Wirtschaft
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«Geiz ist geil»? Media Markt und Saturn sparen und bauen hunderte Stellen ab



Ein Paar studiert am 19. Februar 2005 in der Computerabteilung des Media Markts in Zuerich Dietlikon das Angebot. (KEYSTONE/Martin Ruetschi)  === ,  ===

Bild: KEYSTONE

Mit Werbeslogans wie «Geiz ist geil» oder «Wir können nur billig» haben die Handelsketten Media Markt und Saturn jahrzehntelang den deutschen Elektronikhandel dominiert. Doch jetzt wird bei den Handelsriesen selbst der Rotstift angesetzt. Hunderte Stellen in der Verwaltung des Elektronikriesen sollen abgebaut werden, wie der Media-Saturn-Chef Ferran Reverter am Dienstag ankündigte.

Der Hintergrund: Der Elektronikhändler Ceconomy mit seinen bekannten Töchtern Media Markt und Saturn steckt in der Krise. Der Handelsriese kämpft aufgrund der Online-Konkurrenz mit sinkenden Umsätzen und wegbrechenden Gewinnen. Der Aktienkurs ist seit der Trennung vom einstigen Mutterkonzern Metro im Sommer 2017 drastisch gefallen.

Doch nun will eine neue Führungsspitze um den seit März amtierenden Ceconomy-Chef Jörn Werner und den Media-Saturn-Chef Reverter den Konzern mit harter Hand wieder auf Erfolgskurs bringen. «Unsere Strukturen sind zu komplex. Viele Prozesse sind zu ineffizient, und es gibt zu viele unklare Verantwortlichkeiten», beschrieb Werner am Dienstag die Probleme aus seiner Sicht. Die Verwaltung sei eindeutig überdimensioniert.

Ein Stellenabbau soll nun Abhilfe schaffen. Der Ceconomy-Chef will die Verwaltungskosten des Konzerns in Deutschland um rund 20 Prozent reduzieren. Das entspricht immerhin Einsparungen von 110 bis 130 Millionen Euro im Jahr. Eine «mittlere dreistellige Zahl von Stellen» werde dafür wohl am Ende wegfallen, sagte Reverter. Der grösste Teil des Stellenabbaus werde die Media-Saturn-Zentrale in Ingolstadt und die Marketingabteilung in München treffen, heisst es.

Auch anderswo wird der Rotstift angesetzt. So wird die Streaming-Plattform Juke geschlossen werden. Und auch andere kleine Engagements wie die Beteiligung von MediaSaturn an der Wiederverkaufsplattform Flip4New stehen auf dem Prüfstand. Auch das Management wird nicht verschont: Die Ceconomy-Spitze wird verkleinert und vom 1. Juni an aus nur noch zwei Vorständen bestehen.

Die Kunden sollen allerdings erst einmal möglichst wenig von dem Effizienzsteigerungsprogramm merken. Beide Marken - Media Markt und Saturn - sollen erhalten bleiben, wie Werner betont. Hinter den Kulissen soll aber in Zukunft enger zusammengearbeitet werden. Auch Filialschliessungen sind im Zuge des Effizienzsteigerungsprogrammes nicht vorgesehen.

Die Einschnitte seien ein wichtiger erster Schritt, betonte Werner. Bis zum Jahresende will die neue Konzernführung ausserdem die strategische Ausrichtung des Elektronikhändlers überarbeiten. «Wir haben unser Potenzial bislang noch nicht vollständig ausgenutzt», betonte Werner. Der Markt habe grosses Potenzial weit über das blosse Verkaufen von Elektronik hinaus. Immer mehr Kunden benötigten Hilfe bei dem Umgang mit komplexer Technik auch im eigenen Heim.

Media Markt und Saturn hätten sich in der Vergangenheit viel zu sehr darauf konzentriert, ein möglichst grosses Sortiment zum günstigsten Preis anzubieten, dabei aber das Einkaufserlebnis und den Service vernachlässigt. Nun gelte es, alles auf die Bedürfnisse des Kunden auszurichten.

