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Förderband bei Porsche in Stuttgart. Die traditionelle Autoindustrie sorgt für viele Arbeitsplätze.
Förderband bei Porsche in Stuttgart. Die traditionelle Autoindustrie sorgt für viele Arbeitsplätze.Bild: EPA/EPA

3 Gründe, warum die Autoindustrie durchgeschüttelt wird

Die Fusion von Fiat Chrysler und Renault ist geplatzt. Doch die Disruption der Autoindustrie wird weitergehen.
08.06.2019, 09:5209.06.2019, 01:26

Alles hätte für eine Fusion von Fiat Chrysler und Renault gesprochen: Die Margen in Autobusiness werden immer schmaler. Kosten einzusparen ist daher das Gebot der Stunde. Fiat Chrysler hat zudem keinen Fuss im Elektroauto-Geschäft, Renault ist im amerikanischen Markt nicht vertreten. Trotzdem ist der Deal geplatzt, am Ego der Manager und an der Sturheit der französischen Regierung.

Die annullierte Heirat der beiden ist ein Zeichen dafür, wie beängstigend weltweit die Lage der Autoindustrie geworden ist. Dafür gibt es drei Gründe:

Klimawandel

In den USA tobt derzeit ein bizarrer Streit zwischen der Trump-Regierung und der Autoindustrie. Trump will die härteren Umweltauflagen seines Vorgängers Barack Obama wieder rückgängig machen. GM, Ford & Co. raten ihm dringend davon ab. Das würde ihre Profite weiter schmälern und zu noch mehr Unsicherheit in der Produktion führen, klagen die Autobosse.

Rush Hour in Los Angeles. Kalifornien will keine Aufweichung der Umweltauflagen für Autos.
Rush Hour in Los Angeles. Kalifornien will keine Aufweichung der Umweltauflagen für Autos.Bild: AP/AP

Grund für die überraschende Haltung der Autobosse ist die Tatsache, dass der bevölkerungsreichste US-Bundesstaat Kalifornien auf keinen Fall von den härteren Umweltvorschriften abweichen will. Die Autohersteller müssten daher zwei Standards einhalten und zudem befürchten, mit Klagen aller Art eingedeckt zu werden.

Der Klimawandel ist verantwortlich für die schlimmste Disruption, welche die Autoindustrie erlebt. Weltweit ist der Transport für rund einen Fünftel des CO2-Ausstosses verantwortlich. Die Klimaziele des Pariser Abkommens können nur eingehalten werden, wenn bei Verbrennungsmotoren der Hebel angesetzt wird.

Genau dies geschieht nun. Die Autokonzerne werden in den nächsten fünf Jahren mehr als 400 Milliarden Dollar in die Entwicklung von Elektroautos stecken. Und die Kunden kommen auf den Geschmack. Teslas Model 3 steht auf Platz vier der Hitliste der meistverkauften Autos in der Schweiz.

In der Schweiz angekommen: Tesla Model 3.
In der Schweiz angekommen: Tesla Model 3.Bild: Wikipedia

Ein wettbewerbsfähiges Elektroauto anbieten zu können, ist zu einer Überlebensfrage für die Autokonzerne geworden. Die traditionellen Hersteller haben jedoch gegenüber den Emporkömmlingen wie Tesla oder Dyson ein gewichtiges Handicap: Sie müssen dafür sorgen, dass ihre alten Produktionsanlagen mit den Verbrennungsmotor-Modellen ausgelastet sind und gleichzeitig die neuen Werkhallen hochziehen.

Für die Arbeitnehmer ist diese Entwicklung ebenfalls Besorgnis erregend. Elektroautos lassen sich mit deutlich weniger Arbeitskräften herstellen. So will VW im traditionellen Geschäft 4000 Jobs streichen und im Gegenzug im digitalen Bereich 2000 neue Jobs schaffen.

In den Städten sind Autos nicht mehr cool

Mehr als die Hälfte der Menschen leben in Städten, einer sehr autofeindlichen Umgebung. Verstopfte Strassen, fehlende Parkplätze und ein schlechtes Gewissen machen den Besitz eines eigenen Autos unattraktiv.

Veloweg in Berlin.
Veloweg in Berlin. Bild: EPA/EPA

Junge Städterinnen und Städter setzen vermehrt auf chice Velos oder billige Taxidienste wie Uber und Lyft. Für längere Trips bietet sich Mobility an. Das schlägt sich in den Verkaufsbüchern der Autokonzerne nieder: Erstmals seit 2009 sind die Autoverkäufe letztes Jahr gesunken.

Die Konjunktur flaut ab

Die Zeichen, dass sich die Weltwirtschaft dem Ende eines Zyklus nähert, sind unübersehbar geworden. Der Ölpreis fällt, weil die Nachfrage abflacht, Investoren flüchten in sichere Werte wie Staatsobligationen und Zentralbanker stellen Leitzinssenkungen in Aussicht.

Dazu gesellt sich die Unsicherheit, die US-Präsident Donald Trump mit seinen Strafzöllen verbreitet. Für Ford ist deswegen das China-Geschäft eingebrochen. Sollte am kommenden Montag Trump seine Drohung gegen Mexiko in die Tat umsetzen, wird die gesamte Supply Chain der amerikanischen Autoindustrie unterbrochen. Und sollte Trump die angedrohten Strafzölle gegen Autoimporte wahr machen, dann sieht es für die europäische Wirtschaft zappenduster aus.

Fazit:

Allen Unkenrufen zum Trotz ist die Autoindustrie nach wie vor weltweit gesehen die wichtigste. Millionen von Arbeitsplätzen hängen vom Wohlergehen dieser Branche ab. Allein in Deutschland beispielsweise sind rund 800’000 Menschen direkt oder indirekt in dieser Branche tätig. Ohne VW, BMW und Mercedes wäre das deutsche Wirtschaftswunder der letzten Jahre nicht möglich gewesen.

Die Disruption der Autoindustrie ist mehr als ein wirtschaftliches Ereignis. Sie ist eine politische und gesellschaftliche Zeitbombe.

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