Wirtschaft
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Single-family homes on the shores of Lake Zurich, pictured on June 18, 2009 in Baech in the canton of Schwyz, Switzerland. (KEYSTONE/Gaetan Bally) 

Einfamilienhaeuser am Ufer des Zuerichsees, aufgenommen am 18. Juni 2009 in Baech im Kanton Schwyz. (KEYSTONE/Gaetan Bally)

Bild: KEYSTONE

Oberster Steuerverwalter zum Kampf um Firmen

Soll die Schweiz mit Gratis-Land Firmen anlocken? Andere Länder tun das bereits



Adrian Hug, neuer Direktor der Eidgenoessischen Steuerverwaltung, waehrend einer Medienkonferenz am Freitag, 14. Dezember 2012 in Bern. (KEYSTONE/Peter Klaunzer)

Der oberste Steuerverwalter Adrian Hug Bild: KEYSTONE

Der oberste Steuerverwalter Adrian Hug stellt einen international immer härter werdenden Kampf um die Firmenansiedlungen fest. Die Schweiz sollte sich seiner Meinung nach vermehrt um Firmen mit Substanz bemühen und weniger um Sitzgesellschaften.

"Wir müssen schauen, dass Firmen mit Substanz zu uns kommen", sagte Hug, Chef der Eidgenössischen Steuerverwaltung (ESTV), in einem Interview mit der "NZZ am Sonntag". Solche Firmen würden Personal anstellen, eine Tätigkeit ausüben sowie Wertschöpfung generieren - ihr Zuzug sei deshalb nicht nur für die Steuereinnahmen, sondern auch für den Arbeitsmarkt positiv.

Zu diesem Strategiewechsel in der Standortpolitik wird die Schweiz unter anderem durch neue internationale Steuerregeln gezwungen. Das OECD-Projekt BEPS soll dazu beitragen, dass Gewinne dort versteuert werden, wo Unternehmen sie erzielen. Konkret soll damit der Transfer von Gewinnen in Tiefsteuerländer wie die Schweiz verhindert werden.

Für die Schweiz sei dieser Aktionsplan von "sehr grosser Bedeutung", sagte Hug. Allerdings sieht er darin eher eine Chance als ein Risiko: "Wenn es klare globale Regeln gibt, die einen fairen Wettbewerb installieren, können wir mit unseren tiefen Steuersätzen gut mithalten." Die Regeln würden auch Unsicherheit beseitigen.

«Auf diesem Gebiet betreiben andere Länder viel aggressiver Standortförderung als wir»

In den internationalen Gesprächen setze sich die Schweiz dafür ein, dass sich alle Länder an die Regeln halten müssten. Zudem müssten auch Faktoren berücksichtigt werden, die nicht direkt mit den Steuern zu tun hätten, sagte Hug. "Auf diesem Gebiet betreiben andere Länder viel aggressiver Standortförderung als wir." Beispiele sind: Subventionen, Gratis-Land oder Infrastruktur-Finanzierung.

In den vergangenen Wochen sorgten die Ankündigungen in der Schweiz ansässiger Konzerne für Aufsehen, die ihren Sitze ins Ausland verlegen wollen. Erst am Freitag hatte der in Neuhausen SH domizilierte Grosskonzern Tyco seine Pläne bekanntgegeben, nach Irland zu ziehen. 

Soll die Schweiz ausländische Firmen anlocken?

Kapitalgewinnsteuer kein Tabu mehr

Zur geplanten Unternehmenssteuerreform III in der Schweiz stellt Hug fest, dass eine Kapitalgewinnsteuer heute nicht mehr tabu sei. Diese könnte dafür eingesetzt werden, die drohenden Einnahmeverluste der Kantonen wegen Steuersenkungen für Unternehmen zu kompensieren. Sie könnte bis zu einer Milliarde Franken pro Jahr einbringen.

"Für uns ist klar, dass die Entlastung von Unternehmen nicht einfach über die stärkere Besteuerung von natürlichen Personen finanziert werden darf." Darum werde auch die Idee einer Kapitalgewinnsteuer verfolgt. Heute gibt es diese Steuer, die beispielsweise auf Börsengewinnen Privater anfällt, nicht. (aeg/sda)

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    Alle Leser-Kommentare
  • Donald 05.05.2014 00:10
    Highlight Highlight Fachkräftemangel, Platzmangel, überlasteter öffentlicher- und individueller Verkehr und dann kommt so ein Bundesbeamter auf die Idee, man müsste weitere Firmen ansiedeln, die weitere Leute anstellen und dann diesen auch noch Land schenken!? Kann sich dieser Typ nicht einfach um sein Tagesgeschäft kümmern? Kein Wunder kommen wir nicht ohne Unmengen an Einwanderern aus. Zum Glück hat das Volk bei uns noch gewisse Mitsprachemöglichkeiten.
  • Kza 04.05.2014 22:41
    Highlight Highlight Als hätten wir in der Schweiz Land zu verschenken... absurd! Die Rahmenbedingungen für Firmen sind schon heute gut genug.
  • Zeit_Genosse 04.05.2014 21:45
    Highlight Highlight Gratisland, kaum oder gar keine Steuern, um Arbeitsplätze zu schaffen, die ganz schnell eleminiert und auf den Sozialstaat abgewälzt werden. Wenn, dann nur mit einem extra Nachhaltigkeitspacket, das der Schweiz nützt.
  • Oberon 04.05.2014 11:52
    Highlight Highlight Firmen die nur wegen diesem Grund in die Schweiz kommen brauchen wir nicht. Wir haben defintiv mehr zu bieten...
  • Lumpirr01 04.05.2014 10:44
    Highlight Highlight Auf der abgebildeten baureifen Wiese ist höchstens Platz für die Villa des neuen zugezogenen ausländischen Firmenchefs! Und das Gratisland soll zuerst mit Steuergeldern von Privaten abgeknöpft werden?? Das Schweizer Stimmvolk hat bei der MEI klar gesagt, dass es kein solches Wachstum mehr braucht rsp. will, auch wenn es leider gewisse Leute nach wie vor nicht begriffen haben!
    • Kurtport 04.05.2014 16:41
      Highlight Highlight So klar hat das Volk ja nun diese MEI auch nicht angenommen und, hier geht es ja um ganz ein anderes Thema!

Kommentar

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