User des Tages
Wir verwenden Cookies und Analysetools, um die Nutzerfreundlichkeit der Internetseite zu verbessern und passende Werbung von watson und unseren Werbepartnern anzuzeigen. Weitere Infos findest Du in unserer Datenschutzerklärung.

Schick uns deinen Input

Der User des Tages ist Amadé Fries, weil er uns steckte, wie es dem FCL-Fotografen erging

Letzte Woche sorgte ein Bild für Furore. Es zeigt, wie FCL-Fans einen «St.Galler Jud» vor sich her treiben.  Amadé Fries deckte auf, wie der Fotograf vom FC Luzern gemassregelt wird. Wir dürfen nun seinen Blogeintrag publizieren.



philipp meier

Am letzten Freitag veröffentlichten wir einen Artikel mit dem Titel «Schweizer Juden entsetzt: FCL-Fans treiben ‹St.Galler Jud› vor sich her». Auslöser dazu war dieses Bild:

FC Luzern Fans Ultras jagen Juden durch St.Gallen

Bild: fan-fotos.ch

Übers Wochenende schickte uns Amadé Fries, der selber Fan-Fotograf beim FC Luzern ist, den Link auf seinen Blogeintrag. In diesem deckt er auf, dass dem Fotografen des Bildes die Akkreditierung entzogen wurde. 

Dank seinem Hinweis entstand unser Folgeartikel «FCL sperrt Fotografen Zugang zum Stadion, weil er dieses Foto veröffentlicht hat»

Wir danken Amadé für den sehr interessanten und wichtigen Hinweis und vor allem auch dafür, dass wir seinen Blogeintrag bei uns veröffentlichen dürfen.

Amadé Fries und sein Blogeintrag «Pseudosatire / Don't shoot the Messenger»

Nach dem Spiel zwischen St.Gallen und dem FC Luzern hatte ich für einmal überhaupt keine Lust, meine Bilder zu bearbeiten und danach online zu stellen. Das hatte rein gar nichts mit der Performance auf dem Rasen zu tun. Was war geschehen?

Wie ich von einem mir bekannten Luzerner Fan-Fotografen erfuhr, hatte sich vor dem Spiel beim Marsch der Luzerner Fans etwas abgespielt, das mit fasnächtlicher Blödheit nichts mehr zu tun hat. Der blauweissen Fanmasse lief nämlich ein als orthodoxer Jude verkleideter Mann voraus, der einen St.Galler Fanschal trug. Es war offensichtlich, hier wurde auf das vom Luzerner Anhang in St.Gallen gelegentlich gesungene Lied Bezug genommen, das die Einheimischen als Juden bezeichnet.

Das ohnehin schon indiskutabel dämliche Lied wurde nun also um eine optische Komponente ergänzt. Und so sehr sich nun Fankreise und Club davon distanzieren, es ist halt trotzdem passiert. Ich nehme den Fans sogar ab, dass sie selbst gar keine Antisemiten sind. Doch mit dem Singen dieses abscheulichen Liedes und nun auch durch den Auftritt des verkleideten Mannes wird eine ganz andere Message transportiert. Wer sich dessen nicht bewusst ist, ist mindestens sehr naiv. Es ist zwar nicht mehr als logisch, aber vielleicht muss es trotzdem nochmals in gesagt werden: Wer jemanden mit negativer Absicht die Zugehörigkeit zu einer bestimmten Gruppierung unterstellt, diskriminiert und beleidigt damit auch die entsprechende Gruppierung. Da kann man noch lange „Satire“ und „nicht ernst gemeint“ schreien, es ändert nichts.

Bleibt anzumerken, dass rassistische und diskriminierende Äusserungen aus dem Luzerner Fanblock in den letzten zwanzig Jahren massiv abgenommen haben. Inzwischen sind sie, abgesehen vom erwähnten Lied, praktisch inexistent. Man kann es dem Aufkommen der Ultrà-Bewegung zuschreiben, die sich generell nicht für Politik interessiert und diese im Stadion nicht sehen will. Die Dachorganisation der blauweissen Anhänger, United Supporters Luzern USL hat einen grossen Anteil an dieser positiven Entwicklung. Umso trauriger, dümmer und unverständlicher erscheint der medienwirksame Auftritt vom letzten Sonntag in St.Gallen.

