Wirtschaft
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An aircraft (Boeing 737-300 D-ABEN) of the Lufthansa is push back next to an aircraft (Airbus A320 HB-IJH) of the Swiss International Air Lines at the Geneva Airport, in Geneva, Switzerland, Wednesday, August 24, 2016. The Swiss airline company evaluates its presence at the airport of Geneva, where its profitability targets have yet been achieved. A decision should fall in the next two to three years. (KEYSTONE/Salvatore Di Nolfi)

Nach dem Ja zum Lufthansa-Rettungspaket fliesst Geld an die Swiss. Bild: KEYSTONE

Aviatik-Experte zum Rettungspaket: «Die Swiss hat einen Pluspunkt gesammelt»

Die Lufthansa-Aktionäre stimmen für das staatliche Rettungspaket. Die Swiss sei im Vorteil, sagt der Aviatik-Experte Cord Schellenberg.

Christoph Reichmuth, Berlin / ch media



Die Lufthansa wird mit einem 9-Milliarden-Euro-Rettungspaket gestützt. Die Aktionäre haben grünes Licht gegeben. Mit 20 Prozent Aktienanteilen wird der Staat künftig im Cockpit mitfliegen. Die Rettung der Airline stärkt auch die Position ihrer Tochter Swiss, glaubt der deutsche Luftfahrt-Experte Cord Schellenberg.

Die Aktionärsversammlung hat dem 9-Milliarden-Euro-Rettungspaket zugestimmt. Ist nun alles paletti?
Cord Schellenberg:
Für mich ist das wie eine Tür zur Zukunft, die nun aufgeht. Aber es ist eben auch nur die Tür zur Zukunft. Weiterhin ist nicht klar, wie sich das Luftfahrtgeschäft weltweit entwickeln wird. Die Menschen werden erst wieder Flüge in grösserer Zahl buchen, wenn der Spass an einer Flugreise wieder da ist.

Video: kaltura.com

Wird es wieder ein Flugverhalten wie in Vor-Corona-Zeiten geben?
Ich denke, dass die Normalität wieder kommt. Ob die dann dauerhaft mit einer Maskentragpflicht an Bord verbunden sein wird, werden wir sehen. Eine Annäherung an die Normalität wird wohl zuerst in Europa erfolgen. In der zweiten Stufe – das wird länger dauern – kommen die Langstreckenreisen zurück.

Eine Rückkehr zur Normalität ist aus klimapolitischen Überlegungen überhaupt nicht anzustreben.
Das entscheiden die Menschen selber. Natürlich hat man für Reisen innerhalb Europas noch ein bisschen mehr Auswahl für die Mobilität – Auto, Bus, Bahn, aber auch Kreuzfahrtschiffe. Wer unterwegs sein möchte – und ich sehe starke Anzeichen dafür, dass Menschen Mobilität nach dem Shutdown im Frühjahr noch mehr schätzen als zuvor – der wägt sicherlich genau ab, wohin er reisen möchte. Aber das Interesse, sich örtlich zu verändern, ist doch nur stärker geworden. Das spricht dafür, dass Flugreisen wieder zunehmen werden.

Lufthansa-Chef Carsten Spohr kündigte auf der Aktionärsversammlung harte Einschnitte für den Konzern an. Tausende Arbeitsstellen sollen abgebaut werden. Müssen auch die Mitarbeiter der Lufthansa-Tochter Swiss zittern?
Von der Swiss habe ich bezüglich Plänen zum Stellenabbau keine Äusserungen gehört. Entscheiden wird darüber die Nachfrage der Kunden. Die Schweiz ist stark auf den Drehscheiben-Verkehr am Flughafen Zürich ausgerichtet, die Swiss und der Flughafen Zürich sind voneinander abhängig. Der Flughafen Zürich lebt in grossem Masse davon, dass Passagiere wie in einem Staubsaugereffekt aus den umliegenden Ländern Europas angesogen werden und in Zürich von Europastrecken auf Langstrecken verteilt werden. Ein Passagier der via Zürich von Glasgow nach Mumbai fliegt, wird in Zürich viermal gezählt, zweimal beim Hinflug durch Ankunft und Weiterreise, zweimal bei seiner Rückreise. Eine einzige Person, die nicht mehr über Zürich reist, sorgt unter Umständen für einen Rückgang von vier Passagieren an der Drehscheibe Zürich.

Am Flughafen Zürich soll bald wieder mehr Betrieb herrschen: Mit der bevorstehenden Grenzöffnung erweitern die Fluggesellschaften ihr Angebot.

