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USA
Afghanistan

Der Krieg in Afghanistan war der längste in der amerikanischen Geschichte, aber nicht der blutigste

Angehörige besuchen am 26. Mai, dem «Memorial Day», Soldatengräber auf dem Friedhof von Arlington.
Angehörige besuchen am 26. Mai, dem «Memorial Day», Soldatengräber auf dem Friedhof von Arlington.Bild: JONATHAN ERNST/REUTERS
Die vielen Kriege der USA

Der Krieg in Afghanistan war der längste in der amerikanischen Geschichte, aber nicht der blutigste

US-Präsident Obama hat den Krieg in Afghanistan den «längsten Krieg in der amerikanischen Geschichte» genannt. Schon seit fast 13 Jahren stehen US-Soldaten am Hindukusch. Andere Kriege waren kürzer – doch viel blutiger.  
30.05.2014, 10:4525.06.2014, 15:32
Daniel Huber
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«Dieses Jahr bringen wir Amerikas längsten Krieg zu einem verantwortungsvollen Ende», sagte der amerikanische Präsident Barack Obama am 27. Mai in Washington. «Die Amerikaner haben gelernt, dass es schwieriger ist, einen Krieg zu beenden, als einen anzufangen.» 

So lange dauerten Amerikas Kriege

Dauer der US-Beteiligung in Monaten
Dauer der US-Beteiligung in Monaten

Tatsächlich ist der Kampfeinsatz von US-Truppen in Afghanistan der längste in der Geschichte der USA. Seit dem 7. Oktober 2001 sind in dem Bergland, in dem schon die Soldaten des Britischen Empires und der sowjetischen Roten Armee bittere Lektionen lernen mussten, über 2000 US-Soldaten gestorben.

Der verlustreichste Krieg war der Bürgerkrieg

Diese Zahl, so hoch sie auch ist, verblasst gegen die Zahl der toten Soldaten früherer Kriege. In den gut vier Jahren des Sezessionskrieges starben schätzungsweise 750'000 Soldaten. Kein anderer Krieg hat mehr amerikanische Soldaten das Leben gekostet. Das zeigt die Übersicht über die grösseren bewaffneten Konflikte, an denen die Vereinigten Staaten beteiligt waren: 

Amerikanischer Unabhängigkeitskrieg

  • Dauer: 19. April 1775 bis 11. April 1783 (96 Monate)
  • Tote: ca. 100'000
  • Davon US-Soldaten: ca. 25'000 
  • Grund: Widerstand der 13 Kolonien gegen britische Besteuerung, Unabhängigkeitsbestrebungen 
  • Resultat: Sieg der Amerikaner, Unabhängigkeit der Kolonien, Entstehung der USA 
Nach dem Siebenjährigen Krieg versuchten die Briten, die hohen Kriegskosten zum Teil auf die überseeischen Kolonien zu überwälzen. Die Steuern erzürnten die Bewohner der 13 Kolonien, die sich schliesslich gegen die Kolonialmacht erhoben. Mit französischer Hilfe gelang es den von George Washington geführten amerikanischen Milizen, die Briten zu schlagen. Ihr Sieg bedeutete das Ende des Ersten Britischen Weltreichs; die Briten richteten ihr Augenmerk nun verstärkt auf Asien, wo mit Indien im Zentrum ihr Zweites Weltreich entstand. 
Bild: Amerikanische Truppen aus Delaware in der Schlacht von Long Island.
Bild: Wikipedia/PD

So verlustreich waren Amerikas Kriege

Bei Gefechten oder aus anderen Gründen umgekommene US-Soldaten.
Bei Gefechten oder aus anderen Gründen umgekommene US-Soldaten.

Britisch-Amerikanischer Krieg
(Krieg von 1812) 

  • Dauer: 18. Juni 1812 bis 18. Februar 1815 (32 Monate)
  • Tote: ca. 20'000 
  • Davon US-Soldaten: ca. 15'000 
  • Grund: Zwangsrekrutierung amerikanischer Seeleute durch die Briten, Übergriffe auf amerikanische Handelsschiffe 
  • Resultat: Status quo ante bellum 
Die Spannungen zwischen Briten und Amerikanern führten zur amerikanischen Kriegserklärung im Juni 1812. Die britische Flotte war der amerikanischen haushoch überlegen, dafür verfügten die Amerikaner über stärkere Landstreitkräfte. Im August 1814 gelang es den Briten, Washington zu erobern. Ein britischer Landungsversuch im Januar 1815 bei New Orleans endete dagegen in einer schweren Niederlage. Militärisch konnte keiner der Gegner den Krieg für sich entscheiden. 
Bild: Schlacht bei New Orleans, Januar 1815.
Bild: Wikipedia/U.S. National Archives and Records Administration

