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Krypto-Blog

Die 7 grossen Probleme des Kryptomarktes



Der Kryptomarkt dümpelt ein wenig vor sich hin. Die einen nennen es Preiswinter, die anderen Konsolidierung eines erneuten Aufwärtstrends – eine klare Tendenz ist nicht ersichtlich. Das Pendel kann in die eine wie auch die andere Richtung ausschlagen.

Doch die Ruhe täuscht: Die Spekulationswelle hat viele Probleme der Industrie unter sich begraben. Probleme, die jetzt langsam zum Vorschein kommen. watson berichtet immer wieder mit einer positiven Grundhaltung über die disruptive Technologie. Doch heute ist Zeit für FUD (fear, uncertainty, and doubt):

Blinde Spekulations-Wut (am Beispiel EOS.io)

2017 war ein verrücktes Krypto-Jahr. Laut «Business Insider» flossen im bisherigen Rekordjahr 5.6 Milliarden Dollar in ICOs. Doch das war noch gar nichts.

Das Projekt EOS beendete soeben seine ICO, die ein ganzes Jahr gedauert hatte. Dabei nahm block.one, die Firma hinter dem Projekt, vier Milliarden Dollar ein. Vier Milliarden – für ein einziges Softwareprojekt – ohne ein funktionierendes Produkt.

Das Geld kam nur aufgrund von schönen Versprechen («Ethereum-Killer») und ein paar Github-Einträgen zusammen.

Egal, wie vielversprechend EOS.io (das Produkt) ist – und es ist durchaus vielversprechend – keine Software der Welt kostet in der Produktion vier Milliarden. Trotzdem wurde block.one nur so mit Geld überhäuft.

Dass man der auf den Cayman Islands registrierten Firma nun Geldgier und Marktmanipulation vorwirft, bewegt sich im Spektrum von süss bis hilflos.

Egal ob EOS ein Erfolg wird oder nicht, das Beispiel zeigt: Die blinde Spekulationswut regiert im Kryptomarkt noch immer. Wenn sich allerdings ein Projekt von der Grösse von EOS als Enttäuschung herausstellen sollte, könnte das den gesamten Markt in den Abgrund reissen.

Wenn wir schon dabei sind: Comedian John Oliver riet seinen Zuschauern im März, «Brock Pierce Scandal» zu googeln. Obwohl er selber nicht angeklagt wurde, taucht der Name des EOS-Beraters im Zusammenhang mit zwei Sexskandalen mit Minderjährigen auf. EOS entliess darauf den Krypto-Milliardär und Ex-Kinderstar («Mighty Ducks») und entfernte sämtliche Hinweise seiner Mitarbeit. Doch gelang es ihnen tatsächlich, alle Spuren zu verwischen?

Eos ist die griechische Göttin der Morgenröte. Sie wurde aus Rache von Aphrodite mit einer «unstillbaren Begierde nach jungen sterblichen Männern erfüllt. Seither muss sich Eos, wenn sie morgens über den Horizont zieht, überall nach jungen Männern oder Knaben umsehen.» Quelle: Wikipedia.

Problem: Blinder Hype erhöht die Anfälligkeit für einen Crash.

Geschwindigkeitswahn 

Ausser Bitcoin und Ethereum mussten sich bisher wenige dezentrale Blockchains einem realen Stresstest in ungeschützter Wildbahn aussetzen. Die beiden grössten Krypto-Projekte offenbarten dabei Probleme mit der Anzahl Transaktionen pro Sekunde (TpS). Probleme, die man zuvor allerdings antizipiert hatte.

Wenn ein Projekt Schwächen offenbart, versucht es die Konkurrenz besser zu  machen – oder wenigstens den Eindruck zu erwecken, man würde es besser machen. Wie beim Fliegerquartett (Dienstgipfelhöhe) rühmen sich viele neue Projekte heute mit enormen Transaktionszahlen pro Sekunde – und verschleiern den Preis.

Denn der Speed hat seine Kosten. Entweder leidet die Dezentralisierung oder die Sicherheit. Ausgerechnet die beiden Eigenschaften, welche hauptverantwortlich für den Erfolg von Bitcoin sind, gewinnen im Moment keinen Popularitätswettbewerb. 

Die Blockchainindustrie leidet momentan an derselben Krankheit wie viele Demokratien. Die Probleme sind komplex, die Lösungen auch (welcher Nicht-Nerd versteht Layer-2-Lösungen wirklich?). Doch weil Hinz und Kunz ohne Fachwissen an Bord sind, rudern einfache Scheinlösungen mit einem lauten Twitteraccount schneller als die Kompetenz.

Problem: Augenwischerei / Anfälligkeit für Attacken / Zentralisierung

Stromverbrauch

Das Bitcoinsystem verbraucht mehr Strom als die Schweizer Volkswirtschaft. Bitcoin-Fundamentalisten sehen darin kein Problem – man könne ja nachhaltig Strom produzieren. Ausserdem garantiere nur die stromintensive Proof-of-Work-Methode (POW) echte Dezentralisierung.

Lösungen in Form von Proof of Stake (POS) oder Delegated Proof of Work (DPOS) gibt es bereits – Bitcoin, noch immer mit Abstand die wichtigste Blockchain, wird aber auch mittel- bis langfristig POW beibehalten.

