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London will Weihnachten retten – Visa für Tausende Lkw-Fahrer

Briten wollen Weihnachten retten – und stellten Visa für Tausende Lkw-Fahrer aus

26.09.2021, 06:2226.09.2021, 12:33
A view of lorries queuing for the Eurotunnel in Folkestone, Kent, England, Friday, Sept. 25, 2020, as the government develops the 27-acre site near Ashford into a post-Brexit lorry park as it gears up ...
Grossbritannien hat viel zu wenig Lkw-Fahrer.Bild: keystone

Mit Tausenden Arbeitsvisa für ausländische Lastwagenfahrer will die britische Regierung doch noch das Weihnachtsfest retten. Wie das Verkehrsministerium in London in der Nacht zum Sonntag ankündigte, sollen von Oktober an und bis Heiligabend insgesamt 10'500 Spezialisten ins Land geholt werden.

Darunter sind ausser bis zu 5000 Lkw-Fahrern auch 5500 Facharbeiter für die Geflügelverarbeitung. Verkehrsminister Grant Shapps sagte, die Ausnahmegenehmigung solle «sicherstellen, dass die Vorbereitungen für die Weihnachtszeit im Plan bleiben». Wirtschaftsvertreter reagierten prompt, aber skeptisch auf die Ankündigung.

Seit Wochen leidet die britische Wirtschaft unter erheblichen Lieferproblemen – denn dem Land fehlen bis zu 100'000 Lastwagenfahrer. Ein Grund dafür sind die schärferen Einwanderungsregeln seit dem Brexit. Nun wurden Sorgen laut, dass Lebensmittel für das Weihnachtsessen und Spielzeuge als Geschenke knapp werden könnten. Den Ausschlag für die Kehrtwende der Regierung, die bis vor kurzem noch Visaausnahmen für Ausländer abgelehnt hatte, brachten offensichtlich Bilder von langen Schlangen an Tankstellen. Wegen der Lieferprobleme konnten Energiekonzerne Dutzende Tankstellen nicht mit Benzin und Diesel beliefern.

«Nach sehr schwierigen 18 Monaten weiss ich, wie wichtig dieses Weihnachtsfest für uns alle ist, und deshalb unternehmen wir diese Schritte zum frühestmöglichen Zeitpunkt, um sicherzustellen, dass die Vorbereitungen auf Kurs bleiben», sagte Verkehrsminister Shapps.

Vertreter der Logistikbranche sowie der Nahrungsmittelindustrie begrüssten die Regierungspläne. Zugleich machten sie deutlich, dass die insgesamt 10'500 Fachkräfte nicht ausreichten. Allein die Supermärkte benötigten mindestens 15'000 Lkw-Fahrer, damit die Geschäfte vor Weihnachten mit voller Kapazität arbeiten und Störungen oder Lieferprobleme vermieden werden, sagte Andrew Opie vom Einzelhandelsverband British Retail Consortium.

Auch die Präsidentin der Britischen Handelskammer, Ruby McGregor-Smith, kritisierte, die Massnahmen reichten bei weitem nicht aus. «Das ist, als ob man ein Lagerfeuer mit einem Fingerhut Wasser löschen will», sagte sie.

A view of empty shelves at a supermarket in London, Monday, Sept. 20, 2021. Retailers, manufacturers and food suppliers have reported disruptions due to a shortage of truck drivers linked to the pande ...
Leere Regale seit Brexit.Bild: keystone

Hingegen betonte das Verkehrsministerium, der Import von Arbeitskräften stelle keine nachhaltige Lösung des Problems dar. Helfen soll vielmehr ein Massnahmenpaket.

So ist vorgesehen, dass Fahrlehrer der Armee dabei helfen, den enormen Rückstau an Fahrprüfungen aufzuarbeiten, der auch durch die Corona-Pandemie entstanden ist. Zudem werden rund eine Million Briefe an ehemalige Lastwagenfahrer verschickt, um sie von einer Rückkehr in den Beruf zu überzeugen. Geworben werden soll mit höheren Löhnen, fixen Arbeitszeiten und besseren Arbeitsbedingungen. Auch kostenlose Umschulungen werden angeboten. Insgesamt sollen 50'000 Fahrprüfungen pro Jahr zusätzlich möglich werden.

Während Wirtschaftsvertreter einräumen, dass der Brexit ein Grund für die angespannte Lage ist, weist die Regierung einen Zusammenhang zurück. Die Pandemie habe die Situation verschärft, sagte Minister Shapps. Zuvor habe es in Grossbritannien allerdings bereits Probleme gegeben. Shapps nannte eine alternde Belegschaft, niedrige Löhne und schlechte Bedingungen auf Autohöfen. (aeg/sda/dpa)

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