Jedenfalls nahm das Unheil seinen Lauf. Das Foto vom erwähnten Marsch wurde veröffentlicht und fand rasch seinen Weg in diverse Medienkanäle. Es folgten Stellungnahmen verschiedenster betroffener Akteure. Der FC Luzern reagierte mit einem Video, in welchem Captain Claudio Lustenberger sich nachdrücklich für Toleranz und gegen Rassismus stark macht. Der Hashtag dazu: #luzernistbunt. So weit, so gut.

abspielen

Doch der FC Luzern tätigte noch eine weitere Massnahme: Er entzog dem Fotografen, der das Bild der erwähnten Szene geschossen hatte, temporär die Akkreditierung für die Spiele im Luzerner Stadion und machte ihn gleichzeitig darauf aufmerksam, dass auch die anderen Clubs der obersten Schweizer Liga informiert würden. Mit anderen Worten: Er kann bis auf weiteres keine Fotos mehr schiessen, wird unter Umständen gar nicht mehr ins Innere der Spielstätte gelassen. Die Begründung dafür ist einigermassen abenteuerlich: Er hätte das Bild nicht schiessen oder aber dann nicht veröffentlichen sollen.

Ich weiss, der FC Luzern sorgt jeweils für seine (und auch meine) Akkreditierung, wofür wir sehr dankbar sind. Trotzdem ist es eine eigenwillige Interpretation der Pressefreiheit, wenn man sich wünscht, dass Fotografen gewisse Bilder einfach nicht machen oder dann nicht veröffentlichen. Es ist ja nicht so, dass die Aktion ohne Bildmaterial dann einfach nicht stattgefunden hätte. Es ist auch nicht so, dass ein Fotograf mit dem Abbilden und Veröffentlichen einer Aktion damit automatisch die entsprechende Aktion gutheisst oder gar unterstützt. Ich weiss nicht, was im Hintergrund noch alles abläuft, ob man allenfalls die Verantwortlichen der betreffenden Szene schon hat ausfindig machen können. Aber mit meinem aktuellen Wissensstand sieht der (wenn auch nur temporäre) Entzug der Fotografiererlaubnis doch sehr nach Bauernopfer aus. Und ich wage jetzt einfach mal die Behauptung, dass jeder “normale” Pressefotograf dieses Bild bei Gelegenheit ebenfalls gemacht hätte und es ganz sicher auch veröffentlicht hätte. Wäre der FC Luzern mit einem Agenturfotografen gleich umgegangen?

Ich hoffe sehr, dass jene Personen, die diese extreme Dummheit zu verantworten haben nun auch den Mut aufbringen, sich zu stellen. Sie haben den ohnehin mehr als zweifelhaften Ruf der Fussballfans in der Schweiz weiter verschlechtert. Vor allem aber haben sie jenem Club geschadet, den sie doch eigentlich unterstützen möchten. In einer Zeit, in der es den Abstieg zu vermeiden gilt, sollte man die Kräfte auf jene Aktivitäten lenken, die auch der Mannschaft helfen können. Schliesslich muss das am Ende das Ziel sein.

In diesem Sinne: Hopp Lozärn.

Vielen dank für deinen Input, Amadé.

Hast du was gesehen, erlebt oder geschrieben? 

Sende uns deine Bilder, Hinweise und Erlebnisse.

Schicke uns deinen Input

So einfach geht es:
Text, Videos und Links ins Feld kopieren.
Bitte erfasse einen Text, ein Bild oder ein YouTube-Video.

Bitte hinterlasse uns deine Nummer, damit unsere Redaktoren bei offenen Fragen mit dir Kontakt aufnehmen können. Die Nummer wird nicht weitergegeben.




Danke für den Input.
Herzlichen Dank! Dein Input ist bei uns am Newsdesk angekommen. Deine Watsons

Das könnte dich auch interessieren:

Lehrer M. zur Pisa-Studie: «Schüler erzählen mir fast triumphierend, dass sie nicht lesen»

Link zum Artikel

Toiletgate im Weissen Haus: Wegen Trumps Klo-Tirade lacht das Internet Tränen

Link zum Artikel

Stell dir deine Pizza zusammen und wir sagen dir, ob du Gourmet oder Banause bist

Link zum Artikel

8 Zeichnungen des ersten Terrorhäftlings, die zeigen, wie die Amerikaner folterten

Link zum Artikel

Glück vor Geld – Island treibt Wirtschaft der Zukunft voran

Link zum Artikel

Shaqiri erhält nach Traum-Comeback ein Sonderlob von Klopp – und eine Entschuldigung

Link zum Artikel

Ho ho ho! Der Bundesrat schnürt das Budgetpäckli: Dafür gibt er am meisten Geld aus

Link zum Artikel

Das beste Kamera-Handy gibt's jetzt in der Schweiz – wir haben es getestet

Link zum Artikel

Diese Schweizer Organisationen erhalten am meisten Spendengelder

Link zum Artikel

TikTok zensiert Videos von Menschen mit Behinderung – um sie vor Mobbing zu schützen 🤔

