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Viele Unternehmen sind digitale Dinosaurier.
Viele Unternehmen sind digitale Dinosaurier.grafik: hwzdigital

Schweizer KMU in Not: (Zu) Viele sind digitale Dinosaurier

Viele kleine und mittlere Unternehmen in der Schweiz kämpfen ums Überleben. Schuld sind nicht nur Preisdruck und Frankenstärke. Ein beträchtlicher Teil der KMU vernachlässigt die Präsenz im Internet.
26.11.2016, 13:3426.11.2016, 21:05

Die kleineren und mittleren Unternehmen (KMU) sind das Rückgrat der Schweizer Wirtschaft. Ein zunehmend fragiles allerdings. Vor allem in der Maschinen-, Elektro- und Metallindustrie (MEM) ist die Lage kritisch. Rund die Hälfte aller KMU kämpft laut dem Branchenverband Swissmechanic ums Überleben. Zwei Gründe werden in erster Linie genannt: die Frankenstärke, ausgelöst durch die Aufhebung des Euromindestkurses, und der anhaltende Druck auf die Preise.

Das Problem hat watson anhand der Madlener Apparatebau AG in Dietikon ZH geschildert, eines Kleinunternehmens mit zwölf Mitarbeitenden. Was auffällt: Die Firma verfügt über keine Website, zumindest keine funktionierende. In der Nische, in der Inhaber Josef Madlener tätig ist, mag dies nicht sonderlich ins Gewicht fallen. Er bezeichnet sich als «Problemlöser», der schnell und flexibel Ersatzteile anfertigt, wenn irgendwo etwas kaputt gegangen ist.

Die Madlener Apparatebau in Dietikon.
Die Madlener Apparatebau in Dietikon.bild: peter Blunschi

Für andere Unternehmen, insbesondere stark exportorientierte, kann ein vernachlässigter Auftritt im Internet jedoch gravierende Folgen haben. Josef Madlener selbst hat als Hauptgrund für den Preisdruck die Tatsache erwähnt, dass Kunden heute im Internet die Preise vergleichen. Wer da nicht oder ungenügend präsent ist, hat ein Problem. Und in der Schweiz haben viele KMU dieses Problem, sie hinken bei der Digitalisierung hinterher.

Wer keine Website hat, findet nicht statt

Dies zeigt die Studie Digital Switzerland, die das Center for Digital Business der Hochschule für Wirtschaft Zürich (HWZ) 2015 erstellt hat. Autor Sven Ruoss – ein ehemaliger watson-Mitarbeiter – kam zu einem für die KMU bedenklichen Befund: Obwohl 74 Prozent der befragten Unternehmen anerkannten, dass die digitale Transformation grosse oder sehr grosse Auswirkungen haben wird, sind 56 Prozent schwach aufgestellt. Sie sind «digitale Dinosaurier».

Erschreckend: In der Befragung 2016 stieg ihr Anteil sogar auf 59 Prozent. «Der grösste Teil der Unternehmen hat Entwicklungspotenzial, insbesondere wenn es darum geht, das Marketing auf die Kunden auszurichten», sagt Manuel P. Nappo, Leiter des Center for Digital Business an der HWZ. Heute informiere sich fast jeder Kunde im Internet. Wer keine Website hat oder eine rudimentäre, die nicht mobilfähig ist, hat ein Problem. «Er findet nicht statt», sagt Nappo.

Diese scheinbare Binsenweisheit hat sich auch im Jahr 2016 noch nicht überall herumgesprochen. «Die KMU sehen das Internet oft als Bedrohung statt als Chance», sagt Nappo. Eine Einstellung, die gerade für das Hochpreisland Schweiz, in dem ein Unternehmen jeden Verkaufskanal nutzen sollte, verhängnisvoll sein kann.

Die Glarner Kantonalbank macht gute Geschäfte mit dem Online-Verkauf von Hypotheken.
Die Glarner Kantonalbank macht gute Geschäfte mit dem Online-Verkauf von Hypotheken.Bild: KEYSTONE

Wie es funktioniert, zeigt das Beispiel der Glarner Kantonalbank, die vor rund zehn Jahren in finanzielle Schieflage geraten war. Sie begann 2012 mit dem Verkauf von Hypotheken im Internet und kreierte ein neues, boomendes Geschäftsmodell. Mit dem so genannten Hypomat erreichte die Bank, deren Kerngebiet rund 30'000 Personen umfasst, Kunden in der gesamten Deutschschweiz.

Sparen beim Marketing

Eine gute Online-Präsenz könne matchentscheidend sein, sagt Manuel P. Nappo. Warum handeln die «digitalen Dinosaurier» nicht? Ein Grund ist der Überlebenskampf. Wenn die Geschäfte schlecht laufen, spart man häufig zuerst bei Marketing und Werbung. Viele KMU achten darauf, dass sie ihr Personal und das damit verbundene Knowhow halten können. Und wer kein Geld hat, um neue Maschinen zu kaufen, hält die Investition in einen Webauftritt für Luxus.

Es sei ein «bekanntes Problem», sagt Nappo. Trotzdem sei es keine gute Idee, beim Marketing und bei der Online-Präsenz zu sparen, denn es drohe ein Teufelskreis. Man erreicht zu wenig Kunden, verdient nicht genug und hat keine Mittel, um die Digitalisierung voranzutreiben. «Am Besten macht man dies, bevor es nötig ist», meint Nappo.

Angesichts der KMU-Krise dürfte dieser Rat für manche zu spät kommen. Wenn in den nächsten Jahren zahlreiche kleinere und mittlere Unternehmen verschwinden sollten, liegt es nicht nur an Frankenstärke und Preisdruck. Sondern auch an der verpassten Chance, die Möglichkeiten des Internets zu nutzen. Auch die «echten» Dinosaurier sind bekanntlich ausgestorben.

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39 Kommentare
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Die beliebtesten Kommentare
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Toerpe Zwerg
26.11.2016 13:51registriert Februar 2014
Das ist mir zu undifferenziert. Der Artikel scheint mir sehr stark auf B2C orientiert. Im B2B geht es bei der Digitalisierung in viel geringerem Mass um Internetauftritt und Marketing, dafür um so stärker um Prozessintegration mit Lieferanten und Kunden und damit um ERP, CRM SCM.
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metall
26.11.2016 16:27registriert Januar 2014
Ich bin froh, dass die meisten in unserer Branche keinen oder einen schlechten Internet-Auftritt haben. Besser für uns, aber er braucht wirklich nicht allzu viel. Eine seriöse Kontakt-Seite mit dem Team und ein Einblick in das Aufgabengebiet. Die kostet ja fast weniger als etwas Briefpapier oder Visitenkarten zu drucken.
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lilie ❤ Bambusbjörn
26.11.2016 14:47registriert Juli 2016
Genau diesen Eindruck habe ich auch bekommen.

Das Problem liegt aber auch noch woanders: Je kleiner ein Unternehmen, desto unwahrscheinlicher, dass jemand eine Ahnung hat.

Ich habe das bei meinem Ex gesehen, der hatte einen Ein-Mann-Betrieb. Er musste an alles selber denken: Marktpositionierung, Buchhaltung inkl. MWST und Inkasso, Marketing inkl. Website, Werkstatt putzen (wer hat schon Zeit dafür?), Weiterbildung und 1000 andere Dinge - alles, notabene, unbezahlt.

In einer grossen Firma gibt es für jeden dieser Bereiche bezahlte Spezialisten - in einem KMU muss man alles selber machen.
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