Mexikanisch-Amerikanischer Krieg

  • Dauer: 25. April 1846 bis 2. Februar 1848 (21 Monate)
  • Tote: ca. 30'000
  • Davon US-Soldaten: 13'300 
  • Grund: Grenzstreitigkeiten in Texas, amerikanische Expansionsbestrebungen
  • Resultat: Sieg der USA. Mexiko tritt ein riesiges Gebiet – den gesamten heutigen Südwesten – an die USA ab.  
Bereits 1836 hatte sich Texas von Mexiko gelöst und 1845 an die USA angeschlossen. Der umstrittene Grenzverlauf zu Mexiko wurde zum Vorwand für den Krieg, in dem die mexikanische Seite krass unterlegen war. Mit der Eroberung von Mexiko-Stadt war der Krieg endgültig entschieden; die USA erreichten nun den Pazifik und konnten ihr Staatsgebiet auf Kosten Mexikos um einen Drittel vergrössern. 
Bild: Eroberung von Monterrey, September 1846
Bild: Wikipedia/PD

Sezessionskrieg
(Amerikanischer Bürgerkrieg)​

  • Dauer: 12. April 1861 bis 23. Juni 1865 (rund 50 Monate)
  • Tote: ca. 1'000'000
  • Davon US-Soldaten: ca. 750'000 (Nord- und Südstaaten)
  • Grund: Sezession der sklavenhaltenden Südstaaten
  • Resultat: Sieg der Nordstaaten. Abschaffung der Sklaverei
Der blutige Konflikt zwischen den industrialisierten Nordstaaten und den agrarischen, sklavenhaltenden Südstaaten veränderte die USA stark. Der Süden wurde verwüstet, die Vorherrschaft des Nordens auf Jahre hinaus zementiert. Die Zentralregierung gewann an Einfluss gegenüber den Einzelstaaten. Die Verluste, vor allem durch Krankheiten, waren enorm: Die Nordstaaten verloren 360'000 Soldaten, der Süden 260'000. Neuere Forschungsergebnisse gehen von noch höheren Zahlen aus.  
Bild: Unionstruppen in Virginia, 1863. 
Bild: Wikipedia/PD

Spanisch-Amerikanischer Krieg

  • Dauer: 23. April bis 12. August 1898 (3,5 Monate) 
  • Tote: ca. 85'000
  • Davon US-Soldaten: 2400
  • Grund: Aufstand auf Kuba, Wahrung von US-Wirtschaftsinteressen, Beerbung des spanischen Kolonialreichs
  • Resultat: Sieg der USA. Spanien gibt Kuba auf und tritt Guam, Puerto Rico sowie die Philippinen an die USA ab.
Die Unabhängigkeitsbestrebungen in den spanischen Kolonien – vor allem auf Kuba und den Philippinen – wurden von den USA gefördert, die besonders auf Kuba starke Wirtschaftsinteressen hatten. Das marode spanische Kolonialreich war nicht in der Lage, den Amerikanern lange zu widerstehen. Die meisten US-Verluste – manche Schätzungen gehen bis zu 5400 Toten – waren auf tropische Krankheiten zurückzuführen. 
Bild: Der spätere Präsident Theodore Roosevelt (M.) posiert mit seinen «Rough Riders» nach der Schlacht von San Juan, Kuba. 
Bild: Wikipedia/PD

Philippinisch-Amerikanischer Krieg

  • Dauer: 2. Juni 1899 bis 4. Juli 1902 (37 Monate)
  • Tote: 220'000 bis zu 1'000'000
  • Davon US-Soldaten: 4200 
  • Grund: Kampf der philippinischen Unabhängigkeitsbewegung gegen die neue Kolonialmacht USA 
  • Resultat: Sieg der USA 
Die philippinische Unabhängigkeitsbewegung hatte im Spanisch-Amerikanischen Krieg auf Seiten der Amerikaner gegen die Spanier gekämpft. Ihre Hoffnungen wurden betrogen: Die Amerikaner, die den pazifischen Archipel als Sprungbrett nach China sahen, traten nun anstelle der Spanier als Kolonialmacht auf – trotz ihrer eigenen kolonialen Vergangenheit. Der Aufstand war offiziell 1902 niedergeschlagen, doch in einigen Gebieten dauerte der Widerstand bis 1913. 
Bild: US-Soldaten bei Manila, 1899.
Bild: Wikipedia/PD

