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Diese häufigen Anlagefehler solltest du vermeiden

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Diese häufigen Anlagefehler solltest du vermeiden

Deine Anlage kommt nicht so recht in Fahrt? Oder du möchtest gerne, ohne viel mehr Risiko auf dich zu nehmen, mehr aus deinem Geld machen? Wie du mit passiven Fonds anlegen und Geld sparen kannst und was du darüber wissen solltest.
23.05.2024, 14:2923.05.2024, 14:37
Olga Miler
Olga Miler
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Die Anlagestudie von Moneyland 2024 zeigt: Wir lieben es zu sparen. Mit 84% sind Sparkonti eine der beliebtesten Anlageformen, zudem gaben zwei Drittel der Befragten an, auch Bargeld zu Hause zu halten. Dass Geld auf dem Sparkonto oder zu Hause zu horten bei tiefen oder sehr bescheidenen und allenfalls wieder fallenden Zinsen nicht die idealste Lösung ist, um langfristig Vermögen aufzubauen, darüber habe ich mich bereits in ganz vielen Artikeln ausgelassen.

Aber auch bei denjenigen, die bereits den Schritt gemacht und angelegt haben, scheint es noch einiges an Potenzial für Optimierung zu geben. Was bei der Studie von Moneyland und weiteren Daten auffällt, ist ein Anlagefehler, den du unbedingt prüfen solltest: die Anlage in aktiv verwaltete Fonds. Die Daten von Moneyland zeigen, dass ein Drittel der Befragten (32%) eine Anlage in aktiv verwaltete Fonds hat, dies ist fast gleich viel wie diejenigen, welche mit passiven Fonds wie ETFs anlegen (34%). Das Vermögenszentrum kommt mit der Studie „Anlegeverhalten in der Schweiz 2024“ zu einem ähnlichen Schluss und stellt weitere interessante Fakten fest:

  • Möglicher Interessenskonflikt: Zwei Drittel der über 4‘400 untersuchten Depots bestanden aus bank-hauseigenen Produkten, was darauf hindeuten würde, dass in vielen Beratungen die eigenen Produkte vorgezogen werden.
  • Hohe Gebühren: In den meisten untersuchten Depots machen aktiv verwaltete Fonds, welche in der Regel und gemäss Schätzung VZ bis zu 4x teurer als passive Lösungen sind, die Mehrheit aus.

Was du über aktive und passive Fonds wissen solltest und wie du deine Anlage optimieren kannst hier.

Was sind aktive und passive Fonds?

Der Hauptunterschied zwischen aktiven und passiven Fonds liegt in der Managementstrategie, vereinfacht:

Ein aktiver Fonds wird von einem Fondsmanager oder einem Team verwaltet, das aktiv versucht, den Markt oder einen bestimmten Benchmark zu schlagen, indem es einzelne Aktien, Anleihen oder andere Wertpapiere auswählt. Dazu nutzt das Team oder der Fondsmanager die eigene Expertise, Marktforschung und Analysen, um Investitionsentscheidungen zu treffen, die gemäss ihrer Einschätzung zu höheren Renditen führen werden.

Im Gegensatz dazu verfolgt ein passiver Fonds, auch als Indexfonds oder, wenn an der Börse gehandelt, als Exchange Traded Fund (ETF) bekannt, einen anderen, passiven Ansatz. Der Fonds zielt darauf ab, die Performance eines bestimmten Marktindexes, wie z.B. des Swiss Market Index oder S&P 500, nachzubilden. Dies bedeutet, dass der Fonds einfach alle oder eine repräsentative Auswahl der Wertpapiere im Index kauft und hält, ohne aktive Auswahl oder grosse Marktanalysen.

Aktive Fonds kosten mehr, erwirtschaften sie auch mehr Rendite?

Wegen der Expertenleistung und einfliessenden Analyse für die Auswahl der Aktien und entsprechende Verwaltung kosten aktive Fonds mehr als passive. Aber erwirtschaften sie auch entsprechend mehr Rendite?

Das Aktiv-Passiv-Barometer von Morningstar, welches in seinen Kategorien Europa, Asien und Afrika knapp 30.000 Einzelfonds mit einem Vermögen von insgesamt rund 10 Billionen Franken, was etwa 75% des gesamten Fondsmarktes entspricht, kommt zu folgenden Ergebnissen: «Insgesamt sind die langfristigen Erfolgsquoten aktiver Fonds niedrig. In den letzten zehn Jahren lagen sie in zwei Dritteln der untersuchten Kategorien bei unter 23%. In nur drei von 42 Aktienkategorien überlebte die Mehrheit der aktiven Fonds und übertraf den Durchschnitt ihrer passiven Konkurrenten.»

