Unvergessen
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Die Partie vom 5. März 2004 zwischen Philadelphia und Ottawa geht als «Die Schlägerei» in die Geschichtsbücher ein. Warum? Wegen Raufereien wie der hier. Video: streamable

419 Strafminuten! Dieses Spiel geht als «The Brawl» in die Geschichte ein

5. März 2004: In der NHL wird ein neuer Rekord an Strafminuten in einem Spiel aufgestellt. Etliche Schlägereien und Spielunterbrüche, vor allem in den Schlussminuten, führen zu insgesamt über 400 Strafminuten. Die Partie ist seither bekannt unter dem Namen «The Brawl» – die Schlägerei.

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Die Philadelphia Flyers und die Ottawa Senators trafen in den letzten beiden Jahren jeweils in den Playoffs aufeinander. Immer setzte sich Ottawa durch. Die Rivalität stieg und als sich die beiden Teams eine Woche vor diesem 5. März 2004 trafen, kam es kurz vor Schluss zu einer unschönen Aktion: Mark Recchi (Flyers) und Martin Havlat (Senators) lösten alles aus. Nach einem Haken des Flyers-Spielers antwortet Havlat mit einem üblen Stockschlag ins Gesicht. Der Täter kassierte eine Fünf-Minuten-Strafe, eine Sperre von zwei Spielen und musste 36'000 Dollar bezahlen.  

Ottwa Senators Martin Havlat celebrates his third period goal against the New York Islanders during the third period at the Nassau Coliseum in Uniondale, N.Y., Wednesday, March 27, 2002. The Senators defeated the Islanders 4-2. (AP Photo/Ed Betz)

Martin Havlat brachte den Stein ins Rollen. Bild: AP

Nach der Partie kündigte Flyers-Trainer Kan Hitchcock gegenüber CBC an: «Eines Tages wird einer kommen und ihm (Havlat) den Arsch versohlen. Meiner Meinung nach sollte sich dieser Spieler davor in Acht nehmen.» Auch Recchi kündigte die Revanche an: «Es überrascht mich nicht, dass Havlat sowas gemacht hat. Er ist so ein Spieler und hat das schon früher gezeigt. Aber er sollte aufpassen.»

Böses Blut fliesst also logischerweise auch eine Woche später am 5. März durch die Adern der Spieler. Doch obwohl alle ahnen, dass beim zweiten Aufeinandertreffen innert einer Woche «etwas» geschehen wird, halten sich die Akteure vor 19'539 Zuschauern im Wachovia Center lange zurück. Die Partie verläuft praktisch «normal».

Alles eskaliert 105 Sekunden vor Schluss

Im ersten Abschnitt wird eine kleine Zwei-Minuten-Strafe ausgesprochen, im zweiten Drittel werden deren vier verteilt. Doch als Alexei Zhamnov früh im dritten Abschnitt das 5:2 für die Flyers gelingt, kochen die aggressiven Emotionen langsam hoch – und sie explodieren 1:45 Minuten vor Schluss.

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Alle Strafen der Partie auf einen Blick. screenshot: Wikipedia

Flyers-Rüpel Donald Brashear attackiert Senators Bösewicht Rob Ray von hinten. Natürlich kommt es zur Prügelei, welche Ray blutend verlässt. Warum Brashear so austickte? «Hast du das letzte Spiel gesehen?», wird nach der Partie seine simple Erklärung sein.

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Vor dem Tor geraten Brashear und Ray aneinander. Es ist der Startschuss zum Prügel-Finish. Video: streamable

Was nach der Prügelei geschieht, ist noch immer – und dürfte es für immer bleiben – Rekord in der NHL-Geschichte: Insgesamt werden 419 Strafminuten ausgesprochen! Zuvor stand die «Bestmarke» seit 1981 bei 406 Minuten zwischen den Boston Bruins und den Minnesota North Stars. Einer nach dem anderen wird mit einer Spieldisziplinarstrafe vorzeitig unter die Dusche geschickt. Selbst die beiden Keeper geben sich Saures und müssen ersetzt werden. 213 Strafminuten in einem Drittel – auch dieser Rekord gehört seither den Flyers.

Minutenlang herrscht auf dem Feld nur Kampf. Kaum werden Spieler in die Kabine geschickt, geben sich schon wieder andere auf die Rübe. Immer wieder gibt es Szenen wie diese:

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Faustkämpfe so weit das Auge reicht. Video: streamable

Die Zuschauer in der Arena sorgen zusätzlich für eine richtig geladene Stimmung auf den Rängen. Sie johlen wie üblich lautstark bei Prügeleien. Nach den ersten beiden Versuchen, die Partie mit Bullys wieder aufzunehmen, folgen sofort wieder Schlägereien. Als es beim dritten Versuch wenigstens kurz mit etwas Eishockey klappt, buhen die Fans die Spieler aus.

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Bully – Puck-Einwurf – Schlägerei. Video: streamable

Das ganze Video aller Fights gibt's hier:

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Video: YouTube/HockeyArchive

Leere Spielerbänke zum Schluss

Am Ende sind von beiden Teams nur noch je sechs Spieler übrig. Die Ersatzbank sieht auf beiden Seiten ziemlich verwaist aus. 

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Die Spielerbänke beider Teams sehen am Schluss ziemlich leer aus. Bild: PHOTOPRESS

Als grösster Rüpel kassiert Jason Spezza 35 Strafminuten. Dieser Spezza wird acht Jahre später während des NHL-Lock-outs der Saison 2012/13 für die Rapperswil-Jona Lakers in der Schweizer National League A spielen. Doch hier zeigt er heute den Abschlusskampf – oder vielleicht passender «Main Event» – gegen Patrick Sharp:

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Jason Spezza gegen Patrick Sharp – die letzte Rauferei der Partie. Video: YouTube/hockeyfights.com

Als das turbulente Spiel irgendwann doch noch zu Ende gebracht werden kann, beginnt für die Schiedsrichter die grosse Arbeit. 90 Minuten benötigen sie angeblich, um alle Strafen und Vorkommnisse zu dokumentieren. Die Partie erhält schnell seinen passenden Übernamen: «The Brawl». Der in Philadelphia beheimatete TV-Sender CSN zeigt die Partie kurz darauf in der Wiederholung, was die NHL überhaupt nicht goutiert, weil sie um den Ruf der Liga fürchtet.

Im Verlauf der weiteren Saison treffen die beiden Teams nochmals aufeinander. Obwohl im Vorfeld von einer weiteren Revanche die Rede ist, beenden die Teams den Vergleich mit nur sechs Zwei-Minuten-Strafen. Ottawas Verteidiger Zdeno Chara hat dafür eine einfache Erklärung: «Beide Teams waren auf die Punkte fokussiert. Wir wollten diese Mission wegen einer Schlägerei nicht riskieren.» Die Senators siegen 3:1.

Obwohl beide Teams die Play-offs erreichen, kommt es erstmals nach zwei Jahren nicht zum Direktduell. Die Toronto Maple Leafs schalten die Senators aus und scheitern danach an den Flyers. Wer weiss, was passiert wäre, wären sich die zwei Teams in der entscheidenden Phase nochmals begegnet.

Unvergessen

In der Serie «Unvergessen» blicken wir jeweils am Jahrestag auf ein grosses Ereignis der Sportgeschichte zurück: Ob hervorragende Leistung, bewegendes Drama oder witzige Anekdote – alles ist dabei. 
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