlag gemeinsam geplant und die Bomben aus Schnellkochtöpfen, Schwarzpulver und Splittern zusammengebaut haben. Die Anleitung sollen sie Internetseiten des Terrornetzwerks Al-Kaida entnommen haben. 

Beobachter erwarten, dass die Verteidiger Dschochar als einen leicht beeinflussbaren jungen Mann porträtieren werden. Er sei von seinem älteren Bruder dominiert worden, der zunehmend radikale muslimische Sichtweisen entwickelt habe. 

Gespräche über Deal gescheitert

Zarnajews Anwälte hatten erfolglos versucht, den Prozess an einen anderen Ort zu verlegen. Sie bezweifeln, in Boston eine unvoreingenommene Jury zu finden. 

Der Nachrichtensender CNN berichtete unter Berufung auf Justizkreise, dass die Verteidigung ausserdem mit dem Versuch gescheitert sei, einen Deal mit der Staatsanwaltschaft auszuhandeln. Das Justizministerium habe sich in den Gesprächen geweigert, die Möglichkeit der Todesstrafe vom Tisch zu nehmen. 

Zarnajews Anwälte hatten den Angaben zufolge ein Schuldeingeständnis angeboten, wenn ihr Mandant eine lebenslange Haftstrafe ohne Chance auf Bewährung erhalte. Dem Anwaltsteam gehört die renommierte Strafverteidigerin Judy Clarke an, die bereits mehreren prominenten Angeklagten wie dem als «Unabomber» bekannt gewordenen Ted Kaczynski und dem Mitverschwörer der Terrorattacken von 9/11, Zacarias Moussaoui, die Todesstrafe ersparen konnte. 

Massachusetts hatte die Todesstrafe in den frühen 1980-er Jahren abgeschafft. Die bisher letzte Hinrichtung fand 1947 statt. Zarnajew muss sich jedoch nicht in einem staatlichen, sondern in einem Bundesverfahren verantworten, und das Bundesrecht erlaubt generell die Todesstrafe - also auch in Massachusetts.

Beim schwersten Terroranschlag in den USA seit dem 11. September 2011 waren am 15. April 2013 drei Zuschauer getötet und 260 Menschen verletzt worden. Dem 21-jährigen Zarnajew wird ausserdem der Mord an einem Polizisten angelastet. Im Fall eines Schuldspruchs droht ihm die Todesstrafe. (aeg/sda/afp/dpa)

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