Das sind die auffälligsten Spieler der Liga – Rang 20 bis 11
Wer sind die Besten? Diese Frage ist nie zu beantworten. Auch nicht durch die Statistik. Diese Auswahl erhebt keinen Anspruch auf Vollständigkeit oder gar unumstössliche Wahrheit. Sie ist vielmehr eine Einladung zur Diskussion, zum Widerspruch. Denn genau davon lebt ja das Eishockey als wichtiger Teil unserer Unterhaltungs- und Erregungs-Industrie: von Emotionen, Meinungen, Polemik – und von Spielern, die mehr sind als blosse Namen in den Statistiken.
Diese Saison sind bisher 404 Feldspieler und 31 Torhüter eingesetzt worden. Aufmerksamkeit ist da eine knappe Ressource. Jede Partie, jede Linie, jede Rolle bringt neue Geschichten hervor – grosse und kleine, laute und leise. Aus dieser Fülle eine Top-50-Liste zu erstellen, bedeutet deshalb nicht, die objektiv «besten» Spieler zu küren, sondern ein paar hervorzuheben, die auffallen, überraschen, prägen oder alle Erwartungen übertroffen und ein Maximum aus ihren Möglichkeiten gemacht haben. Und Spuren und Erinnerungen hinterlassen.
20 David Sklenicka 🇨🇿
Verteidiger (29), Zug
Er musste sich letzte Saison mit 26 Punkten begnügen. Aber mindestens 40 waren erwartet worden und so liess ihn Lausannes Sportdirektor John Fust ziehen. Nun übertrifft er in Zug alle Erwartungen: Er geht als Zugs mit grossem Abstand produktivster Verteidiger in die Spengler-Cup-Pause und auch seine Plus/Minus-Bilanz ist eine formidable. Mit gleich drei Spielkameraden aus seiner tschechischen Heimat (und einem aus der wesensverwandten aus der Slowakei) fühlt er sich in Zug sichtlich wohl und Ende Oktober hat Sportchef Reto Kläy den Vertrag vorzeitig gleich bis 2028 verlängert. In Zug ist er am richtigen Ort angelangt und hat als Verteidigungsminister die richtige Rolle bekommen.
19 André Petersson 🇸🇪
Stürmer (35), Langnau
Der finnische Stürmer Aleksi Saarela musste im letzten Sommer in seinem Heimatland ins Militär einrücken. Deshalb ist sein Vertrag mit den SCL Tigers aufgelöst worden und Sportchef Pascal Müller hat André Petersson als Ersatz verpflichtet. Der Schwede ist dank einer explosiven Beschleunigung und Schlauheit teuflisch torgefährlich, kann aus dem Nichts heraus mit einem Pass Torchancen kreieren oder Tore erzielen. Und an einem guten Abend ist er der perfekte Konterstürmer. Obwohl er die vier ersten Partien verletzungshalber verpasst hatte (Rippenbruch nach einem Zusammenstoss mit Bastian Guggenheim im Training), geht er als Team-Topskorer und einer der besten Liga-Torschützen in die Spengler-Cup-Pause. Sein Vertrag ist bereits um ein weiteres Jahr vorzeitig verlängert worden.
18 Grégory Hofmann 🇨🇭
Stürmer (33), Zug
Er hat die Prise Unbeschwertheit und Unberechenbarkeit in seinem Spiel wieder gefunden, die er in den letzten 3 Jahren verloren hatte und die ihn einst in Lugano zu einem 30-Tore- und 50-Punkte-Skorer gemacht hatte. Er ist endlich wieder einer der schnellsten, explosivsten und treffsichersten Schweizer Flügel und an einem guten Abend ist er sogar der beste von allen und so gut wie noch nie seit seiner Rückkehr aus der NHL vor fünf Jahren. Der zweifache WM-Silberheld ist wieder gut genug, um in entscheidenden Spielen die Differenz und Zug meisterlich zu machen. Um wieder meisterlich zu werden, braucht Zug den wahren, den besten Grégory Hofmann.
