Unvergessen
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Schock beim Zielsprung

Unvergessen

22.01.2009: Daniel Albrechts Horrorsturz auf der Streif

22. Januar 2009: Daniel Albrecht verschätzt sich beim Zielsprung auf der Streif. Er fliegt bei 138 km/h rund 70 Meter weit, bevor er brutal landet. 22 Monate später kehrt er zurück. Aber der sportliche Erfolg hat ihn verlassen.



«Das Comeback war eine gute Therapie. Ich bin glücklich. Glücklicher, als wenn ich es nicht versucht hätte.» So beendete Daniel Albrecht am 6. Oktober 2013 seine Karriere. Diese verlief nicht wie erwartet, sondern erlitt am 22. Januar 2009 den entscheidenden Knackpunkt.

Nichts deutete an besagtem Tag auf diese Schrecksekunden hin. Daniel Albrecht ist auf der legendären Streif beim Abschlusstraining bei guten Bedingungen stark unterwegs. Mit neuer bester Zwischenzeit rast der 25-Jährige mit 138 km/h auf den Zielsprung zu. Die Bestzeit liegt griffbereit da - doch Albrecht stürzt. Er kann den Sprung nicht drücken, gerät in Rücklage und knallt rund 70 Meter später brutal auf die Piste. Regungslos liegt er da. Dieser eine Sturz verändert sein Leben

Daniel Albrechts Sturz in Kitzbühel 2009. Video: Youtube/ronsen86

Daniel Albrechts Aufprall nach dem 70-Meter-Flug. Bild: EPA

Der lange Weg zurück

Es folgen bange Minuten, Stunden, Tage, ja Wochen. Albrecht wird auf die Intensivstation in Innsbruck verlegt, er bleibt mit einem Schädel-Hirn-Trauma dreieinhalb Wochen im künstlichen Koma. Als er aufwacht, weiss Albrecht nicht, wer er ist, was er macht oder warum er im Spital liegt. Er muss wieder sprechen lernen, verwechselt Worte. Ein Stück Fleisch nennt er «Audi», einen Schmetterling erkennt er zwar, kann ihn aber nicht benennen. 

Doch der Sportler kehrt erstaunlich schnell «ins Leben» zurück. Im April verlässt er das Spital, schon im Juli des gleichen Jahres gibt er sein neues Ziel bekannt: Rückkehr an die Weltspitze. Bereits in der kommenden Saison will er wieder Rennen fahren. 

Ein Weltmeister ganz unten

Das Schweizer Fernsehen hat am 5. Januar 2010, fast ein Jahr nach dem Sturz von Daniel Albrecht eine eindrückliche Dok über seinen Weg zurück gezeigt. 
Hier gehts zur Sendung im Archiv.

Seinen Comebackversuch muss Albrecht jedoch fast auf den Tag genau ein Jahr nach dem Unfall an gleicher Stelle in Kitzbühel verschieben. An einer Pressekonferenz im Januar 2010 gibt er bekannt, dass er während der laufenden Saison nicht wieder fahren wird. 

Seine Rückkehr gibts erst am 5. Dezember 2010 in Beaver Creek. Im Riesenslalom belegt der Fiescher den beachtlichen 21. Rang. Doch es wird eines der wenigen Highlights der zweiten Karriere bleiben. Rückschläge sind an der Tagesordnung. So auch am 22. November 2012 im Training zur Abfahrt von Lake Louise, als er wieder stürzt. Die Diagnose ist niederschmetternd: Kniescheibenluxation und Riss des Innenbandes im linken Knie. Ein Rennen fährt er danach nicht mehr. 

Grösster Erfolg ist die Rückkehr

Ein zufriedener Daniel Albrecht bei seiner Rücktrittsverkündung 2013. Bild: Keystone

Daniel Albrecht war der Hoffnungsträger der Schweizer Skifans. Schon bei der Junioren-WM 2003 deutete er als 20-Jähriger sein gigantisches Potential an: Weltmeister in der Abfahrt, im Riesenslalom und der Kombination. Dazu gabs Silber im Slalom. Auch bei den Aktiven ging der Weg lange nur aufwärts. Höhepunkt ist der WM-Titel 2007 in der Super-Kombination und WM-Silber im Riesenslalom. In 138 Weltcuprennen fuhr er achtmal aufs Podest, viermal davon aufs oberste Treppchen.

Am 13. Oktober 2013 tritt «Albright» wie erwähnt zurück. Er habe keine Energie mehr. Die ganz grosse Rückkehr nach ganz oben lag nicht mehr drin. Tatsächlich ist der sympathische Fiescher aber trotz allem ein Gewinner. Als erster Skifahrer kam er nach einem Schädel-Hirn-Trauma wieder in den Weltcup zurück – obwohl ihm die Ärzte davon abrieten. Auch darum kann er sagen: «Ich bin glücklich. Glücklicher, als wenn ich es nicht versucht hätte.»

Der Zielsprung in Kitzbühel wurde nach dem Sturz von Albrecht entschärft. Heute fliegen die Fahrer nicht mehr 70 Meter weit. 

Unvergessen

In der Serie «Unvergessen» blicken wir jeweils am Jahrestag auf ein grosses Ereignis der Sportgeschichte zurück: Ob eine hervorragende sportliche Leistung, ein bewegendes Drama oder eine witzige Anekdote - alles ist dabei.

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