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Marc Berthod lässt sich nach seinem Coup in Adelboden feiern. Bild: KEYSTONE

Das «Chuenisbärgli» in Ekstase versetzt

07.01.2007: Marc Berthod beendet beim Slalom von Adelboden mit Startnummer 60 und mit dem Lauf seines Lebens die grosse Schweizer Ski-Misere

7. Januar 2007: Marc Berthod triumphiert in Adelboden mit der Startnummer 60 völlig unerwartet im Slalom. Nach 103 sieglosen Rennen und 1073 Tagen hat damit endlich wieder ein Schweizer Alpiner ein Weltcup-Rennen gewonnen. 

07.01.15, 00:01 07.01.15, 13:01

Mitte der Nuller-Jahre ist das dunkle Zeitalter im alpinen Schweizer Skirennsport. Bei der WM 2005 in Bormio holt zum ersten Mal überhaupt kein einziger Schweizer eine Medaille. Auch im Weltcup herrscht Katerstimmung.

Didier Cuche gewinnt am 30. Januar 2004 die Abfahrt von Garmisch, danach gibt es zwar ein gutes Dutzend Podestplätze, fast drei Jahre lang steht aber kein Schweizer mehr zuoberst auf dem Treppchen. So eine lange Durststrecke hat die Ski-Schweiz noch nie gesehen, erst im Januar 2007 wird sie nach 103 Rennen endlich erlöst: Marc Berthod gewinnt in Adelboden völlig überraschend – ausgerechnet in der grossen Sorgendisziplin – den Slalom.

Ein entfesselter Marc Berthod kurvt das «Cheunisbärgli» hinunter. Bild: KEYSTONE

Aber der Reihe nach: Bis zum zweiten Lauf deutet nichts – aber auch gar nichts – auf ein denkwürdiges Rennen hin. Marc Gini liegt nach dem ersten Lauf als bester Schweizer an 15. Stelle, Daniel Albrecht ist 19. und Marc Berthod schlüpft mit Startnummer 60 als 27. gerade noch knapp in den zweiten Lauf der besten 30.

Mit 2,76 Sekunden Rückstand geht es für Berthod, der im Riesenslalom am Tag zuvor noch gestürzt ist, primär noch darum, wieder mal ein paar Pünktchen zu holen, um in den nächsten Rennen nicht wieder mit 50er- oder 60er-Nummern auf zerfurchten Pisten runterkurven zu müssen.

«Wow, so schlecht ist das nicht»

Doch es kommt alles ganz anders. Berthod nutzt im zweiten Lauf als Viertgestarteter den Vorteil der gut präparierten Piste und zeigt den rund 10'000 Zuschauern einen Traumlauf. Es war ein «Tanz zwischen den Toren», wie er später sagt. 1,92 Sekunden Vorsprung zeigt bei seiner Zieldurchfahrt die Zeitmessung. «Da wusste ich bereits: ‹Wow, so schlecht ist das nicht.›»

Berthods Triumph nach einem fantastischen zweiten Lauf. video: youtube/hans heureka

Doch wie weit der «Lauf seines Lebens» ihn nach vorne tragen wird, das weiss «Bört» da natürlich noch nicht. Einer nach dem anderen beisst sich an seiner Zeit in der Folge die Zähne aus. Nicht einmal annähernd kommen die Fahrer am «Chuenisbärgli» an den Bündner heran, auch Albrecht und Gini sind chancenlos.

Als nur noch die Besten oben stehen, hilft der Wettergott mit. Wolken ziehen sich über dem Slalom-Hang zusammen, die Sicht wird immer schlechter. Und so scheitern der Reihe nach auch Kalle Palander, Benjamin Raich und Markus Larsson trotz riesigem Vorsprung an der Bestmarke des erst 23-jährigen Schweizers.

Berthod mit Benjamin Raich und Mario Matt auf dem Podest. Bild: AP

Berthod triumphiert schliesslich knapp vor Raich und entreisst dem Österreicher damit auch den sogenannten «Jump»-Rekord im Slalom. Der Österreicher war in Schladming im Nachtslalom 1999 bei seinem ersten Weltcupsieg im zweiten Lauf vom 23. Platz aus an die Spitze vorgeprescht – Berthod nun vom 27. Platz. Mit einer höheren Startnummer als der 60 siegte nur Ivica Kostelic bei seinem ersten Slalomsieg im November 2001 in Aspen – es war die 64.