17 Jérôme Bachofner 🇨🇭
Stürmer (29), Langnau
Seit er im Herbst 2018 bei den ZSC Lions schier unaufhaltsam durch die gegnerischen Verteidigungen gestürmt war, in den ersten 13 Partien 6 Tore und 4 Assists gebucht hatte und ins Ehrengewand des Topskorers schlüpfen durfte, hat er die Erwartungen nie mehr erfüllt. Nach vier mässigen Jahren in Zürich und Zug und zwei miserablen in Biel (94 Spiele/14 Punkte) stand seine Karriere im letzten Sommer auf der Kippe. Weil die Langnauer nach einem günstigen Stürmer suchten, hat er im letzten Moment eine letzte Chance bekommen – und sie genützt. Die Langnauer wären schon mit 20 Punkten und 5 Toren aus der ganzen Saison überglücklich gewesen. Nun ist er bereits nach 30 Spielen bei 9 Treffern und 15 Punkten angelangt und hat sich als bissiger Schillerfalter und schlauer Forechecker bestens ins System integriert und mit seiner unkomplizierten Art ist er im Team wohlgelitten. Am 24. November ist sein Vertrag vorzeitig um ein Jahr verlängert worden. Er ist in Langnau am Ort seiner Bestimmung angelangt.
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16 Romain Loeffel 🇨🇭
Verteidiger (34), Bern
Was wäre der SCB ohne Romain Loeffel? Nun ja, wahrscheinlich wäre die Krise des Herbstes mit dem Absturz auf den zweitletzten Platz nicht schlimmer. Aber es gäbe weniger Hoffnung. Im letzten Playoff-Spiel gegen Gottéron hatte er eine Gehirnerschütterung erwischt und im Sommer stand seine Karriere zeitweise auf der Kippe. Erst am 2. November gegen die ZSC Lions kehrte er ins Team zurück und geht nach nur 18 Partien bereits als punktbester SCB-Verteidiger in die Spengler-Cup-Pause. Der WM-Silberheld von 2024 ist einer der kreativsten Angriffsauslöser und schlausten Weitschützen an der blauen Linie mit Schweizer Pass und seit seiner Rückkehr hat der SCB berechtigte Hoffnungen auf ein versöhnliches Saisonfinale.
15 Malte Strömwall 🇸🇪
Stürmer (31), Rapperswil-Jona
Der neue Roman Cervenka ist er zwar auch in seiner zweiten Saison bei den Lakers nicht. Aber das hat auch niemand von ihm erwartet. Der Schwede ist weder so charismatisch noch so komplett wie der tschechische Weltklassespieler. Aber als teuflisch schneller Läufer, Dribbler und Vollstrecker erreicht er immerhin offensiv eine ähnliche Wirkung und dominiert auf den Aussenbahnen als Spielmacher und Vollstrecker das Spiel wie ein Mittelstürmer und an einem magischen Abend – und solche Abende hat es in dieser Saison schon viele gegeben – mahnt er ein wenig an Denis Malgin. Die Lakers sind sein 10. Arbeitgeber in den letzten 11 Jahren und die National League die 7. Liga. Ein solcher Hockey-Lebenslauf signalisiert viel Erfahrung und eine gewisse Unerschütterlichkeit. Auch das macht ihn zu einem starken Führungsspieler in einem Team, das bisher alle Erwartungen weit übertroffen hat.
