Unvergessen
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The coffin of Italian cycling legend and former Tour de France and Giro d'Italia race winner Marco Pantani is carried outside the San Giacomo church in Cesenatico, northern Italy, Wednesday, Feb. 18, 2004. Pantani, 34, was found dead in a residence in Rimini, northern Italy, Saturday Feb.14, 2004.  (AP Photo/Luca Bruno)

Die Tifosi verabschieden sich von ihrem grossen Idol Marco Pantani.
Bild: AP

Unvergessen

14.02.2004: Der Pirat geht von Bord – aber in den Herzen der Fans lebt Marco Pantani ewig

14. Februar 2004: Ein italienischer Volksheld stirbt den Tod eines Rockstars. Einsam in einem Hotelzimmer erliegt Marco Pantani einer Überdosis Kokain. Allen Dopinggeschichten zum Trotz lebt er als Legende weiter.



Im Centovalli, unweit der Schweizer Grenze in der Nähe des Lago Maggiore, gibt es einen kleinen Pass. Als Piano di Sale ist er auf den Landkarten verzeichnet. Seinen neuen Namen, den inoffiziellen, markiert oben auf der Passhöhe, 985 Meter über Meer und mitten im Wald, ein Gedenkstein: Passo Marco Pantani.

Mitglieder eines seiner vielen Fanclubs haben den Stein installiert. Er erinnert nicht an irgendeinen Velorennfahrer. Sondern an einen ganz grossen und einen der beliebtesten Velorennfahrer.

Passo Marco Pantani

Die Erinnerung an Marco Pantani auf dem Piano di Sale.
Bild: Ralf Meile

Erst Spatz, dann kleiner Elefant

Der Stern des Marco Pantani geht 1994 auf. Im Giro d'Italia gewinnt der 24-Jährige zwei Etappen. Zunächst holt er sich den Sieg im Teilstück von Lienz nach Meran. «Spatz» rufen ihn die Tifosi da noch, weil er nur 1,70 Meter gross und 56 Kilogramm leicht ist.

Tags darauf doppelt der Kahlkopf aus Cesenatico in der Königsetappe über das Stilfserjoch nach und seine Legende wird geboren. Wie Pantani den fürchterlich steilen Mortirolo im Sturm erklimmt, begeistert die Massen. Mit markanten Segelohren fliegt er die Rampen dieses asphaltierten Ziegenpfades hoch. «Elefantino» nennen ihn die Fans nun.

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Am Mortirolo schüttelt Marco Pantani seine Fluchtgefährten Miguel Indurain und Nelson Rodriguez ab.
streamable

Ein Pirat in den Bergen

Pantani gewinnt die Etappe solo mit fast drei Minuten Vorsprung auf Claudio Chiapucci. «Du hast den Giro umgekrempelt», jubelt die «Gazzetta dello Sport» dem neuen Liebling zu. «Mit deinen 56 Kilo Knochen und Muskeln hast du die Hierarchie der Technik, der Erfahrung, der Tradition und des Respekts gesprengt.» Pantani wird am Ende hinter Jewgeni Berzin Gesamtzweiter der Italien-Rundfahrt.

Beim Aufstieg zur weltberühmten Alpe d'Huez hält er mit seinen 37:35 Minuten bis heute den Streckenrekord. Das Verrückte: Pantani stellt ihn 1997 nicht in einem Bergzeitfahren auf, sondern am Ende einer «gewöhnlichen» Etappe. Sein grösstes Jahr folgt aber erst noch. 1998 schafft Pantani das Double Giro/Tour. Längst hat er da einen weiteren Übernamen: «Il Pirata», Pirat, wird er gerufen, weil er oft mit einem Kopftuch unterwegs ist.

Marco Pantani of Italy strains on his way to win the 11th stage of the Tour de France cycling race from Luchon to the Plateau de Beille in the Pyrenees mountains Wednesday, July 22, 1998. (KEYSTONE/AP Photo/str) HOLLAND OUT

Auf dem Plateau de Beille in den Pyrenäen feiert Pantani 1998 den Sieg in der 11. Etappe der Tour de France. Wenige Tage später ist er auch Gesamtsieger. Bild: AP

Doping als Genickbruch

Natürlich ist – gerade auch 1998 im Jahr des Festina-Skandals – die Dopingfrage ein steter Begleiter Pantanis. Wie fast jeder grosse Fahrer seiner Zeit wird auch der Italiener erwischt.

