Unvergessen
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Keines Blickes wuerdigen sich die beiden amerikanischen Eiskunstlaeuferinnen Tonya Harding (l) und Nancy Kerrigan waehrend des Trainings am 17. Februar 1994 in der Eishalle von Hamar. 1994 hatte eine Harding-Attacke gegen ihre Rivalin Kerrigan bei den US-Titelkaempfen in Detroit fuer Schlagzeilen gesorgt: Mitglieder der so genannten Harding-Clique hatten Kerrigan mit einer Eisenstange gegen die Knie geschlagen, um sie bei den Olympischen Winterspielen im norwegischen Lillehammer auszuschalten.  (KEYSTONE/EPA/DPA/ANDREAS ALTWEIN)

Krieg der Eisprinzessinen

Unvergessen

25.02.1994: Am Ende strahlt die Schöne, das Biest vergiesst bittere Tränen

25. Februar 1994: Nancy Kerrigan gewinnt Olympia-Silber im Eiskunstlauf. Dass sie starten kann, grenzt an ein Wunder. Sechs Wochen zuvor zertrümmert ihr ein Handlanger von Erzrivalin Tonya Harding mit einer Eisenstange das Knie.



Sie hätten unterschiedlicher nicht sein können: Everybody's Darling auf der einen, die eifersüchtige Erzrivalin auf der anderen Seite. Vor den Olympischen Spielen in Lillehammer 1994 spitzt sich der Konkurrenzkampf im us-amerikanischen Eiskunstlauf-Team zwischen Nancy Kerrigan und Tonya Harding immer mehr zu. Schliesslich endet er in einem Drama, das sich selbst Hollywoods Filmemacher nicht besser hätten ausdenken können.

Nancy Kerrigan ist zu Beginn der 90er-Jahre Amerikas Vorzeige-Eisballerina. Aus bescheidenen Verhältnissen kämpft sich die hübsche Tochter eines Schweissers nach ganz oben. Sie versprüht den Glamour, den die Amerikaner so lieben.

ADVANCE FOR MONDAY, DEC. 23 - FILE - In this Jan. 12, 1992, file photo, Tonya Harding, left, and Nancy Kerrigan appear at the U.S. Figure Skating Championships in Orlando, Fla. It's been nearly 20 years since Kerrigan was clubbed after practice in Detroit by a member of a bumbling goon squad hired by Harding's ex-husband with the hope of eliminating his former wife's top competition for the U.S. Olympic team. (AP Photo/Phil Sandlin, File)

Die «Schöne» und das «Biest»: Nancy Kerrigan (rechts) und Tonya Harding, 1992. Bild: AP

Tonya Harding ist zweifellos das grössere sportliche Talent. Schon als Zwölfjährige steht sie den dreifachen Lutz. Mit knapp 17 Jahren ist sie 1987 weltweit die erste Läuferin, die in einem internationalen Wettkampf den dreifachen Axel steht. Doch Harding, die aus einem zerrütteten Elternhaus kommt und die Schule abbricht, fehlt bei ihren Darbietungen das gewisse Etwas. Der Glamour, den Kerrigan versprüht.

Harding muss nach der WM-Silbermedaille 1991 zusehen, wie ihr Kerrigan mehr und mehr den Rang abläuft. Bei den US-Meisterschaften 1993 holt die «Schöne» Gold, dem «Biest» bleibt nur der undankbare vierte Rang. Das grosse Ziel, Olympiagold in Lillehammer und der damit verbundene soziale Aufstieg, scheint in weite Ferne gerückt.

So blieb Nancy Kerrigan der Welt in Erinnerung: Als lächelnde Eisprinzessin. Bild: AP

Das Attentat mit der Eisenstange

So schmiedet Hardings Ehemann Jeff Gilloly einen perfiden Plan. Zusammen mit Hardings Bodyguard Shawn Eckardt heuert er einen Schläger an, der ein Attentat auf Kerrigan verüben soll. Am 6. Januar 1994 passiert es: Vor den US-Meisterschaften wird Kerrigan nach dem Training von Shane Stant mit einer Eisenstange am Knie verletzt. «Warum? Warum ich?», schreit das am Boden liegende Opfer mit Schmerz verzerrtem Gesicht. Das Bild geht um die Welt.

Die Bilder der schreienden Nancy Kerrigan ging um die Welt. Video: Youtube/IntersportChicago

Kerrigan kann nicht zu den US-Meisterschaften antreten. Harding holt den Titel, der ihr später jedoch aberkannt werden sollte. Statt das zweite Olympiaticket direkt an die zweitplatzierte Michelle Kwan zu vergeben, lässt der Verband die Tür für Nancy Kerrigan offen.

