USA
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Keine Anklage gegen weissen Polizisten

Proteste in Ferguson eskalieren: 13 Verletzte, 29 Festnahmen

Der Entscheid der Jury, den Todesschützen von Ferguson nicht anzuklagen, hat heftige Proteste ausgelöst. Landesweit gingen Menschen auf die Strasse, um gegen Polizeigewalt zu demonstrieren, in Ferguson schlugen die Proteste in Gewalt und Plünderungen um.

Die tödlichen Polizeischüsse auf einen schwarzen Teenager in Ferguson im US-Bundesstaat Missouri ziehen keine Anklage nach sich. Das entschied die sogenannte Grand Jury aus zwölf Geschworenen nach Angaben der Staatsanwaltschaft am Montag (Ortszeit).

Handgreiflichkeiten nach Protesten: In Ferguson liefern sich Demonstranten Scharmützel mit der Polizei. vine/lauren gambino

Die Beweislage reiche für eine Anklage gegen den weissen Polizisten Darren Wilson nicht aus. Wilson hatte Anfang August den unbewaffneten Jugendlichen Michael Brown erschossen und Notwehr geltend gemacht.

St. Louis County Prosecutor Robert McCulloch announces the grand jury's decision not to indict Ferguson police officer Darren Wilson in the Aug. 9 shooting of Michael Brown, an unarmed black 18-year old,  on Monday, Nov. 24, 2014, at the Buzz Westfall Justice Center in Clayton, Mo. (AP Photo/St. Louis Post-Dispatch, Cristina Fletes-Boutte, Pool)

Staatsanwalt Robert McCulloch verkündet am 24. November das Urteil.  Bild: AP/St. Louis Post-Dispatch

google maps

Die Familie des Opfers Michael Brown kritisierte den Juryentscheid scharf. «Wir sind zutiefst enttäuscht, dass dem Mörder unseres Kindes keine Konsequenzen für sein Handeln drohen», hiess es in einer Stellungnahme von Browns Familie. Die Angehörigen riefen wiederholt zum Gewaltverzicht auf und baten die Demonstranten, ihre «Frustration» über die Entscheidung in Handlungen für einen «positiven Wandel» umzumünzen. Staatsanwalt Robert McCulloch hatte zuvor die Entscheidung der Grand Jury auf einer Pressekonferenz verkündet. Für eine Anklageerhebung hätten neun der zwölf Geschworenen dies fordern müssen. 

Auszüge aus der Zeugenaussage des Polizisten Darren Wilson

«Normalerweise trage ich keinen Taser bei mir. Es ist nicht allzu bequem, so ein Ding zu tragen.» twitter/kmoxnews

«Hände hoch». Darren Wilson beschreibt den Teenager Michael Brown in seiner Zeugenaussage als «Es» und «Dämon». twitter/moneyries

Reaktionen von US-Sportstars

Mit Unverständnis haben schwarze US-Sportstars auf die Jury-Entscheidung reagiert, einen weissen Polizisten nicht für seine Schüsse auf einen unbewaffneten schwarzen Jugendlichen in Ferguson (Missouri) anzuklagen. «Wow. Einfach Wow. Beschämend. Was muss noch passieren???» twitterte die Weltranglisten-Erste im Frauentennis, Serena Williams. Und auch Basketball-Legende Earvin «Magic» Johnson bekannte: «Ich bin sehr enttäuscht über die Entscheidung im Fall Mike Brown in Ferguson.» Mehr Nachdenklichkeit forderte Basketballstar LeBron James: «Was können wir als Gesellschaft besser machen, damit solche Dinge aufhören und nicht immer wieder passieren!!» (sda/dpa)

Gewalt gleich nach dem Urteil

Nach dem Verzicht auf eine Anklage schlugen die Proteste in Ferguson in Gewalt um. Demonstranten warfen in der Nacht zum Dienstag Gegenstände auf die Polizei, die mit dem Einsatz von Tränengas reagierte, wie Reporter der Nachrichtenagentur AFP berichteten.  