14 Sandro Zurkirchen 🇨🇭
Torhüter (35), Bern
Im Frühjahr 2025 verlängert Kloten den Vertrag nicht mehr und die Chancen auf eine Fortsetzung seiner Karriere in der höchsten Liga sind ungefähr gleich gut wie die Aussichten auf einen Vertrag in der NHL. Aber er bleibt freundlich und gelassen, wie es seine Art ist, darauf vertrauend, dass sich schon noch irgendwo eine Türe öffnen wird. In einem der kuriosesten Transfers der SCB-Geschichte holt SCB-Obersportchef Martin Plüss den Goalie-Saurier nach Bern. Und siehe da: Sandro Zurkirchen ist eine sichere Nummer zwei. Wer sagt, er sei an einem guten Abend mindestens gleich gut wie Adam Reideborn, ist kein Polemiker. Sondern ein weiser Analyst.
13 Niklas Schlegel 🇨🇭
Torhüter (31), Lugano
Er ist inzwischen der meistunterschätzte Torhüter der Neuzeit. Ausländische Goalies kommen und gehen in Lugano, Niklas Schlegel bleibt im Tor stehen: Seit seiner Ankunft in Lugano im Herbst 2019 ist er die einzige Konstante in Luganos Torhüter-Seifenoper. Drei ausländische Goalies (Leland Irving, Mikko Koskinen, Adam Huska) sind in dieser Zeit in Lugano nicht glücklich geworden. Niklas Schlegel aber geht unbeirrt seinen Weg und ist nun einer der wichtigsten Spieler bei der sportlichen Renaissance unter Palmen und ist am Ort seiner Bestimmung angekommen. Bei den ZSC Lions durfte er nicht die Nummer 1 werden, beim SCB scheiterte er als Nachfolger von Leonardo Genoni, wurde bereits nach 16 Partien nach Lugano transferiert und bald zeigte sich in Bern, dass nicht der Goalie das Problem war. Aber das missglückte «SCB-Abenteuer» hat dazu geführt, dass er seither unterschätzt wird. An einem guten Abend kann er gegen jeden Gegner den Sieg stehlen. Das «SCB-Trauma» hat er verarbeitet. Aber ihm fehlen Charisma und Magie eines Leonardo Genoni.
12 Théo Rochette 🇨🇭🇨🇦
Stürmer (23), Lausanne
Gibt es einen frecheren, kreativeren, auf engstem Raum so beweglichen und bei aller Anstrengung und Intensität so unbeschwert wirkenden Stürmer mit Schweizer Pass? Die Antwort war schon letzte Saison: Nein. Die Antwort ist auch diese Saison: Nein. Er war im letzten Frühjahr der beste Torschütze der Playoffs und hat bewiesen, dass er kein Weichei ist. Nun ist er der beste Skorer mit Pass und hinter Matej Stransky und Austin Czarnik drittbester Skorer der Liga. Reicht das fürs Olympia- und WM-Team? Das ist noch keineswegs sicher. Vielleicht ist der kanadisch-schweizerische Doppelbürger eben eine Spur zu unbeschwert und Nationaltrainer Patrick Fischer traut dieser Leichtigkeit des Seins nicht ganz über den Weg – dabei ist er doch einer, der genau diese Leichtigkeit besser kennt als alle seine Trainerkollegen.
11 Sandro Schmid🇨🇭
Stürmer (25), Fribourg
Seine Karriere vom Musterjunior bis zum Leitwolf auf höchstem Welt-Niveau verläuft in schon fast unheimlicher Art und Weise geradlinig. Nach 3 Jahren Weiterbildung in Schweden (2016 bis 2019) kehrt er heim zu Gottéron und in seinem 6. Jahr ist er einer der Leitwölfe im WM-Silberteam von 2025 und nun im 7. Jahr auf dem Weg zu seiner ersten 40-Punkte-Saison. Zugleich hat er seinen Vertrag vorzeitig bis 2027 verlängert. Auf allen Stufen ist er bisher höchsten Erwartungen gerecht geworden und mit 25 Jahren noch nicht am Ende seiner Entwicklung angelangt. Die finale Herausforderung wartet noch: Leitwolf im ersten Meisterteam der Klubgeschichte werden. Wenn es geradlinig so weitergeht, führt sein Weg in Fribourg eher früher als später in den Meisterhimmel.
