Wirtschaft
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Jean-Claude Juncker: «Inmitten internationaler Handelsspannungen senden wir ein starkes Signal, dass wir für regelbasierten Handel stehen.». Bild: EPA G20

EU baut mit Mercosur weltweit grösste Freihandelszone auf



Die EU und der südamerikanische Staatenbund Mercosur wollen gemeinsam die grösste Freihandelszone der Welt aufbauen. Nach jahrelangen Verhandlungen sei eine politische Einigung erzielt worden, bestätigte EU-Kommissionspräsident Jean-Claude Juncker am Freitagabend.

Er sprach von einem «historischen Moment» und grossartigen Nachrichten für Unternehmen, Arbeitnehmer und die Wirtschaft auf beiden Seiten des Atlantik.

Zum Mercosur gehören Argentinien, Brasilien, Paraguay und Uruguay. Auch Brasiliens Präsident Jair Bolsonaro nannte das Abkommen historisch. «Dies wird eines der wichtigsten Handelsabkommen aller Zeiten sein und unserer Wirtschaft enorme Vorteile bringen. Grossartiger Tag», twitterte er.

Das Abkommen berührt nach Angaben der EU-Kommission 780 Millionen Menschen in beiden Staatengruppen. Es soll Unternehmen in der EU jährlich vier Milliarden Euro an Zöllen ersparen und so Exporte ankurbeln. So wurden bisher zum Beispiel 35 Prozent Zoll auf Autos fällig, die in den Mercosur geliefert wurden. Auch die Abgaben auf landwirtschaftliche Produkte sollen beschnitten werden.

Herausforderungen für Bauern

EU-Landwirtschaftskommissar Phil Hogan räumte ein, das werde einige Herausforderungen für europäische Bauern bringen. Doch würden die Märkte für Produkte aus dem Mercosur nur mit «sorgsam gemanagten Quoten» geöffnet. Das werde verhindern, dass der EU-Markt überflutet und der Wohlstand der Bauern hier bedroht werde.

Auch hohe Umweltstandards würden gesichert, betonte die Kommission. Beide Seiten verpflichteten sich in dem Abkommen, das Pariser Klimaschutzabkommen wirksam umzusetzen. Ein eigenes Kapitel zu nachhaltiger Entwicklung regle Themen wie nachhaltiger Nutzung und Erhaltung von Wäldern.

Sorge um Regenwald

Sorge um die Ausbeutung des brasilianischen Regenwalds durch den rechtspopulistischen Präsidenten Bolsonaro war einer der vielen Kritikpunkte während der Verhandlungen mit dem Mercosur, die sich mit Unterbrechungen seit dem Jahr 2000 hingezogen hatten.

Umweltschützer befürchten, dass die neuen Absatzmärkte für Fleisch- und Sojaexporte aus Brasilien dazu führen könnten, dass Anbauflächen erweitert und dafür der Amazonas-Regenwald weiter abgeholzt wird. Die Grünen und Greenpeace erneuerten nach der Bekanntgabe des Deals ihre Kritik.

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Lange umstritten waren auch mögliche Abmachungen zu Agrarimporten aus Südamerika, die in Europa zu fallenden Preisen führen könnten. Viele europäische Landwirte befürchten, dem Wettbewerb mit den Agrargrossmächten aus Südamerika nicht gewachsen zu sein. Zum einen wird im Mercosur in deutlich grösserem Massstab produziert, was Kostenvorteile mit sich bringt. Zudem gehen die Landwirte in der Region sehr grosszügig mit Pflanzenschutzmitteln und Gentechnik um, was viele Konsumenten in Europa kritisch sehen.

Die Streitpunkte könnten während der Ratifizierung des Abkommens in den 28 EU-Staaten wieder hochkommen und Hindernisse aufbauen. EU-Handelskommissarin Cecilia Malmström betonte aber, es gebe viel Zustimmung.

Langes Ratifizierungsverfahren

Sobald der Text des Abkommens in allen Einzelheiten ausgefertigt sei, werde er veröffentlicht. Die Mitgliedsstaaten würden unterrichtet, dann werde das lange Ratifizierungsverfahren starten. «Ich bin zuversichtlich, dass dies ein sehr, sehr guter Deal ist», sagte Malmström am Freitagabend in Brüssel.

Die Exporte von EU-Unternehmen in die vier Mercosur-Staaten beliefen sich 2018 auf rund 45 Milliarden Euro, in die andere Richtung waren es Ausfuhren im Wert von 42.6 Milliarden Euro. Für den lateinamerikanischen Staatenbund ist die EU bereits heute der wichtigste Handels- und Investmentpartner.

Die Mercosur-Staaten exportieren vor allem Nahrungsmittel, Getränke und Tabak in die EU. Von dort gehen wiederum vor allem Maschinen, Transportausrüstungen sowie Chemikalien und pharmazeutische Produkte nach Argentinien, Brasilien, Paraguay und Uruguay.