Am Giro d'Italia 1999 fährt er alles in Grund und Boden, gewinnt vier Etappen – und wird am drittletzten Tag in Madonna di Campiglio ausgeschlossen, weil er zu viele rote Blutkörperchen hat. Ein klarer Hinweis auf das damals flächendeckende Epo-Doping.

Es ist der Knackpunkt in seiner Karriere. Nach der Sperre kann «Elefantino» zwar nochmals zwei Etappen der Tour de France gewinnen, darunter eine auf den spektakulären Mont Ventoux. Doch so gut wie früher fährt er nie mehr. 2003 wird bekannt, dass sich Pantani wegen Depressionen in einer Nervenklinik aufgehalten hatte.

Italy's Marco Pantani answers media questions as he leaves his hotel in Madonna di Campiglio Saturday, June 5, 1999, after he was banned from the Tour of Italy cycling race after tests showed unusually high levels of red cells in in his blood. The Italian cycling star may have to stand trial for the alleged use of banned substances during a 1995 race.  (KEYSTONE/AP Photo/Armando Trovati)    === ELECTRONIC IMAGE ===

Am 5. Juni 1999 – auf den Tag genau fünf Jahre nach seinem grossen Sieg in Aprica – wird Pantani von Reportern bedrängt. Soeben ist der souveräne Leader aus dem Giro ausgeschlossen worden. Bild: AP

Sein Tod lässt Italien bis heute nicht los

Wenige Monate später ist er tot. Marco Pantani wird nur 34 Jahre alt. Zunächst geht man von Suizid aus, da in seinem Hotelzimmer in Rimini mehrere leere Packungen Antidepressiva gefunden werden. Die Autopsie ergibt später einen anderen Befund: Marco Pantani stirbt am 14. Februar 2004 an einer Überdosis Kokain.

Der einsame Tod des Rockstars der Radszene bildet indes bis heute Anlass zu Verschwörungstheorien. Zehn Jahre nach dem Tod nimmt die Staatsanwaltschaft erneut Ermittlungen auf. Das Gerücht, dass jemand – die Mafia – Pantani gezwungen hat, das Kokain zu sich zu nehmen, erhärtet sich nicht.

Marco Pantani of Italy, right, sprints to beat overall leader Lance Armstrong of Austin, Texas, and win the 12th stage of the Tour de France cycling race between Carpentras and Mont Ventoux, southern France, Thursday, July 13, 2000. (AP Photo/Christophe Ena)

Die Grössten ihrer Zeit: Lance Armstrong und Marco Pantani beim Etappensieg des Italieners auf dem Mont Ventoux im Jahr 2000. Bild: AP

Denkmal an «seinem» Monument

«Der steilste Berg, den ich je gefahren bin», sagte Lance Armstrong einst über den Mortirolo. Marco Pantani konnte es gar nicht steil genug sein. Die Legende geht, dass er sich eine grössere Übersetzung als alle Gegner montieren liess – und weil der kleinste Gang plötzlich streikte, musste ihm der zweitkleinste ausreichen.

In einer der vielen engen Kehren von Mazzo im Veltlin hoch hat die Vereinigung der italienischen Radprofis im April 2006 einem der grössten ihrer Zunft ein Denkmal errichtet. Am Mortirolo, der aus einem Spatz einen kleinen Elefanten machte.

Marco Pantani Mortirolo

Eine Skulptur und eine kleine Gedenktafel erinnern am Mortirolo an Marco Pantani. Bild: Ralf Meile

Unvergessen

In der Serie «Unvergessen» blicken wir jeweils am Jahrestag auf ein grosses Ereignis der Sportgeschichte zurück: Ob hervorragende Leistung, bewegendes Drama oder witzige Anekdote – alles ist dabei.

Mit Doping erwischte Sieger der Tour de France

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Mit Oscar Camenzind fährt endlich wieder ein Schweizer ins Regenbogentrikot

11. Oktober 1998: Im holländischen Valkenburg rast Velorennfahrer Oscar Camenzind zum grössten Triumph seiner Karriere. Im strömenden Regen wird er als erst dritter Schweizer Strassen-Weltmeister.

Papa Adalbert hält es nicht mehr aus. Im holländischen Valkenburg ist sein Sohn Oscar drauf und dran, Weltmeister zu werden. «Ich war so nervös, ich flüchtete auf die Toilette», erzählte Adalbert dem «Blick». «Als in der Stube ein fürchterliches Geschrei losging, glaubte ich, Ösi wäre eingeholt worden. Dabei war er schon im Ziel.» Als erst dritter Schweizer nach Hans Knecht 1946 und dem legendären Ferdy Kübler 1951 holt sich Oscar Camenzind das Regenbogentrikot des Weltmeisters.

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