Tatsächlich ist die Schlagzeile nicht gerade gut fürs Image und bietet immer wieder Angriffsfläche. Und: der Stromverbrauch steigt weiter.

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Der Stromverbrauch des Bitcoinsystems hat sich in einem Jahr mehr als vervierfacht. Und das trotz massiven Kurseinbrüchen im Januar. quelle: digiconomist.net

Problem: Energieverschleiss

ASIC-Mining

Für die Proof-of-Work-Methode muss irgendwer arbeiten – und wie in der «Realwelt» gibt es bessere und schlechte Arbeiter. Lange Zeit galten Grafikkarten als die besten Arbeiter für Kryptomining, doch dann kamen die ASICs (application-specific integrated circuit). Ein ASIC ist spezifisch nur für diesen Zweck gebaute Hardware – und stellt jede Grafikkarte in den Schatten. Und zwar massiv.

Das Problem vereinfacht dargestellt: Für ASIC-Hersteller ist es lukrativer, die eigene Hardware einzusetzen, als sie dem Hobby-Miner zu verkaufen. Das wiederum bringt die Dezentralisierung in Gefahr, denn der Besitzer einer ASIC-Miner-Farm erhält unverhältnismässig viel Hash-Power.

Wer wann für welchen Coin und wie lange schon ASIC-Miner einsetzt, ist ungeklärt. Eine wichtige Rolle spielt der Hersteller Bitmain mit seinem Gründer Jihan Wu, der wiederum für den riesigen Bitcoin-Miningpool Antpool verantwortlich ist.

Es gibt zwar ASIC-resistente Algorithmen. Ob man darauf setzen will (Monero tut es, Ethereum hat sich dagegen entschieden), ist allerdings umstritten.

Problem: Zentralisierung und damit die Aufgabe einer Grundqualität von Blockchains.

51%-Attacken

Eine Grundannahme einer Blockchain ist, dass 51% aller verifizierenden Teilnehmer fair spielen. Gelingt es jemandem, eine Mehrheit in seine Macht zu bringen, kann er das Netzwerk übernehmen, stoppen oder Coins mehrfach ausgeben (verkaufen).

Kleinere Netzwerke leiden darunter, dass sie über eine geringe Anzahl verifizierender Teilnehmer verfügen und damit anfällig sind für 51%-Attacken. Vor allem, weil der Angreifer theoretisch die Mining-Hardware nicht selber beschaffen muss, sondern einfach über eine gewisse Zeit online mieten kann. 

Wie viel eine solche Attacke tatsächlich kosten würde, darüber scheiden sich die Geister. Viel beachtet wurden die Berechnungen von Reddit-User xur17, der auf seiner Seite crypto51.app die Kosten für verschiedene Blockchains listet.

Nach seinen Berechungen kostet eine stündige Attacke auf Bitcoin knapp 600'000 Dollar. Für einen Angriff auf Ethereum müsste man gut 400'000 Dollar aufwerfen. Bytecoin (Marktkapitalisierung von fast 2 Milliarden Dollar) übernimmt man bereits für unter 1000 Dollar für eine Stunde. 

Ob die Berechnungen korrekt sind, sei dahingestellt. Fakt ist: Verschiedene Blockchains wurden bereits Opfer von 51%-Attacken, zum Teil auch wegen Softwarefehlern. Verge wurde in diesem Jahr mehrfach attackiert – der Erfolg hielt sich jedoch in Grenzen. Auch Zen Cash und Bitcoin Gold gerieten ins Visier.

Problem: Sicherheit. Vor allem aber Glaubwürdigkeit. Apropos Glaubwürdigkeit:

Tether

Die Nervosität rum um den Stablecoin Tether hat sich wieder etwas gelegt, an Glaubwürdigkeit hat das Projekt aber trotzdem nicht gewonnen.

Bei Tether handelt es sich um einen an den Dollar gebundenen Krypto-Token. Die Herausgeber behaupten, jeder Tether sei mit einem realen Dollar gedeckt. Ob dem so ist, wurde allerdings nie bewiesen. Verlangte Buchprüfungen wurden trotz Versprechen nie umgesetzt.

Ausserdem steht seit Monaten der Vorwurf im Raum, die Kryptobörse Bitfinex kreiere nach Lust und Laune Tether, manipuliere damit den Markt und stehe hinter dem Kurssprung von Bitcoin bis auf 20'000 Dollar.

Wie kommt jemand auf eine solche Idee? Der CEO von Tether-Herausgeberin Tether Limited, Jan Ludovicus van der Velde, ist auch der CEO von Bitfinex.

Problem: Massive Marktmanipulationen

Regulierungen

Wer reguliert was und wie? Und vor allem: Wie kompetent sind die entsprechenden Behörden? Wer ein wenig der Anhörung von Zuckerberg vor dem Europarat gelauscht hat, dem schwant Schlimmes.

Dagegen war die Anhörung des Vorsitzenden der US-Börsenaufsicht SEC und des Vorsitzenden der Behörde für Future- und Optionsmärkte CFTC vor dem US-Bankenausschuss eine Wohltat.

Trotzdem: Staatliche Regulierungen schweben wie ein Damoklesschwert über dem Kryptomarkt.

Problem: Unberechenbarkeit der Regulierungsbehörden

Dieser Snapchat-Trick verwirrt ganz Twitter

Video: watson

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