Wirtschaft
Wir verwenden Cookies und Analysetools, um die Nutzerfreundlichkeit der Internetseite zu verbessern und passende Werbung von watson und unseren Werbepartnern anzuzeigen. Weitere Infos findest Du in unserer Datenschutzerklärung.
epaselect epa04518438 A picture made available on 07 December 2014 shows cinema operator Karl-Heinz Meier (C) sitting in his cinema as he wears 3D glasses and eats popcorn in Quernheim, Germany, 28 November 2014. Meier operates the Lichtburg Kino, the smallest cinema in Germany, according to reports.  EPA/FRISO GENTSCH

Im vergangenen Jahr ist so mancher Kinositz leer geblieben. Bild: EPA/DPA

Flucht nach vorn

Noch nie gingen so wenig Leute ins Kino wie 2014 – und trotzdem eröffnen überall neue Säle

Umsatz und Besucherzahlen gehen zurück – die Schweizer Kinolandschaft steckt in der Krise. Die Branche tritt die Flucht nach vorn an: Im Jahr 2014 kamen drei neue Kinos und 23 Säle hinzu.



Bereits Ende 2013 hatten die Kinobetreiber nichts Gutes zu vermelden: Im Vergleich zum Vorjahr waren die Besucherzahlen – und damit auch der Umsatz – deutlich zurückgegangen, während das Jahr 2012 ein sehr erfolgreiches war. Inzwischen hat der Schweizerische Verband für Kino und Filmverleih ProCinema die Zahlen aus dem Jahr 2014 exklusiv für watson ausgewertet.

«Der Umsatz ist weiter zurückgegangen. Wir erheben die Zahlen seit 1995 flächendeckend in der ganzen Schweiz und so wenig Kinobesuche wie im Jahr 2014 gab es noch nie», erklärt Geschäftsleiter René Gerber. Doch er hat auch Positives zu berichten: «Die Kinobetreiber bleiben zuversichtlich. Das zeigt sich vor allem daran, dass im vergangenen Jahr neue Kinos aufgemacht haben. Im Jahr 2014 sind mehr als 20 Säle dazugekommen.»

Die Entwicklung der Kinobranche in einem Clip:

abspielen

video: youtube/watson

Dass zwar nur drei Kinos, aber 23 neue Säle hinzugekommen sind, deutet darauf hin, dass es vor allem die grossen Mainstream-Kinos sind, die trotz schrumpfender Besucherzahlen überleben können. Doch das stimmt nicht ganz. «Der Zuwachs hat sowohl im Mainstream-Bereich stattgefunden, beispielsweise mit dem Multiplex Arena Cinémas La Praille in Genf, als auch im Arthouse-Bereich mit dem Miniplex Houdini in Zürich», so Gerber.

Entwicklung Besucherzahlen seit 1995

Bild

Entwicklung Kinosäle seit 1995

Bild

Auch in Sachen Umsatz muss sich die Arthouse-Szene laut Gerber nicht verstecken: «Im Jahr 2014 haben die Mainstream-Kinos sogar etwas stärker gelitten. Die Betreiber der Arthouse-Kinos waren zufrieden und haben sich nach eigenen Angaben im letzten Jahr gut geschlagen.»

Wie regelmässig gehst du ins Kino?

Kein Unterschied zwischen Stadt und Land

Wer an einem Samstagabend in Zürich beispielsweise im Arena Sihlcity einen Film schauen will, tut gut daran, vorab Plätze zu reservieren. Denn das Kino platzt zu diesen Zeiten aus allen Nähten. Von schlechten Besucherzahlen ist hier nichts zu spüren. Gibt es vielleicht ein Stadt-Land-Gefälle?

«Ein grosser Unterschied zwischen Stadt und Land zeigt sich nicht: Im Jahr 2013 haben die Stadtkinos etwas mehr an Umsatz verloren, im Jahr 2014 verzeichneten dafür die Landkinos einen stärkeren Rückgang», erklärt Gerber. Die Unterschiede würden jedoch in einem sehr kleinen Prozentbereich liegen – es handle sich dabei um ganz normale Schwankungen.

«Eigentlich lieben die Leute das Kino, sie vergessen es nur ab und zu.»

René Gerber, ProCinema

Trotz der sinkenden Besucherzahlen in den letzten beiden Jahren bleibt Verbandschef Gerber optimistisch: «Ein Rückgang hat nach meiner Erfahrung nicht damit zu tun, dass die Leute das Kino nicht mehr mögen – eigentlich lieben sie es, vergessen das aber ab und zu.» 