«Der Vertrag hat ein enormes Potenzial, um die Investitionen zu erhöhen. Das ist fundamental, um nachhaltiges Wachstum und Arbeitsplätze zu schaffen sowie die Armut in unserem Land zu bekämpfen», schrieb der argentinische Finanzminister Nicolás Dujovne am Freitagabend auf Twitter.

Auch eine politische Dimension

Neben der wirtschaftlichen Dimension hat das geplante Abkommen auch eine politische. Die EU will angesichts der aktuellen Politik der USA ein Zeichen für freien und fairen Handel setzen - vor allem, nachdem US-Präsident Donald Trump die Pläne für das transatlantische Freihandelsabkommen TTIP einstampfte und auch die US-Beteiligung am Pazifik-Handelsabkommen TPP aufkündigte.

«Inmitten internationaler Handelsspannungen senden wir das starke Signal, dass wir für regelbasierten Handel stehen», schrieb Juncker. (sda/dpa)

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35Alle Kommentare anzeigen
    Alle Leser-Kommentare
  • FlyingLizard 29.06.2019 12:55
    Highlight Highlight Zierst Zuckerberg mit seinem inzwischen fast schon wieder verallteten Golabalen Währung und nun das... Beides trägt nicht zur Erhaltung unseres Planeten bei... Aber stimmt... es herrscht ja Kapitalismus...
    • FlyingLizard 29.06.2019 19:22
      Highlight Highlight Zuerst*
      veralteten*
      Globalen*

      Entschuldigt die Fehler
  • äti 29.06.2019 10:53
    Highlight Highlight Liegt jetzt das riesige Potential beim Profit für wenige oder in enormer Armut vieler?
  • Chääschueche 29.06.2019 09:32
    Highlight Highlight R.I.P Regenwald.


    @EU: Du bist ein Witz 👍
    • Froggr 29.06.2019 12:03
      Highlight Highlight RIP Regenwald: Nein
      EU ein Witz: Ja
  • sowhat 29.06.2019 08:53
    Highlight Highlight Dieser FH Vertrag ist doch überholt. Heute wollen wir nicht mehr Lebensmittel um den halben Globus karren.
    Und wir wollen auch nicht mehr Produkte die nicht nachhaltig und ohne Einhaltung unserer sozialen Standards produziert werden.
    Das ist was rauskommt, wenn ein Vertrag 15 jahre braucht, bis er unter Dach und Fach ist, ohne dass man die sich wandelnden Gegebenheiten mit einbaut
    • FrancoL 29.06.2019 09:57
      Highlight Highlight Wollen wir das wirklich? Ich sage, ohne zu werten, das ist nicht so.
      Viele Menschen wollen billig einkaufen, Geiz ist Geil, das Internet boomt und Du sprichst von welcher Gesellschaft genau?

      Wir bieten in unserem Büro den Kunden die Möglichkeit beim Bau auf das einheimische nachhaltige Gewerbe zurückzugreifen oder am europäischen Markt einzukaufen, was Kosten günstiger ist.

      Vor 15 Jahren war der Anteil der verbauten Produkte aus dem Ausland bei uns noch unter 5%, heute liegt er bei über 20%. Andere Büros sprechen gar von mehr als 30%.