Erster Weltkrieg

  • Dauer: 3. Mai 1917 bis 11. November 1918 (18 Monate)
  • Tote: ca. 17 Millionen (gesamter Krieg 1914 - 1918)
  • Davon US-Soldaten: 116'500
  • Grund: Kriegseintritt der USA aufgrund des unbeschränkten U-Boot-Kriegs des Deutschen Reichs
  • Resultat: Sieg der USA auf Seiten der Entente, Niederlage der Mittelmächte 
Im Februar 1917 nahm das Deutsche Reich den unbeschränkten U-Boot-Krieg wieder auf, im Wissen, dass damit der Kriegseintritt der USA auf Seiten der Entente unausweichlich wurde. Die deutsche Führung unterschätzte das militärische Potenzial der USA; ein Fehler, den sie im Zweiten Weltkrieg wiederholte. Tatsächlich waren im Juni 1917 erst 14'000 US-Soldaten der «American Expeditionary Forces» in Frankreich stationiert, aber bis Mai 1918 stieg ihre Zahl auf über eine Million.   
Bild: US-Soldaten feiern die Ausrufung des Waffenstillstands am 11. November 1918.
Bild: Wikipedia/PD

Zweiter Weltkrieg

  • Dauer: 8. Dezember 1941 bis 2. September 1945 (45 Monate)
  • Tote: ca. 65 Millionen (gesamter Krieg 1939 - 1945)
  • Davon US-Soldaten: ca. 400'000
  • Grund: Kriegseintritt der USA aufgrund des japanischen Überfalls auf Pearl Harbor 
  • Resultat: Sieg der USA auf Seiten der Alliierten, Niederlage der Achsenmächte
Im Zweiten Weltkrieg, in den die zunächst isolationistischen USA erst nach dem japanischen Überfall auf ihre Pazifikflotte in Pearl Harbor eintraten, spielten die amerikanischen Streitkräfte und die Wirtschaftskraft der USA eine entscheidende Rolle. Die USA gingen als stärkste Militärmacht und erste Nuklearmacht der Welt aus dem Krieg hervor. 
Bild: Amerikanische Truppen kurz vor der Landung in der Normandie, 6. Juni 1944. 
Bild: Wikipedia/PD

Koreakrieg

  • Dauer: 25. Juni 1950 bis 27. Juli 1953 (37 Monate)
  • Tote: schätzungsweise 2,5 - 3,5 Millionen 
  • Davon US-Soldaten: 37'000 
  • Grund: Nordkoreanischer Angriff auf Südkorea
  • Resultat: Waffenstillstand, Status quo ante bellum
Der Konflikt in Korea war ein Stellvertreterkrieg im Kalten Krieg. Die US-Truppen waren Teil einer UNO-Streitmacht, die Südkorea nach dem nordkoreanischen Überfall zurückeroberte. Die chinesischen Truppen, die danach Nordkorea vor der Niederlage retteten, galten offiziell als Freiwilligenverbände. Die US-Luftwaffe führte einen massiven Bombenkrieg, der im urbanisierten Korea mehr Schäden anrichtete als jener in Vietnam. Der Krieg endete in einem Patt; die Teilung der Halbinsel wurde zementiert. 
Bild: US-Soldaten auf einem M24-Panzer in Korea, 1950.
Bild: Wikipedia/PD

Vietnamkrieg
(Zweiter Indochinakrieg)

  • Dauer: 7. August 1964 bis 15. August 1973 (108 Monate) 
  • Tote: schätzungsweise 2,3 - 3,8 Millionen (gesamter Krieg 1955 - 1975)
  • Davon US-Soldaten: 58'000 
  • Grund: Unterstützung Südvietnams gegen Vietkong und Nordvietnam
  • Resultat: Niederlage der USA; Truppenabzug, darauf Eroberung Südvietnams durch Nordvietnam 
Nachdem Vietnam als Folge des Ersten Indochinakrieges geteilt worden war, unterstützten die USA das korrupte südvietnamesische Regime gegen die kommunistische Guerilla, die von Nordvietnam gefördert wurde. US-Militärberater waren schon seit 1955 im Einsatz; ab 1961 erhöhte sich ihre Zahl massiv und die US-Luftwaffe flog Bombenangriffe. Reguläre US-Truppen kamen erst nach dem Tonkin-Zwischenfall im August 1964 nach Vietnam. Gegen den Guerillakrieg des Vietkong fanden die USA kein Rezept, die asymmetrische Kriegführung endete mit ihrer Niederlage trotz mancher taktischer Erfolge. Auch der massive Bombenkrieg erwies sich als Fehlschlag. Von 1969 bis 1973 zogen die USA die meisten Truppen zurück. Das südvietnamesische Regime konnte sich nicht halten; 1975 fiel Saigon.
Bild: US-Truppen bauen einen Artillerie-Stützpunkt in Vietnam aus, 1968.
Bild: Wikipedia/PD