Link zum Artikel

Wegen «Wildwest-Modell» von Uber & Co. – warum bald Millionen in den AHV-Kassen fehlen

Link zum Artikel

Alphabet Inc. – das macht der Mega-Konzern hinter Google wirklich

Link zum Artikel
Alle Artikel anzeigen

Das könnte dich auch interessieren:

Lehrer M. zur Pisa-Studie: «Schüler erzählen mir fast triumphierend, dass sie nicht lesen»

157
Link zum Artikel

Toiletgate im Weissen Haus: Wegen Trumps Klo-Tirade lacht das Internet Tränen

48
Link zum Artikel

Stell dir deine Pizza zusammen und wir sagen dir, ob du Gourmet oder Banause bist

157
Link zum Artikel

8 Zeichnungen des ersten Terrorhäftlings, die zeigen, wie die Amerikaner folterten

229
Link zum Artikel

Glück vor Geld – Island treibt Wirtschaft der Zukunft voran

103
Link zum Artikel

Shaqiri erhält nach Traum-Comeback ein Sonderlob von Klopp – und eine Entschuldigung

22
Link zum Artikel

Ho ho ho! Der Bundesrat schnürt das Budgetpäckli: Dafür gibt er am meisten Geld aus

57
Link zum Artikel

Das beste Kamera-Handy gibt's jetzt in der Schweiz – wir haben es getestet

33
Link zum Artikel

Diese Schweizer Organisationen erhalten am meisten Spendengelder

15
Link zum Artikel

TikTok zensiert Videos von Menschen mit Behinderung – um sie vor Mobbing zu schützen 🤔

6
Link zum Artikel

Wegen «Wildwest-Modell» von Uber & Co. – warum bald Millionen in den AHV-Kassen fehlen

31
Link zum Artikel

Alphabet Inc. – das macht der Mega-Konzern hinter Google wirklich

0
Link zum Artikel

Das könnte dich auch interessieren:

Lehrer M. zur Pisa-Studie: «Schüler erzählen mir fast triumphierend, dass sie nicht lesen»

157
Link zum Artikel

Toiletgate im Weissen Haus: Wegen Trumps Klo-Tirade lacht das Internet Tränen

48
Link zum Artikel

Stell dir deine Pizza zusammen und wir sagen dir, ob du Gourmet oder Banause bist

157
Link zum Artikel

8 Zeichnungen des ersten Terrorhäftlings, die zeigen, wie die Amerikaner folterten

229
Link zum Artikel

Glück vor Geld – Island treibt Wirtschaft der Zukunft voran

103
Link zum Artikel

Shaqiri erhält nach Traum-Comeback ein Sonderlob von Klopp – und eine Entschuldigung

22
Link zum Artikel

Ho ho ho! Der Bundesrat schnürt das Budgetpäckli: Dafür gibt er am meisten Geld aus

57
Link zum Artikel

Das beste Kamera-Handy gibt's jetzt in der Schweiz – wir haben es getestet

33
Link zum Artikel

Diese Schweizer Organisationen erhalten am meisten Spendengelder

15
Link zum Artikel

TikTok zensiert Videos von Menschen mit Behinderung – um sie vor Mobbing zu schützen 🤔

6
Link zum Artikel

Wegen «Wildwest-Modell» von Uber & Co. – warum bald Millionen in den AHV-Kassen fehlen

31
Link zum Artikel

Alphabet Inc. – das macht der Mega-Konzern hinter Google wirklich

0
Link zum Artikel

Abonniere unseren Newsletter

0
Bubble Weil wir die Kommentar-Debatten weiterhin persönlich moderieren möchten, sehen wir uns gezwungen, die Kommentarfunktion 48 Stunden nach Publikation einer Story zu schliessen. Vielen Dank für dein Verständnis!
0Alle Kommentare anzeigen

Wir wissen schon jetzt, welche Baby-Namen im Jahr 2015 am beliebtesten waren

Der Bund veröffentlicht erst im August die Liste mit den Trendvornamen aus dem vergangenen Jahr. Dank watson-User Thomas Arni wissen wir schon jetzt, welche Babynamen 2015 in der Deutschschweiz besonders häufig vergeben worden sind.  

Wir danken watson-User Thomas Arni, der mit grosser Leidenschaft die Namen der in der Schweiz neugeborenen Kinder sammelt, diese auswertet und uns seine Ergebnisse zur Verfügung gestellt hat. Im Jahr 2015 hat er die Namen von mehr als 9300 Neugeborenen in seine Auswertung einfliessen lassen. (viw)

Artikel lesen
Link zum Artikel