Ceconomy beschäftigt in Deutschland nach eigenen Angaben gut 27 000 Mitarbeiter, einschliesslich der Elektronikmärkte. Weltweit beläuft sich die Beschäftigtenzahl auf gut 60 000. (aeg/sda/awp/dpa)

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    Alle Leser-Kommentare
  • B-Arche 01.05.2019 04:07
    Highlight Highlight Es gibt digitec. Wer braucht Mediamarkt/Saturn?
  • Kritiker 2.0 01.05.2019 00:18
    Highlight Highlight Nun ja, was soll ich sagen? Als Noch Media MA in Kündigung bleibt folgende Erkenntnis: Ja, der Onlinehandel wurde total verschlafen. Und jetzt geht man von einem Extrem ins andere: Von Praktisch null Kundenservice, dafür niedrigen Preisen zu maximalem Kundenservice, dafür hohen Preisen. Es ist der verzweifelte Versuch, das Ruder herum zu reissen. Für meine bald Ex Arbeitskollegen hoffe ich, dass es klappt. 😉
  • The Destiny // Team Telegram 30.04.2019 20:34
    Highlight Highlight Hat jetzt schon nur knapp einen MA pro 100m^2 Verkaufsfläche und einer der die Produkte kennt?, viel Glück!
  • Nelson Muntz 30.04.2019 20:07
    Highlight Highlight Die Kunden wirds nicht interessieren, arbeiten ja nicht dort.
  • Zeit_Genosse 30.04.2019 19:46
    Highlight Highlight Die Digitalisierung im Onlinehandel, bei den internen Prozessen und Strukturen verschlafen. Aufholen wird viel Geld kosten und Stellen fordern.
  • Glücksbringer 30.04.2019 19:40
    Highlight Highlight Gier und Geiz ist Angst pur, reine Angst vor dem Nichts.
    Gier ist Angst, zu wenig zu besitzen und Geiz ist Angst, den Besitz zu verlieren.
  • Ton 30.04.2019 19:03
    Highlight Highlight Der einzige Grund, weshalb man nicht online bestellt ist der Service (und bspw. Handy in der Hand halten). Das letzte Mal als ich im Media Markt ein neues Handy dort kaufte, hatte der interne Ladeanschluss einen Wackelkontakt. Beim Zurückbringen wurde ich gefragt, ob ich es einfach nicht mag oder ob es wirklich kaputt sei. Konsequenz: Ich gehe nie mehr in so einen Laden.
    Im Onlineshop werde ich wenigstens nicht vom Service des Lügens verdächtigt.
  • MilfLover 30.04.2019 18:58
    Highlight Highlight Was die Manager immer noch nicht gelernt habe ist, dass der Online-Handel günstiger sein muss als im Laden. Kein Wunder sinken die Umsätze.
    Statt Millionen für Werbung darüber zu machen dass sie auch einen Online Handel betreiben, würden sie lieber das Geld in Rabatte einstecken- oder in freundliche Berater im Laden.
  • Klirrfactor 30.04.2019 18:53
    Highlight Highlight Gespart wird nicht durch Stellenabbau, sondern nur einen Teil der Fixkosten reduziert.
  • Tobias W. 30.04.2019 18:31
    Highlight Highlight Ist ja eigentlich logisch. Das Geld, mit dem die Löhne bezahlt werden, muss zuerst verdient werden. Dies geschieht bei besagten Firmen über den Handel mit Elektronik. Mit weniger Kunden und kleineren Margen fallen die Einnahmen schmaler aus, weshalb schliesslich auch die Ausgaben nach unten angepasst werden müssen. Eigentlich war das also absehbar. Es ist auch absehbar, dass diese Entwicklung noch weiter gehen wird, auch in anderen Branchen.
  • iNDone 30.04.2019 18:28
    Highlight Highlight Geiz ist geil... die werden wohl Opfer ihres eigenen Mottos.
  • Projektionsfläche 30.04.2019 17:07
    Highlight Highlight Da wurden die Zeichen der Zeit wohl nicht wirklich begriffen. Diese Märkte sind doch eigentlich schon lange ein Auslaufmodell. Wer will denn noch irgendwelche Elektronikprodukte mühsam in einer Vorstadtfiliale teuer einkaufen, wenn es online von zu Hause aus so viel bequemer und preisgünstiger ist? Da können sie noch so vehement an den Kostenstrukturen schrauben, der Onlinehandel hat auch diesbezüglich klar die Nase vorn.
  • Oliver (4) 30.04.2019 16:54
    Highlight Highlight Die sollen lieber ihre Preise senden. Media Markt und Saturn waren in den meisten Fällen immer die teuerste Option.
    • ralck 30.04.2019 17:14
      Highlight Highlight Aber bitte per A-Post! Eingeschrieben!
    • Zimbo666 30.04.2019 17:17
      Highlight Highlight Media Markt hat generell den Übergang zum Online Einkaufen total verschlafen. Digitec beispielsweise ist da meilenweit voraus. Aber: Man sieht Media Markt an, dass sie zumindest daran arbeiten. Online Auftritt wurde in der jüngsten Vergangenheit massiv verbessert.
    • ströfzgi 30.04.2019 17:30
      Highlight Highlight Haben die billigsten auch Läden wo du dich informieren kannst, die Ware in die Hand nehmen und dann ein Föteli machen kannst um es dann möglichst billig online zu kaufen?

      Sehr sozial... 😒
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