Wirtschaft
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Zugbauer Bombardier steht vor Zerschlagung



Un ouvrier de Bombardier marche a cote du nouveau train lors de la premiere presentation du nouveau train a deux etages de Bombardier pour les CFF ce lundi 8 juin 2015 a Villeneuve. (KEYSTONE/Jean-Christophe Bott)

So kennen wir Schweizer Bombardier. Bild: KEYSTONE

Der hoch verschuldete kanadische Zug- und Flugzeugbauer Bombardier steht offenbar vor der Zerschlagung. Das Unternehmen aus Montreal kappte am Donnerstag die letzten Verbindungen zum kleinsten Airbus-Passagierflugzeug-Modell A220, das von Bombardier entwickelt worden war.

Der Schritt helfe «bei den Bemühungen um unsere Kapitalstruktur» und schliesse den Ausstieg aus dem Bau von Verkehrsflugzeugen ab, sagte Bombardier-Vorstandschef Alain Bellemare. Die Anteile am A220 gehen an den Mehrheitseigentümer Airbus und die Provinz Quebec. Auch die in Deutschland ansässige Zugsparte steht vor dem Verkauf: Am Mittwochabend hatte sich Insidern zufolge der Verwaltungsrat des französischen Rivalen Alstom getroffen, um über ein Gebot für die grösste Sparte von Bombardier zu beschliessen, das laut Medienberichten knapp sieben Milliarden Euro schwer ist.

Es wurde erwartet, dass sich Alstom und Bombardier noch am Donnerstag dazu äussern. Damit bliebe dem Traditionskonzern, der einst mit dem Bau von Schneemobilen begonnen hatte, nur der Bau von Geschäftsflugzeugen, die vor allem unter der Marke «Learjet» bekannt sind.

Bombardier ächzt unter einem Schuldenberg von 9.7 Milliarden Dollar. Die Flugzeugteile-Sparte (Aerostructures) hatte der Konzern schon im Herbst für mehr als eine Milliarde Dollar an den Zulieferer Spirit Aerosystems abgegeben.

Der grösste Einschnitt aber wäre der Verkauf der Zugsparte an Alstom. Nach der gescheiterten Fusion mit Siemens Mobility nähmen die Franzosen damit einen neuen Anlauf zu einer Konsolidierung der Branche. Das Bündnis mit Siemens, das dem chinesischen Branchenriesen CRRC Paroli bieten sollte, war am Widerstand der EU-Kartellbehörden gescheitert.

Vor Alstom hatte auch Bombardier mit Siemens verhandelt. Ein Zusammenschluss der beiden könnte eher die Zustimmung der Wettbewerbshüter finden, weil Bombardier und Alstom bei Hochgeschwindigkeitszügen (TGV, ICE) nicht so dominierend und die Kanadier in der Signaltechnik kaum vertreten sind.

Die Zug-Sparte gilt als werthaltigster Teil des Konzerns - wenngleich auch sie mit operativen Schwierigkeiten kämpft, die Bombardier vor kurzem zu einer Gewinnwarnung gezwungen hatten. Der Auftragsbestand sei mit 35 Milliarden Dollar zwar gross, viele Aufträge seien aber wenig profitabel, berichtete BFM.

Quebec muss nichts zahlen

Für die restlichen Anteile am Airbus-A220-Programm bekommt Bombardier bis zu 591 Millionen Dollar von seinem bisherigen Partner Airbus. Künftig gehören 75 Prozent den Europäern, 25 Prozent liegen bei der Regierung der Provinz Quebec. Bombardier hatte die Mehrheit schon vor eineinhalb Jahren für einen Kanada-Dollar abgegeben.

Der Komplettausstieg erspart den Kanadiern nach eigenen Angaben 700 Millionen Dollar, die sie für den Hochlauf der Produktion hätten mitzahlen müssen. Allerdings muss Bombardier 1.6 Milliarden Dollar auf das A220-Projekt abschreiben. Das führte 2019 zu einem Nettoverlust von ebenfalls 1.6 Milliarden Dollar, bei einem Umsatz von 15.8 Milliarden Dollar.

Dank des Airbus-Engagements seien gut 3300 Arbeitsplätze in Quebec gesichert - daran ist der Provinzregierung gelegen. Seit dem Einstieg von Airbus sind die Bestellungen für den A220 um fast zwei Drittel auf 658 Flugzeuge nach oben geschossen. (aeg/sda/awp/reu)

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    Alle Leser-Kommentare
  • Mishima 13.02.2020 22:18
    Highlight Highlight "Das Bündnis mit Siemens, das dem chinesischen Branchenriesen CRRC Paroli bieten sollte, war am Widerstand der EU-Kartellbehörden gescheitert." Die EU unterstützt also lieber China.
  • Xriss 13.02.2020 17:55
    Highlight Highlight Juhee. Endlich können wir alle mal wieder auf den nichtschweizerischen Zugbauern reindreschen und mit all unseren fundierten Fakten aus dem Blick um uns werfen! 🥳🥳
    • Astrogator 14.02.2020 07:06
      Highlight Highlight Es wurde schon verschiedentlich festgehalten, dass auch Bombardier in der Schweiz baut.