«Diamant» Berthod plötzlich der neue Hoffnungsträger

Berthod lässt sich im Zielraum von den Fans feiern, drückt aber sofort auf die Euphorie-Bremse: «Es ist schon toll, vor den eigenen Fans den ersten Sieg zu feiern. Ich habe gespürt, dass es ein toller Lauf ist. Ich war sofort im Rhythmus, ich konnte dem inneren Schweinehund freien Lauf lassen. So gefällt es mir. Aber am Ende war auch Glück dabei», so der Bündner, der wegen seiner Müdigkeit auf eine grosse Party verzichtet.

Von Glück will Konkurrent Benjamin Raich nichts hören: «Natürlich war es im ersten Lauf sehr schön für mich, mit der Nummer 2 starten zu können. Marc aber hat im ersten Durchgang noch die schlechteren Bedingungen gehabt als ich im zweiten. Das gleicht sich immer aus», so der Österreicher, der am Vortag den Riesenslalom gewonnen hat.

Interview-Marathon im Ziel. Bild: KEYSTONE

Dem Schweizer Cheftrainer Martin Rufener ist die Erleichterung im Ziel nach dem ersten Schweizer Sieg seit 1073 Tagen und dem ersten Slalom-Erfolg seit Didier Plaschy 1999 anzusehen: «Der Druck wurde mit jedem Rennen grösser. Ich würde lügen, wenn ich nicht zugäbe, dass das auch mich beschäftigt hat», so der Berner.

Alle Schweizer Slalom-Sieger (Männer)

Dumeng Giovanoli 1968 in Kitzbühel
Dumeng Giovanoli 1968 in Wengen
Edy Bruggmann 1969 in Kranjska Gora
Martial Donnet 1978 in Madonna
Peter Lüscher 1979 in  Garmisch
Pirmin Zurbriggen 1984 in Sestriere
Pirmin Zurbriggen 1986 in Are
Joel Gaspoz 1987 in Wengen
Paul Accola 1991 in  Breckenridge
Didier Plaschy 1999 in Beaver Creek
Didier Plaschy 1999 in Kranjska Gora
Marc Berthod 2007 in Adelboden
Marc Gini 2007 in Reiteralm

Berthod wird nach seinem überraschenden, aber längst überfälligen Triumph zum grossen Hoffnungsträger hochstilisiert. Bernhard Russi bezeichnet den Slalom-Junioren-Weltmeister von 2003 als «Diamant», der «Tages-Anzeiger» schreibt, Berthod sei zusammen mit Ski-Zwilling Dani Albrecht und dem zwei Jahre älteren Silvan Zurbriggen «eine der Schlüsselfiguren auf dem langen Weg zurück» an die Spitze. 

Die «jungen Wilden» erfüllen die Erwartungen – zumindest zunächst. Angeführt von Albrecht und Berthod holen die Schweizer an der Ski-WM in Are 2007 – zwei Jahre nach dem bitteren Nuller von Bormio – sechs Medaillen und fast auf den Tag genau ein Jahr nach seinem Slalom-Triumph gewinnt Berthod 2008 auch den Riesenslalom am «Chuenisbärgli» – vor Kumpel Albrecht.

Der Rücken streikt

Es sollte bis heute Berthods letzter Weltcup-Triumph bleiben. Wegen hartnäckigen Rückenproblemen fährt der Bündner ab November 2008 der Konkurrenz fast nur noch hinterher. Die Schmerzen im Rücken werden immer grösser und verhindern bald ein geordnetes Training. Wenig später gerät auch Dani Albrechts Karriere nach dem Horrorsturz in Kitzbühel in Schieflage. 

Ein seltenes Bild: Ein strahlender Marc Berthod. Bild: KEYSTONE

Trotz den anhaltenden gesundheitlichen Problemen fährt Berthod noch fünfmal in die Top 10, zuletzt 2013 in der Super-Kombination von Wengen. Mit 31 Jahren liegt das Karriereende aber mittlerweile näher als der nächste Überraschungserfolg am «Chuenisbärgli» oder sonstwo im Weltcup. Ende Dezember 2014 hat sich der Bündner im Training das Kreuzband gerissen. Auch diese Saison ist wohl gelaufen.

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In der Serie Unvergessen blicken wir jeweils am Jahrestag auf ein grosses Ereignis der Sportgeschichte zurück: Ob eine hervorragende sportliche Leistung, ein bewegendes Drama oder eine witzige Anekdote – alles ist dabei. 

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Charly Otherman, 5.5.2017
Watson kann nicht nur lustig! Auch für Deutsche (wie mich) ein Muss, obwohl ich das schweizerische nicht immer verstehe.
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