Brennendes Gebäude in Dellwood, im Osten Fergusons. vine/ryanjreilly

Der TV-Sender CNN zeigte Bilder von Plünderungen. Nach CNN-Angaben setzte die Polizei Tränengas ein. Andere Quellen sprachen von Rauchbomben. Im US-Fernsehen waren auch Bilder von vereinzelten Feuern zu sehen. Mehrere Schüsse seien zu hören gewesen, hiess es weiter. Über den Tag hatten sich nach Schätzungen Hunderte zu einer Protestkundgebung versammelt. Auch zahlreiche Polizisten und viele Medienvertreter brachten sich in Stellung.

Ausweitung der Proteste

Landesweit gingen die Leute auf die Strasse, um ihren Unmut über den Entscheid der Jury kund zu tun. In New York, Washington, Seattle, Oakland und Chicago kam es zu Demonstrationen. Ferguson selber aber ist das Epizentrum der Unruhen: laut unbestätigten Berichten wurden bislang 13 Menschen verletzt, darunter zwei mit Schusswunden. Die St. Louis County Police meldete 29 Festnahmen.

twitter/samanthann

Insgesamt wurden demnach zwölf Gebäude in Flammen gesetzt. Die Gewalt habe ein schlimmeres Ausmass angenommen als erwartet, gab Belmar zu. Die Polizei habe 29 Menschen festgenommen.

twitter/stlcountypd

Demonstranten versammeln sich auf den Stufen des Supreme Court in Washington. vine/daveweigel

Obama ruft zum Gewaltverzicht auf

US-Präsident Barack Obama rief in einer Ansprache zu friedlichen Protesten gegen die Entscheidung auf, den weissen Polizisten Darren Wilson nicht strafrechtlich zu belangen. Er verteidigte die Entscheidung einer Geschworenenkammer. «Wir sind eine Nation, die auf dem Rechtsstaatsprinzip gründet», sagte er. Es sei die Aufgabe des Gremiums gewesen, über den Fall zu urteilen. 

Die Polizei forderte er auf, friedliche Proteste mit Vorsicht und Zurückhaltung zu begleiten. «Es gibt keine Entschuldigung für Gewalt», sagte er. Die ganze Situation sei aber auch exemplarisch für bestehende Herausforderungen in den USA, sagte der Präsident. Es gebe immer noch tiefes Misstrauen zwischen farbigen Menschen und der Polizei. «Es gibt immer noch Probleme und die schwarzen Gemeinden erfinden die nicht einfach nur.»

An dem Fall entzündete sich eine landesweite Debatte über Rassismus und Polizeigewalt. Die mehrheitlich afroamerikanische Bevölkerung von Ferguson fühlt sich von der überwiegend weissen Polizeitruppe diskriminiert.

Missouris Gouverneur hatte bereits vor einer Woche den Notstand verhängt und die Nationalgarde nach Ferguson beordert, um den Polizeieinsatz bei den Demonstrationen zu unterstützen. An den Schulen des Vororts der Grossstadt St.Louis wurde für Dienstag der Unterricht abgesagt. (feb/sda/dpa)