      Das ist die Realität gemacht von den Bürgern.
    • sowhat 29.06.2019 13:33
      Highlight Highlight @FrancoL, eben.
      Wollen würden wir schon möchten, wenn da nicht der Preiskampf wäre.
      Genau da MUSS dle Politik ansetzen. Das mit der Freiwilligkeit funktioniert immer nur bei Minderheiten.
      Darum ist dieser Vertrag untauglich, weil er den Preiskampf anheizt und damit sozialem und ökologischem Anspruch zuwiderläuft. In dieser Hinsicht höhlt er die heutig erreichten Standards mMn aus. Wir strengen uns an, dass in Europa nachhaltig produziert werden soll und das ist schon mühsam genug.
    • FrancoL 29.06.2019 19:24
      Highlight Highlight @sowhat; ABER wir stützen nur bedingt die Nachhaltigkeit und wenn wir können, dann vergessen wir dies sehr schnell und kaufen imNetz oder über der Grenze ein. Solange dies möglich ist, ist der Vertrag nicht untauglich. Entweder wir setzen auf Nachhaltigkeit oder wir lassen es bleiben und da mache ich keinen Unterschied zwischen Internet, nahes Ausland oder Südamerika.
  • Trompete 29.06.2019 07:08
    Highlight Highlight "Inmitten internationaler Handelsspannungen senden wir ein starkes Signal, dass wir für regelbasierten Handel stehen."
    Irgendwie ironisch, wenn man einen solchen Satz einen Tag nach der beschlossenen nicht Anerkennung der Schweizer Börsenäquivalenz lesen muss.
    • Yolo 29.06.2019 07:54
      Highlight Highlight Ich denke es gab da keine Verhandlungen die über Jahren hinausgezögert und verschleppt wurden. Da wollen anscheinend beide Seiten dasselbe.
    • Cityslicker 29.06.2019 09:26
      Highlight Highlight @Trompete: Einfach das Zitat noch mal genau lesen, dann erkennst du die Botschaft: Klare Regeln, kein Rumgeeiere. Dann klappt das auch mit dem Nachbarn.
    • FrancoL 29.06.2019 09:59
      Highlight Highlight Ist doch bestens so. Wenn ich die Kommentare zur Eu gelesen habe, inkl. den Deinen, dann ist die EU des Teufels und die Schweiz muss andere Märkte suchen, also zB Südamerika. Ist also eher eine Wink als eine Ironie.
    Weitere Antworten anzeigen
  • Ruefe 29.06.2019 06:49
    Highlight Highlight Mittlerweile weiss wohl jeder was mit Freihandel gemeint ist.
    Frei von Umweltbewusstsein, frei von Verantwortung für die Schwächeren, frei von Moral....
    • sowhat 29.06.2019 13:37
      Highlight Highlight Leider kann ich nicht soviele Herzen drücken, wie ich gerne möchte, Ruefe. Du hättest 20 verdient.
  • mänsch 29.06.2019 03:51
    Highlight Highlight scheiss auf den planeten, wir kaufen uns einen neuen 🤦🏻‍♂️
  • vamosT 29.06.2019 02:21
    Highlight Highlight Und mussjerzt Südamerika auch alles EU-Recht übernehmen wegen eines Handelsabkommen.

    Ich bin mir bewusst, dass unseren Abkommen mit der EU writer gehen, aber wir brauchen nur das Handelsabkommen. Alles andere ist für uns Menschen unnützt oder schadet uns Menschen sogar.
  • das Geflüster 29.06.2019 00:53
    Highlight Highlight Alles wird dem Neoliberalismus geopfert.

    Der einzelne Mensch zählt nichts.
  • Liselote Meier 29.06.2019 00:46
    Highlight Highlight Sehr amüsant Handelspolitik im Interesse der Agrarindustrie und exportorientierter Konzerne und Klimaziele einhalten wollen?

    Die haben Chuzpe.


  • Zyniker haben es leichter 29.06.2019 00:12
    Highlight Highlight Müssen die Südamerikaner für diesen Marktzugang nun auch Personenfreizügigkeit, etc. erdulden?
    • DemonCore 29.06.2019 09:09
      Highlight Highlight Freihandel vs Binnenmarkt / Dienstleistungsfreiheit studieren. Dann noch mal kommentieren.
    • MARC AUREL 29.06.2019 09:36
      Highlight Highlight Zuerst überlegen und dann schreiben zeromaster80...
    • Zyniker haben es leichter 29.06.2019 11:46
      Highlight Highlight Freihandel vs. Den freien Verkehr von Personen, Gütern, Dienstleistungen und Kapital... Ich bin problemlos bereit da Einschränkungen zu akzeptieren.
    Weitere Antworten anzeigen
  • DomKi 29.06.2019 00:09
    Highlight Highlight Besser wäre die EU-Firmen bauten Industrie in MERCOSUR auf. Wenn jetzt noch Zölle wegfallen haben diese Länder weniger Einnahmen
    • Cityslicker 29.06.2019 09:19
      Highlight Highlight Den Teil über vereinfachte Investitionen gelesen? Eben.
  • Cachesito 28.06.2019 22:56
    Highlight Highlight Blöd ist nur das wir mal wieder nicht mit von der Partie sind.
    • MARC AUREL 29.06.2019 09:37
      Highlight Highlight Da sind wir selber Schuld!
    • Cachesito 29.06.2019 12:53
      Highlight Highlight Ja das wollte ich eigentlich damit sagen 😉
  • Eric Lang 28.06.2019 22:20
    Highlight Highlight Ach so, Freihandel mit Ländern ausserhalb Europas geht, aber die Schweiz will man unterjochen!?
    • TheManoure 29.06.2019 09:31
      Highlight Highlight Nee, aber die Schweizer machen einen "suure Mocke" und sind am "döipele" weil sie nicht " z Füfi, z Weggli und Beckerei" bekommen. Mit der Aberkennung der Börsenequivalenz zeigt uns die EU nun, dass Sie kein bock mehr auf "stüürmis" hat. GB reicht ihnen wohl im Moment.
    • äti 29.06.2019 10:50
      Highlight Highlight @eric. Das mit dem 'unterjochen' geht andersrum, wie du sicher selber gecheckt hast.

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