Die Swiss und der Flughafen Zürich sind voneinander abhängig Bild: sda

Die Lufthansa ist gerettet. Hat sich die Position der Swiss im Konzern verändert? Wird sich die Lufthansa künftig auf sich selbst und weniger auf die Tochtergesellschaften konzentrieren?
Die EU hat am Donnerstag einen interessanten Punkt bekanntgegeben. Nämlich, dass die Rettungsgelder nicht verwendet werden dürfen für integrierte Fluggesellschaften, die sich bereits vor dem 31. Dezember letzten Jahres in wirtschaftlichen Schwierigkeiten befanden. Bei den Lufthansa-Töchtern in Österreich oder Brüssel muss also geprüft werden, ob Fluggesellschaften zur Jahreswende vor Corona gesund waren. Von aussen betrachtet würde ich folglich behaupten: Diese Vorgabe bedeutet einen Vorteil für Lufthansa und Swiss. Die Swiss war und ist eine starke Airline, und sie wird innerhalb der Lufthansa-Group auch weiterhin eine starke Rolle spielen. Die Swiss hat durch die Vorgaben der EU einen Pluspunkt gesammelt.

Der Grossaktionär Heinz Hermann Thiele hat bemängelt, dass bei der Lufthansa künftig der Staat mitreden will. Verstehen Sie seine Vorbehalte?
Ich glaube, der Staat ist kein guter Unternehmer. Ich sehe aber auch die Seite der Bundesregierung: Wenn man mit einem so grossen Rettungspaket einem Konzern hilft, muss man doch im Aufsichtsrat eine Stimme haben. Ich sehe allerdings die Schranke, dass der Bund jetzt nicht auf die Idee kommt, Luftfahrt-Klimapolitik am lebenden Objekt bei der Lufthansa in Frankfurt anstatt in Berlin zu machen. Das hielte ich für falsch. Bei Grossaktionär Thiele fällt mir wiederum ein Spruch aus der Luftfahrtbranche ein. Wie wird man in der Luftfahrt Millionär? Indem man als Milliardär anfängt. Herr Thiele kann nun das Gegenteil beweisen.

(aargauerzeitung.ch)

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12Alle Kommentare anzeigen
    Alle Leser-Kommentare
  • Roger Rüebli 26.06.2020 08:25
    Highlight Highlight Ein Umsteigepassagier wird viermal gezählt - auch so kann man die Werbe- und Verkaufsflächen künstlich verteuern.
  • Opa 26.06.2020 08:00
    Highlight Highlight der umgang mit dem wort "normalität" ist bemerkenswert.
  • Florotor 26.06.2020 07:56
    Highlight Highlight Oh, aber wenn das so ist, finde ich, man müsste die Bürgschaft des Bundes für die Swiss vervierfachen!

    Der gute Mann mag gut sein im Zählen an Drehkreuzen. Sonst irrt er gewaltig: Nein, nicht der Mensch entscheidet das selber. Mutter Natur wird entscheiden und das Menschlein dann auslöschen und zwar ratzfatz mit allen Bilanzen und Börsenwerten.

    Diese Arroganz und genau diese Arroganz, zu behaupten, der Markt stehe über dem Ökosystem, ist der Grund, warum wir Mobilität und Klima nicht werden zusammenbringen können.

    Aber weiter so, "Experten", die die Physik verleugnen: Bring 'em on, Watson!
  • Stefan Morgenthaler-Müller 26.06.2020 07:31
    Highlight Highlight Als Aktionär muss man kaum noch in Panik geraten. Bei einem Ernstfall springt die Allgemeinheit in die Bresche: 2008/09 war es so und jetzt auch. Aktien von sogenannten systemrelevanten Unternehmen: gute Rendite, kleines Risiko.
    • neutrino 26.06.2020 08:19
      Highlight Highlight Bei der Lufthansa ist überhaupt keine Rendite zu erwarten. Der Staat darf jetzt Aktien zum Nominalwert erwerben - was den Wert aller anderen Aktien massiv verwässert.

      Aber ja, wenn sie denken, dass die Lufthansa ein gutes Investment ohne Risiko ist, warum kaufen sie denn keine Aktien? Sind ja alle günstig erhältlich.
    • bokl 26.06.2020 08:19
      Highlight Highlight -60% seit Anfang 2018. Wirklich sehr gute Rendite …

      Die Aktionäre von Wirecard haben ebenfalls keinen Grund zur Panik?
    • Stefan Morgenthaler-Müller 26.06.2020 08:47
      Highlight Highlight @neutrino. Dann machen Sie einen Beitrag über Lufthansa. Ich habe eine allgemeine Formulierung gewählt, nicht Lufthansa spezifisch, wie Sie selber nochmals nachlesen dürfen.

      Sie können sich selber denken, wie viele Unternehmen, bzw. Aktionäre ihr Geld verloren hätten, wenn 2008 und 2020 der Staat nicht in die Bresche gesprungen wäre. Auch bei der UBS. Darum ist das Risiko = 0 sein ganzes Geld zu verlieren, wenn man in "systemrelevante" Unternehmen investiert. Andere kapieren es, Sie wohl nicht.
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