      Und ja, der Blick kennt nicht alle Fakten zu dem Dreckszug, weil die SBB aus unerfindlichen Gründen Bombardier schont.
      Der einzige Grund wieso überhaupt noch über diesen Zug diskutiert wird und der ganze Auftrag nicht schon längst auf "Hold" und ein Gerichtsfall ist: Dank Meyers Sparkurs wurden die letzten Jahre konsequent Loks und Wagen verschrottet und man braucht dringend Züge.

      Zum Glück lief der Giruno als Prototyp schon zuverlässiger als der Bombardier heute, so konnte Stadler einspringen.
  • Ökonometriker 13.02.2020 16:48
    Highlight Highlight Die SBB sollte gut schauen, dass sie noch zu den wahrscheinlichen Strafzahlungen für den Fail-Zug Dosto kommt und Bombardier nicht zuerst einen Schuldenschnitt macht...
    • Bayon 13.02.2020 17:00
      Highlight Highlight ....ich denke der Zug ist abgefahren!
    • Meyer Andrej 13.02.2020 17:04
      Highlight Highlight Welche Zahlungen, sie bekommen 3 Züge gratis, that‘s it. vielleicht nicht so schlau verhandelt.
    • Astrogator 13.02.2020 19:37
      Highlight Highlight "Welche Zahlungen, sie bekommen 3 Züge gratis, that‘s it. vielleicht nicht so schlau verhandelt.".
      Das ist nicht korrekt, es sind durchaus weitere Strafzahlungen vereinbart. Aber damit wäre Bombardier Schweiz wohl Konkurs
    Weitere Antworten anzeigen
  • HPOfficejet3650 13.02.2020 16:47
    Highlight Highlight Fällt dann auch die Garantie füt unsere Pannenzüge weg? 😅 ich befürchte schlimmes
  • Cotten91 13.02.2020 15:01
    Highlight Highlight Also schnell Schadenersatz für diesen Pannenzug verlangen, bevor es die Firma nicht mehr gibt.
    • mukeleven 13.02.2020 20:30
      Highlight Highlight bis du einen schadenersatz gerichtlich verbindlich durchbringst ist die firma längst liquidiert...
  • Fajal 13.02.2020 14:59
    Highlight Highlight wen wundert's, bei dieser Firma wird offenbar me glafferet als glifferet
  • Siciliano 13.02.2020 14:52
    Highlight Highlight Was für eine unglaubliche Management-Fehlleistung. Schade, dass es wohl wieder einmal die falschen trifft, nämlich die Mitarbeiter. Die Manager werden sicherlich gleich die nächste Firma infiltrieren und runterwirtschaften.
    • Markus97 13.02.2020 18:51
      Highlight Highlight Naja, die Ingenieure haben in der letzten Zeit auch nicht gerade geglänzt...
    • _kokolorix 14.02.2020 06:44
      Highlight Highlight @Markus
      Ich glaube nicht, dass man die Ingenieure wirklich für das Debakel am Dostro verantwortlich machen kann.
      Wenn das Management solche Mammutprojekte zu billig und zu unrealistischen Terminen verkauft, dann stehst du als Ingenieur auf verlorenem Posten.
      Ausserdem gehen die besten Leute, wenn die Anzugträger ständig dreinreden und alles besser wissen wollen...
  • Eldroid 13.02.2020 14:17
    Highlight Highlight "Ein Zusammenschluss der beiden könnte eher die Zustimmung der Wettbewerbshüter finden, weil Bombardier und Alstom bei Hochgeschwindigkeitszügen (TGV, ICE) nicht so dominierend und die Kanadier in der Signaltechnik kaum vertreten sind."


    Alstom baut doch den TGV???
    • Meyer Andrej 13.02.2020 17:06
      Highlight Highlight ICE? Bombardier? Nur die Wagenkasten. ICE ist Siemens, Krauss Maffei, AEG, Henschel.
    • bärnergiu 13.02.2020 17:08
      Highlight Highlight Habe den Satz auch mehrmals lesen müssen, aber es geht (glaube ich) um Folgendes:

      Alstom (TGV) und Siemens (ICE) durften nicht fusionieren wegen der Dominanz im Hochgeschwindigkeitssegment. Wird nun Siemens durch Bombardier ersetzt, ist diese Dominanz nicht gegeben - da nur TGV.
    • MM 13.02.2020 17:41
      Highlight Highlight Und Siemens mit Bombardier den ICE...
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Meine Name ist Dominik. Ich bin Kondukteur bei den SBB. Ja, ich sage immer noch Kondukteur, auch wenn das die SBB nicht gerne hören. Einmal war unsere Bezeichnung Reisezugbegleiter, aktuell lautet sie Kundenbegleiter. Diese Begriffe versteht jedoch kein Mensch.

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