Infomaniak wird zur Stiftung – um die digitale Souveränität zu stärken
Das Genfer IT-Unternehmen Infomaniak hat unter der Leitung des Gründers Boris Siegenthaler einen für die Techbranche aussergewöhnlichen Schritt vollzogen, wie aus einer am Mittwoch verschickten Medienmitteilung hervorgeht.
Die Mehrheit der Stimmrechte der Aktiengesellschaft wurde demnach an eine neu gegründete, gemeinnützige Stiftung übertragen. Erklärtes Ziel ist es, die wirtschaftliche Unabhängigkeit des Cloud-Anbieters abzusichern und hochgesteckte ethische Ziele zu erreichen (dazu gleich mehr).
In einer Branche, die massgeblich von Risikokapital, Börsengängen und milliardenschweren Übernahmen durch amerikanische Big-Tech-Konzerne dominiert wird, wählt das Schweizer Unternehmen einen fundamental anderen Weg.
Was soll das bringen?
Die Stiftung mischt sich nicht in das operative Tagesgeschäft von Infomaniak ein, wie aus der Mitteilung hervorgeht, sie greift aber bei wichtigen Entscheidungen ein.
Die Vorteile aus Schweizer Perspektive:
- Stärkung der digitalen Souveränität: Für KMU, Behörden und Privatpersonen soll die neue Struktur einen garantierten Schutz gegen US-Datenkraken («Cloud Act») und schleichende Aufweichungen des Datenschutzes bringen. Die Daten der Infomaniak-Kundschaft werden demnach niemals durch eine Firmenübernahme in den Besitz eines ausländischen Konzerns übergehen.
- Schutz vor der «Enshittification»: Wie es der Autor und Tech-Aktivisten Cory Doctorow treffend formulierte, verschlechtern sich an sich gute Online-Plattformen, weil die Verantwortlichen den Profit für die Aktionäre zu maximieren versuchen. Die Charta von Infomaniak schiebt dem einen Riegel vor, indem sie faire Preise, offene Standards und den Verzicht auf versteckte Datenmonetarisierung (wie ungefragtes KI-Training) zwingend vorschreibt.
- Nachhaltigkeit statt Quartalsdenken: Ohne den Druck von Investoren, die kurzfristige Renditen erwarten, kann die Infomaniak-Führung langfristig planen. Dies soll Investitionen in die hiesige Forschung begünstigen, Arbeitsplätze fördern und die ehrgeizigen Umweltziele stärken (wie etwa die Finanzierung eigener Solaranlagen). Wobei die Zielsetzungen der Stiftung in den Bereichen Digitale Souveränität und Bildung, Ethische Digitalisierung, Umwelt und Biodiversität sowie Energiewende darüber hinausgehen.
Gemäss Mitteilung soll die Stiftung durch einen Anteil von bis zu 5 Prozent des Jahresgewinns von Infomaniak finanziert werden. Je mehr Infomaniak wirtschaftlich wachse, desto mehr Projekte könne die Stiftung unterstützen.
Die Infomaniak-Stiftung halte nun die Mehrheit der Stimmrechte an der Infomaniak Group SA in Form von Spezialaktien: Dies verleihe der Stiftung eine dauerhafte Sperrmacht, die niemals abgetreten werden könne, wie es heisst.
Boris Siegenthaler und die 36 Mitarbeitenden mit Aktienbesitz hätten diesen Übertrag «einstimmig gebilligt und akzeptiert, dass die Stimmrechte ihrer Aktien entsprechend sinken». Bis heute habe Infomaniak keine externen Investoren.
In der am Mittwochmorgen verschickten Medienmitteilung wird der Firmengründer wie folgt zitiert:
1994 in einem Gartenhaus in der Nähe des Kernforschungszentrums CERN in Genf entstanden, erzielte die Infomaniak-Gruppe zuletzt einen Jahresumsatz von 56 Millionen Schweizer Franken (2025) und hat gemäss eigenen Angaben mehr als 340 Mitarbeitende in der Schweiz.
Die Infomaniak-Stiftung wurde laut Mitteilung am 13. Mai in das Schweizer Handelsregister eingetragen.
Quellen
- infomaniak.com: Infomaniak verankert seine Unabhängigkeit und seine DNA langfristig
- Fondation-infomaniak.ch: Stiftungs-Webseite