Diese eher tiefe Erfolgsquote gilt nicht nur bei aktiven Aktienfonds. Auch Studien der Fonds in den Kategorien Anleihen und Immobilien zeigen, dass weniger als ein Fünftel sowohl langfristig überleben wie auch den Durchschnitt ihrer passiven Konkurrenten schlagen können.

Schaut man auf die Kosten, dann sind die aktiven Fonds in den meisten Fällen deutlich, bis zu 4x teurer als die passiven Konkurrenten.

Wann können aktive Fonds Sinn machen?

Für eine breit gefächerte Anlage in eher bekannte Branchen, Länder, Aktien lohnen sich aktiv verwaltete Fonds nicht. Auch wenn du spezifische Themen wie z.B. KI abbilden möchtest, gibt es mittlerweile ein riesiges Angebot an passiven Instrumenten.

Aktive Fonds dann Sinn machen, wenn sie z.B.:

  • Ein sehr spezifisches Spezialgebiet abbilden, dass du in der breiten Palette der passiven Anlagen nicht finden kannst.
  • Du grossen Wert auf Überwachung und Anpassung deiner Anlage legst, z.B. in sehr unsicheren Zeiten, da bei einem aktiven Fonds der Fondsmanager zeitnah eingreifen kann, wohingegen der der passive Fonds immer einfach dem zugrunde liegenden Index folgt.·
  • Der Fonds eine die Gebühren rechtfertigende Rendite erwirtschaftet, die deutlich besser ist als ein passiver Konkurrent, z.B. indem dir der Fonds eine Anlage in spezielle Möglichkeiten eröffnet, in die du sonst nicht anlegen könntest.
  • Nachhaltigkeits- oder andere Kriterien eine grosse Rolle spielen und der Fondsmanager mit entsprechender Expertise, Analyse und Daten in der Auswahl und auch in der Messung der Wirkung der Anlagen einen wirklich mehrwertigen Beitrag leistet.

Wie du deine Anlage optimieren kannst

Bist du noch nicht investiert und fängst gerade an, dann auf jeden Fall zuerst passive Fonds prüfen, bevor du in aktive anlegst. Bist du bereits investiert und möchtest deine Anlage optimieren, dann solltest du:

  1. Prüfen, ob du in aktive oder passive Fonds investiert bist. Dies siehst du im Produktbeschrieb (Factsheet) deiner Anlage. Die meisten passiven Fonds sind mit irgendeiner Art Bezeichnung wie Index markiert.
  2. Bei hohen Gebühren rund um 1% genau hinschauen. Dies gilt besonders auch für deine Vorsorge, da selbst bei den Säule 3a-Fonds erhebliche Preisunterschiede bestehen können. Details zu einem Vergleich findest du auf Moneyland.
  3. Bist du in aktive Fonds investiert, dann die Rendite genau prüfen. Rechtfertig diese die höheren Kosten nicht oder möchtest du sowieso wechseln, dann prüfe die Ausstiegskonditionen für einen Ausstieg. In der Regel lohnt sich ein Wechsel, auch wenn es dich etwas kostet, da die Einsparungen bei den Gebühren die Kosten des Wechsels langfristig mehr als wett machen werden.

Wer keine Lust hat, all die Dinge selber nachzuschauen, der kann auch einen unabhängigen Produktecheck machen lassen.

Wie ihr seht, gibt es viel Potenzial, die Anlagen ohne grosses zusätzliches Risiko weiter zu optimieren. Wie seht ihr das, habt ihr aktive oder passive Fonds, oder gerade erst gewechselt? Welche Tipps habt ihr?💰

olga miler, frauen und geld, blog, watson
bild: zvg
Olga Miler ...
... war über zehn Jahre in verschiedenen Funktionen bei der UBS tätig, unter anderem hat sie dort das Frauenförderungsprogramm und den UBS Gender ETF aufgebaut. Jüngst gründete sie das Start-up SmartPurse, eine Plattform, auf der sie digitale Kurse und Workshops zum Thema Finanzen für Frauen anbietet. Letztes Jahr schrieb Miler den watson-Blog «Frauen und Geld» und wird uns dieses Jahr mit «MoneyTalks» an ihrer Expertise teilhaben lassen.
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5 Kommentare
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Scaros_2
23.05.2024 14:48registriert Juni 2015
Ich nehme Geld und werfe es in ETF wie vanguard all world und lasse es wachsen.

Fertig.

Für alles andere bin ich zu faul und sorry wenn diese ETFs ordentlich bachab gehen ist die welt eh am arsch.
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