Gewalt in Ferguson nach Gerichtsentscheid



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8Alle Kommentare anzeigen
    Alle Leser-Kommentare
  • youdreamdu 25.11.2014 19:41
    Highlight Highlight Denkanstoss
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    0 0 Melden
  • zombie1969 25.11.2014 09:26
    Highlight Highlight Ein Teil der schwarzen Bevölkerung in den USA bringt es nicht fertig, ihre Opferrolle abzulegen und sich in die Gesellschaft einzubringen. Bildungsverweigerung, mangelnde Chancenverwertung, Kriminalität. Dazu der Druck von den einwandernden Hispanics und Asiaten, welche ihre Chancen ergreifen und die Schwarzen wirtschaftlich locker abhängen. Das Misstrauen, welches man den Schwarzen entgegenbringt, kommt nicht von ungefähr. Bestimmten Bevölkerungsgruppen traut man nicht über den Weg. Da aber per Augenschein keine Unterscheidung möglich ist, kommen genau solche Dinge immer wieder vor.
    5 33 Melden
    • KarltheMarx 25.11.2014 13:26
      Highlight Highlight Wieder einmal ein unüberlegter Kommentar von dir. Schau dir die Situation in den USA mal etwas genauer an. Das amerikanische System ist von A bis Z kaputt. Erstens wird nur den Vermögenden Zugang zu höherer Bildung ermöglicht. Und komm mir nicht mit Community Colleges. Da zahlt man auch um die 3000 Dollar/Semester und der Abschluss bringt einem so gut wie gar nichts. Zweitens werden Schwarze Arbeitnehmer noch heute deutlich schlechter bezahlt. (auch Kaderpositionen)
      3 1 Melden
    • KarltheMarx 25.11.2014 13:26
      Highlight Highlight Drittens sind Schwarze deutlich öfters arbeitslos, jedoch nicht aufgrund von Drogensucht oder mangelndem Willen. ("Race/Ethnicity and Gender Differences in Drug Use and Abuse Among College Students" ein Paper zum Drogenkonsum von Studenten, das zeigt, dass weisse häufiger Drogen konsumieren).
      Viertens bei stop and frisk Durchsuchungen sind 80% der Durchsuchten Schwarze. Da ist wohl klar, das auch mehr Schwarze im Gefängnis landen, wenn weisse erst gar nicht durchsucht werden. (Obwohl man bei weissen wie oben gesagt öfters Drogen finden würde.)
      n.
      3 1 Melden
    • KarltheMarx 25.11.2014 13:27
      Highlight Highlight
      Und hast du dir mal die Bilder der amerikanischen Polizei angeschaut? In den USA findet seit Jahren eine Militarisierung der Polizei statt. In den kleinsten Dörfer ist die Polizei mit gepanzerten Fahrzeugen und schweren Waffen ausgerüstet. Wie soll man sich da nicht gegen die Polizei stellen.
      Bei einer Demo in den USA sind die Polizisten nicht mit Gummischrot bewaffnet sondern mit Schrotflinten.
      Schau mal über die Grenze der Bünzlischweiz hinaus und bilde deine Meinung nicht aufgrund von Blick Artikeln.
      3 1 Melden
  • Tom Garret 25.11.2014 09:05
    Highlight Highlight Darren Wilson beschreibt den Teenager Michael Brown in seiner Zeugenaussage als «Es» und «Dämon».

    Wenn ihr euch schon von Boulevard distanzieren wollt dann müsst ihr auch besseren Journalismus betreiben und richtig übersetzen. Der Polizist beschreibt das Gesicht des Opfers, nicht das Opfer selber. Also "es" das Gesicht (sein Blick), sah dämonisch aus.
    7 0 Melden
  • Moritz Meier (1) 25.11.2014 07:14
    Highlight Highlight Wieso soll es rassistisch sein, wenn ein Polizist einen Mann tötet? Es spielt doch keine Rolle, ob der Polizist weiss war und das Opfer schwarz oder umgekehrt. Erst durch solche Äusserungen in öffentlichen Medien wird diese Rassismus-Debatte angeheizt. Der Kernpunkt dieser Geschichte sollte an einem ganz anderen Ort liegen; ein Polizist tötete einen unschuldigen Mann und dafür muss er zur Rechenschaft gezogen werden. Völlig egal, welche Hautfarbe die beiden haben. Oder sehe ich das falsch?
    8 21 Melden
    • palimpalim 25.11.2014 09:20
      Highlight Highlight Bin grundsätzlich einverstanden. Es geht jedoch darum, dass es sich bei diesen unschuldigen Opfern meist um schwarze Bürger handelt, und von dem haben viele langsam genug. Also dieser Fall widerspiegelt in den Augen der Protestierenden die Situation im ganzen Land, was Rassismus angeht.
      14 2 Melden

«Trump wird die Macht teilen müssen – und dann sterben»

Eine politische Analyse der etwas anderen Art: Martin Zoller kann anhand der Analyse der Aura eines Menschen seine Zukunft sehen. So hat er die Wahl von Donald Trump richtig vorausgesagt. Jetzt allerdings scheint sich das Blatt zu wenden: Die Demokraten werden gemäss Zoller die Midterms gewinnen – und Trump wird noch vor Ablauf seiner ersten Amtszeit sterben.

Sie haben die Wahl von Donald Trump vorausgesagt. Wie ist Ihnen das gelungen? Schon 2014 wusste ich, dass Hillary Clinton keine Chance haben wird. Ich sah im Sommer dieses Jahres einen Mann als kommenden Präsidenten. Als Trump von den Republikanern zum Präsidentschaftskandidat erkoren wurde, war mir klar, dass er auch gewählt werden wird. Ich habe das damals schon in verschiedenen TV-Interviews ausgeführt.

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