Noch weiss die Welt nicht, wer für das Attentat verantwortlich ist. Doch nach gut einer Woche verhaftet die Polizei drei Männer. Einer von ihnen ist Hardings Ehemann. Seine Schuld lässt sich schnell beweisen. Ob seine Ehefrau vom Attentat wusste, jedoch nicht. Harding erkämpft sich ihre Olympia-Teilnahme vor Gericht, die Öffentlichkeit hat ihre Meinung aber längst gebildet.

So kommt es bei Olympia zum vielbeachteten «Krieg der Eisprinzessinnen», zum Kampf «Gut» gegen «Böse», den Kerrigan klar für sich entscheidet. 49 Prozent aller Amerikaner sitzen vor dem TV, als sie sich mit den «zwei besten Vorführungen» ihres Lebens die Silbermedaille holt.

Kerrigan verpasst dem Olympiasieg um 0,5 Punkte. Video: Youtube/3Axel1996

Bei Harding, die vom Publikum gnadenlos ausgepfiffen wird, bricht während ihrer Kür nach 45 Sekunden die Kufe. Sie darf noch einmal anfangen, doch die Nerven halten nicht. Tränenüberströmt verlässt sie nach ihrem Debakel und Rang 8 das Eis.

Harding muss ihre Kür wegen einer gebrochen Kufe abbrechen. Video: Youtube/3Axel1996

Hardings sozialer Abstieg zur Lachnummer

Doch für Harding geht der Albtraum weiter. Mitte März bekennt sie sich im Prozess um das Attentat schuldig. Sie wird zu drei Jahren Haft auf Bewährung, zu einer Busse von 160'000 Dollar und 500 Stunden gemeinnütziger Arbeit verurteilt. Ausserdem darf sie nie mehr an Amateur-Wettkämpfen teilnehmen.

Es folgt der endgültige soziale Abstieg. Sie versucht sich als Schauspielerin, Sängerin, Profiboxerin, Rennfahrerin und Wrestlerin. Der Erfolg bleibt überall aus. Und dann gibt es da noch das vom Ex-Mann im Internet verbreitete Video, in dem sie barbusig tanzt, und über das die ganze Welt lachte.

ADVANCE FOR USE MONDAY, DEC. 23 - FILE - In this Feb. 21, 2003, file photo, Former Olympic figure skater Tonya Harding poses during the weigh-in for her bantamweight fight against Samantha Browning in Tunica, Miss. It's been nearly 20 years since Nancy Kerrigan was clubbed after practice by a member of a bumbling goon squad hired by Harding's ex-husband with the hope of eliminating his former wife's top competition for the U.S. Olympic team. (AP Photo/Mark Humphrey, File)

Harding leidet ständig unter akuter Geldnot: Auch als Wrestlerin hat sie keinen Erfolg.  Bild: AP

Harding: «Sie ist eine Prinzessin und ich bin ein Haufen Scheisse»

Kerrigan dagegen ist noch immer Amerikas Darling. Trotz ihrem Rücktritt nach den Spielen von Lillehammer verdiente sie Millionen, auch weil sich Disney die Rechte am Kerrigan-Drama sicherte. Und noch immer flattern die Angebote ins Haus: In Sotschi wird sie als Eiskunstlauf-Expertin für NBC tätig sein.

Mit ihrer damaligen Konkurrentin hat die «Eisprinzessin» seit 20 Jahren nicht mehr gesprochen. Harding lebt mittlerweile zurückgezogen auf dem Land. In einer TV-Dokumentation von ESPN, die im Rahmen des 20-Jahr-Jubiläums des Attentats vor einigen Wochen ausgestrahlt wurde, gibt sie sich nach wie vor verbittert. «Nancy ist eine Prinzessin, so sieht sie jeder. Sie ist eine Prinzessin und ich bin ein Haufen Scheisse.»

Unvergessen

In der Serie «Unvergessen» blicken wir jeweils am Jahrestag auf ein grosses Ereignis der Sportgeschichte zurück: Ob eine hervorragende sportliche Leistung, ein bewegendes Drama oder eine witzige Anekdote - alles ist dabei. 

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Totgeglaubter Japaner beendet Olympia-Marathon nach 54 Jahren

13. November 1983: Heute stirbt der Mann, der bei den Olympischen Spielen 1912 einen skurrilen Rekord aufstellte. Oder besser: Zu diesem aufbrach. Denn erst 1967 endet sein längstes Rennen der Geschichte. Unterwegs heiratete er und zeugte sechs Kinder.

Olympia ist 1912 noch kein Kassenschlager. Das Stadion in Stockholm ist meist gähnend leer. Bis am letzten Tag, dem 14. Juli 1912 um 13.45 Uhr. Dann steht der Marathon auf dem Programm. Im laufsportverrückten Schweden DAS Ereignis. 22'000 füllen die Arena, Tausende stehen an der Strecke.

Allerdings ist die Freude bei den Organisatoren trotzdem getrübt. Grund ist das Wetter: Bis zu 32 Grad werden gemessen, eine völlig unerwartete Hitze. Schon vier Jahre zuvor brachen beim Marathon in London bei …

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