Wirtschaft
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Geschnitten und portioniert: Detailhandel verdient sich mit Convenience-Food eine goldene Nase

Neue Konsumgewohnheiten führen zu neuen – und teuren – Angeboten. Verarbeitetes, vorgekochtes und portioniertes Essen befriedigt nicht nur die Kunden, sondern lässt auch die Kassen der von Coop und Migros klingeln.

24.02.16, 06:53 24.02.16, 11:16

Andreas Schaffner / Nordwestschweiz



Noch schnell ein Smoothie und ein Sandwich zum Zmittag. Zum Abendessen dann ein vorgewaschener Jungsalat und dazu ein veganes Tellergericht oder eine Suppe. Die Konsumgewohnheiten in unserer immer mobileren Gesellschaft verändern sich rasch. Zum ausgedehnten Mittagessen und zum richtig Kochen fehlt vielen oft die Zeit. Ob bei Singles oder Grossfamilien: Auch der Wocheneinkauf wird immer mehr durch kürzere und kleinere Einkäufe ersetzt.

Der Eingang der neuen Coop to go Filiale fotografiert anlaesslich der Medienkonferenz zur Lancierung eines neuen Ladenkonzeptes fuer die schnelle Verpflegung am Stadelhofen Zuerich, am Dienstag, 18. August 2015. Immer mehr Menschen verpflegen sich unterwegs und nicht mehr Zuhause oder im Restaurant. Dieser Entwicklung traegt Coop mit einem neuen Ladenkonzept fuer die schnelle Verpflegung rechnung. Nun lanciert der Detailhaendler mit dem

Saft für unterwegs: Der erste «Coop to go» öffnete letzten Sommer.
Bild: KEYSTONE

Entsprechend verändert sich auch das Angebot in den Läden. Ja, es entstehen immer mehr Ladenketten, die diesen neuen Bedürfnissen besonders entgegenkommen sollen. Auf diesen Trend setzen auch die beiden Grossverteiler Migros und Coop. Letzten Sommer eröffnete etwa Coop im Zürcher Bahnhof Stadelhofen unter dem Namen «Coop to go» den ersten Laden mit ausschliesslich Take-away-Produkten. Das Ziel ist es, innerhalb von 5 Jahren 50 Shops aufzubauen.

Vorgefertigtes Essen im Trend

Das Zauberwort heisst Convenience – darunter verstehen die Fachleute Essen, das schon verarbeitet oder vorgekocht wurde. Mit diesen Produkten wird nicht nur ein steigendes Kundenbedürfnis befriedigt. Sondern damit lässt sich gutes Geld verdienen. Geschnitten, gewaschen und abgepackt ist sogar der Salat dreimal teurer als der ungewaschene Salatkopf. Vom portioniert abgepackten Kaffee gar nicht zu reden.

Kein Wunder ist das Convenience-Geschäft seit Jahren – nicht nur bei Coop, sondern auch bei der Migros – neben dem Online-Handel ein strategisches Wachstumsfeld. Allein Coop macht in diesem schnell wachsenden Bereich einen Umsatz von 700 Millionen Franken, wie Coop-Chef Joos Sutter gestern am Rand der Präsentation der Jahreszahlen bestätigte.

Und ein Blick in die gestern präsentierte Bilanz zeigt auch: Während die Umsätze in den grossen Supermärkten und Megastores sanken, ging es bei den Läden mit einer Verkaufsfläche, die kleiner als 980 Quadratmeter ist, bergauf. Als ob es keinen Frankenschock gäbe und der Einkaufstourismus für den Detailhandel kein Problem darstellen würde.

Shelves at the Migrolino gas station in Stans, canton of Nidwalden, Switzerland, pictured on March 22, 2013. The Migrolino shops and gas stations, a business branch of Switzerland's largest retail company Migros, have long opening hours and also sell alcohol and cigarettes apart from Migros products. (KEYSTONE/Christian Beutler)

Regale der Migrolino-Tankstelle in Stans, Kanton Nidwalden, aufgenommen am 22. Maerz 2013. Die Migrolino-Filialen verkaufen neben Migros-Produkten auch Alkohol und Zigaretten und zeichnen sich durch lange Oeffnungszeiten aus. (KEYSTONE/Christian Beutler)

«Migrolino», das Pendant zu «Coop to go».
Bild: KEYSTONE

«Kleinvieh macht auch Mist»

Für Detailhandels-Spezialisten wie Thomas Hochreutener vom Marktforschungsinstitut GFK ist dieser Trend klar festzustellen. Es geht zurück zum Lädeli. Die Zeit des grossen Flächenwachstums sei vorbei, kommt er zum Schluss. Und weiter: «Kleinvieh macht auch Mist.» Das stellte er in seiner Detailhandelsstudie fest. Die Zahlen geben ihm recht: 2014 wurden in der Schweiz 2.6 Milliarden Franken für die schnelle Verpflegung unterwegs ausgegeben.

Allein die fünf grössten Bahnhöfe der Schweiz setzten über eine Milliarde Franken um. Und auch die 27 kleineren Bahnhöfe erwirtschafteten zusammen mehr Umsatz als das umsatzstärkste Shoppingcenter der Schweiz, das Zentrum Glatt bei Zürich. Coop-Chef Sutter schätzt den Markt für Schnellverpflegung auf insgesamt 3 Milliarden Franken.