Erster Irakkrieg
(Zweiter Golfkrieg)

  • Dauer: 16. Januar bis 5. März 1991 (1,5 Monate)
  • Tote: geschätzt 4000 bis 110'000, Maximalschätzungen bis zu 400'000 
  • Davon US-Soldaten: 293 
  • Grund: irakischer Einmarsch in Kuwait, Annexion Kuwaits
  • Resultat: militärischer Sieg der USA; Rückzug des Iraks aus Kuwait und Annullierung der Annexion
Die von den USA angeführte Koalition flog zunächst zehntausende von Luftangriffen auf den Irak, bis am 24. Februar 1991 der Bodenkrieg begann. Die irakische Armee hatte den Hightech-Waffen der Koalition kaum etwas entgegenzusetzen. Bei der Bombardierung von irakischen Truppen, die sich auf dem «Highway of Death» auf dem Rückzug befanden, kamen auch zahlreiche Zivilisten ums Leben. Manche Beobachter kritisierten, dass der militärische Sieg nicht zur Eroberung Bagdads und zur Absetzung Saddam Husseins genutzt wurde.   
Bild: Die USS Missouri feuert zu Beginn der Operation Desert Storm im Januar 1991 einen Tomahawk-Marschflugkörper ab. Der Erste Irakkrieg war der letzte Krieg, in dem Schlachtschiffe zum Einsatz kamen.
Bild: Wikipedia/PD

Afghanistankrieg

  • Dauer: 7. Oktober 2001 bis heute (152 Monate)
  • Tote: geschätzt 20'000 - 30'000
  • davon US-Soldaten: 2322
  • Grund: militärische Reaktion auf die Anschläge vom 11. September 2001 
  • Resultat: Sturz des Talibanregimes, Vertreibung der al-Qaida-Kämpfer, darauf Aufstand der Taliban. Bevorstehender amerikanischer Truppenabzug
Nach den Terroranschlägen der al-Qaida in New York und Washington verbündeten sich die USA mit den afghanischen Gegnern des Talibanregimes, das der al-Qaida Unterschlupf gewährte. Die Allianz stürzte die Taliban, vertrieb die Al-Kaida-Kämpfer und richtete eine Übergangsregierung ein. US-Truppen und Soldaten aus anderen Nato-Ländern bildeten die ISAF-Schutztruppe. Seit 2003 nahmen die Anschläge der wiedererstarkten Taliban zu, denen es auch gelang, einige Gebiete wieder unter Kontrolle zu bringen. Auch dieser Konflikt ist ein typischer asymmetrischer Krieg, in dem auf den schnellen Sieg gegen einen unterlegenen Gegner ein Guerillakrieg folgt, der kaum zu gewinnen ist. 
Bild: Ein US-Soldat blickt in der afghanischen Provinz Lugar aus einem Chinook-Helikopter. 
Bild: AFP/Brendan Smialowski

Zweiter Irakkrieg 
(Dritter Golfkrieg)

  • Dauer: 20. März 2003 bis 15. Dezember 2011 (105 Monate)
  • Tote: geschätzt 120'000 bis 1'000'000
  • davon US-Soldaten: 4486
  • Grund: Angeblicher Besitz von Massenvernichtungswaffen
  • Resultat: militärischer Sieg, politische Niederlage der USA. Sturz des irakischen Regimes, De-facto-Autonomie der Kurden, Stärkung des schiitischen und iranischen Einflusses
An der Spitze einer «Koalition der Willigen» marschierten die USA 2003 ohne UNO-Mandat in den Irak ein, dem sie vorwarfen, er verfüge über Massenvernichtungswaffen und sei in die Anschläge vom 11. September 2001 verwickelt gewesen. Beide Vorwürfe erwiesen sich als falsch. Auch im Irak war der Kampf gegen die regulären Truppen schnell entschieden: Schon am 1. Mai 2003 erklärte US-Präsident George W. Bush die Kämpfe für beendet. Doch auch im Irak formierte sich der Widerstand in Gestalt von Guerillaaktionen und Selbstmordanschlägen gegen die Besatzungsmacht. Der al-Qaida gelang es, im Land Fuss zu fassen. Vor allem die Sunniten, die ihre vorherrschende Stellung im Irak verloren hatten, unterstützten den Aufstand. Nach dem Abzug der US-Truppen haben al-Qaida-Kämpfer mehrere Städte, darunter Falludscha, fast ganz unter Kontrolle gebracht. 
Bild: Ein US-Soldat in Falludscha trägt eine Puppe als Glücksbringer. In Falludscha erreichten die Kämpfe zwischen Aufständischen und US-Truppen im November 2004 einen Höhepunkt. 
Bild: AP
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