Neue Zielgruppen-Marken

Die neuen Läden sind das eine. Was darin verkauft wird, ist das andere. Hier überlagern sich nämlich zwei Trends. Beides versucht Coop gezielt auszunützen. Denn es ist genau die neue Kundengeneration, die nicht nur biologische Äpfel kauft, sondern nach einem veganen Couscous schreit, einer glutenfreien Gemüsebouillon sucht oder eher zu einem lactosefreien Joghurt greift.

Die gestern präsentierten Zahlen zeigen, dass hier der Grossverteiler auf eine kleine Goldgrube gestossen ist. Mit Bio-Produkten erzielte Coop im vergangenen Jahr einen Umsatz von 1.1 Milliarden Franken und mit den allergenfreien Produkten machte der Grossverteiler schon 135 Millionen Franken. Wohlgemerkt: Auch hier handelt es sich um hochmargige Produkte.

(aargauerzeitung.ch)

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Charly Otherman, 5.5.2017
Watson kann nicht nur lustig! Auch für Deutsche (wie mich) ein Muss, obwohl ich das schweizerische nicht immer verstehe.

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12Alle Kommentare anzeigen
    Alle Leser-Kommentare
  • Unkalmar 29.02.2016 09:08
    Highlight Vorbereitetes Essen ist ideal für den Pendler. Nach 9 Std. Vertragsarbeit + 1.5 Std. Gratisüberstunden + 2 Stunden Pendeln will kaum einer noch 2 Std. lang kochen und abwaschen. Denn um 21:30 Uhr muss man in's Bett, um für die Leistungsanforderung des nächsten Arbeitstages genügend Schlaf abzukriegen. Früher sorgten liebe Hausfrauen für die Convenience, aber die gibt es nicht mehr, weil zu teuer und wegemanzipiert. Eigentlich wäre diese Situation ideal für Restaurants und Hauslieferdienste, aber die sind viel zu schlecht und so teuer, das kaum ein Lohn das täglich zahlen kann.
    0 0 Melden
  • willey 24.02.2016 08:48
    Highlight Frische Smoothies und frische Sandwiches finde ich in Ordnung. Mit dem ganzen fertigen Zeugs aus der Tiefkühltruhe oder dem Kühlregal sowie dem gewaschenen/geschnittenen Salat kann ich so gar nichts anfangen. Die ganzen Chemikalien die zur Konservierung benötigt werden sowie der Gestank des Antioxodations-Gas wenn man einen fix fertigen Salat öffnet. Einmal und nie wieder. Da ist mir Frische viel lieber. Auch wenns halt mehr Aufwand bedeutet.
    5 1 Melden
  • Fumo 24.02.2016 08:24
    Highlight "Und auch die 27 kleineren Bahnhöfe erwirtschafteten zusammen mehr Umsatz als das umsatzstärkste Shoppingcenter der Schweiz, das Zentrum Glatt bei Zürich."

    Manchmal frage ich mich echt wie man auf die Idee kommt solch Vergleiche anzustellen.
    27 gegen 1 und man ist verwundert weil die 27 mehr Umsatz generieren.
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    • phreko 24.02.2016 10:38
      Highlight Gratulation!

      Was wäre denn deiner Meinung ein passender Vergleich? 3-4 grosse Bahnhöfe? Wäre das noch anschaulich?
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    • Unkalmar 29.02.2016 08:50
      Highlight Die Summe der Verkaufsfläche fehlt als Vergleichsgrösse.
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    • Fumo 29.02.2016 10:04
      Highlight @phreko du hast es nicht verstanden. Wenn 27 Läden gegen einen Shoppingcenter verglichen werden wäre der Vergleich zu mehreren Bahnhöfen (die Bahnhöfen sind hier ja auf der Seite der 27 Läden im Vergleich) ja noch unproportionaler.

      @Unkalmar Die Fläche? Wenn ein Laden mit 100qKm ein Produkt anbietet und ein Laden mit 50qKm 10 Produkte, wo liegt die vergleichbare Proportion?
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    Weitere Antworten anzeigen
  • Hexentanz 24.02.2016 08:17
    Highlight Coop 2015: Der Gewinn stieg um 1,7% auf 470 Mio CHF.

    Man könnte meinen Lebensmittel seien ein Grundbedürfnis und Migros und Coop seien Genossenschaften die der Allgemeinheit dienlich zu fairen Konditionen Waren anbieten.
    Warum man dann eine halbe Milliarde Franken Gewinn macht im Jahr? Bestimmt für Forschung und Investition, i loled.

    Da kauf ich entweder Prix Garantie und MBudget oder ich geh einfach die paar Meter weiter nach Grenzach und kauf zu fairen Preisen mit freundlichen Mitarbeitern ein. Naja. Und damit mein ich kein Aldi/Lidl DE Lohndump Discount, sondern gehoben (Hieber).
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    • LubiM 24.02.2016 10:08
      Highlight Und mein Poulet bevorzuge ich wahlweise mit Tierquälerei vom kleinen Bauernhof Wiesendorf oder mit Antibiotika-Coktail. Am leckersten ist jedoch die Mischung von beiden.
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    • StealthPanda 24.02.2016 10:49
      Highlight Ja und wenn alle Schweizer, Deutsche löhne haben ist dein Hieber Aldi, Lidl auch wieder zu teuer und dann gehen alle nach Polen einkaufen. Oder kennt ihr einen Deutschen der sagt: "Deutschland ist billig"?
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  • dave1771 24.02.2016 07:21
    Highlight Coop Pronto währe doch das pendant zu Migrolino... beides so Tankstellenshop!
    22 0 Melden
    • rasca 24.02.2016 07:58
      Highlight Würd ich auch sagen, Migros Express ist mit cooptogo vergleichbar
      5 0 Melden

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