Die Besucherzahlen würden immer direkt mit den Filminhalten zusammenhängen. Treffe ein Film – oder wie auch schon erlebt eine ganze Reihe von Filmen – den Geschmack des Publikums nicht, würden die Leute lieber etwas anderes unternehmen. «2014 war ein Jahr, in welchem die Filme den Zuspruch des Publikums nicht oder nur weniger gefunden haben. Im Jahr 2015 stehen jedoch viele unterschiedliche Filme auf dem Plan, die den Leuten gefallen sollten.»

In Bezug auf den Erfolg von 3D-Filmen lässt sich Folgendes festhalten: «Seitdem 3D-Filme flächendeckend in der Schweiz gezeigt werden, machen sie 20 Prozent der Eintritte aus. Diese Zahl hält sich nun schon seit einigen Jahren relativ stabil», so Gerber. In der Schweiz gibt es aktuell 564 Kinosäle. In 290 davon können 3D-Filme gezeigt werden.

Kennst du schon die watson-App?

Über 100'000 Menschen nutzen bereits watson für die Hosentasche. Unsere App hat den «Best of Swiss Apps»-Award gewonnen und wird von Apple als «Beste Apps 2014» gelistet. Willst auch du mit watson auf frische Weise informiert sein? Hol dir jetzt die kostenlose App für iPhone/iPad und Android.

DANKE FÜR DIE ♥

Da du bis hierhin gescrollt hast, gehen wir davon aus, dass dir unser journalistisches Angebot gefällt. Wie du vielleicht weisst, haben wir uns kürzlich entschieden, bei watson keine Login-Pflicht einzuführen. Auch Bezahlschranken wird es bei uns keine geben. Wir möchten möglichst keine Hürden für den Zugang zu watson schaffen, weil wir glauben, es sollten sich in einer Demokratie alle jederzeit und einfach mit Informationen versorgen können. Falls du uns dennoch mit einem kleinen Betrag unterstützen willst, dann tu das doch hier.

Würdest du gerne watson und Journalismus unterstützen?

(Du wirst zu stripe.com (umgeleitet um die Zahlung abzuschliessen)

Oder unterstütze uns mit deinem Wunschbetrag per Banküberweisung.

Nicht mehr anzeigen

Das könnte dich auch noch interessieren:

Abonniere unseren Newsletter

14 Kommentare
Weil wir die Kommentar-Debatten weiterhin persönlich moderieren möchten, sehen wir uns gezwungen, die Kommentarfunktion 24 Stunden nach Publikation einer Story zu schliessen. Vielen Dank für dein Verständnis!
Die beliebtesten Kommentare
Moe Mentmal
29.01.2015 08:43registriert August 2014
Der Trend, Filme nicht mehr in Originalsprache zu zeigen, sondern mit deutscher Synchronisierung, lässt immer mehr meiner potenziellen Kinobesuche ins Wasser fallen. (Normalerweise gilt ja: Je interessanter der Film, desto schlechter die Synchronisierung, weil kein Budget da ist.)
Da schau ich mir den Film halt etwas später auf dem heimischen Beamer an...
283
Melden
Zum Kommentar
Anded
29.01.2015 09:21registriert October 2014
Vermehrt synchronisiert statt original, hohe Preise für Eintritt und Snacks, trotzdem tonnenweise Werbung wenn der Film beginnen sollte, und schliesslich die unsägliche Pause mitten im Film, welche der Regisseur da sicher nicht vorgesehen hatte.
231
Melden
Zum Kommentar
Joseph Dredd
29.01.2015 08:30registriert July 2014
Vor gut 20 Jahren war ich eingefleischter Cineast mit locker bis zu drei oder mehr Kinobesuchen wöchentlich oder gar mehreren Filmen am gleichen Tag – abhängig vom Programm, notabene. Das war zu einer Zeit, wo Filme in Schweizer Kinos noch in Originalsprache gezeigt wurden und die Eintrittspreise erschwinglich waren. Seit nur noch synchronisierte Filme laufen und die Tickets teilweise über 20 Stutz kosten, bleibe ich den Lichtspielhäusern fern und schaue die Filme in Originalfassung im Heimkino.
204
Melden
Zum Kommentar
14

Kommentar

Die Konzernverantwortungs-Initiative aus einem afrikanischen Blickwinkel

Als gebürtiger Südsudanese beobachte ich die Debatte in der Schweiz um die Konzernverantwortungs-Initiative (KVI) mit Befremden. Beinahe alle Nichtregierungsorganisationen (NGO), die auch in der Entwicklungszusammenarbeit tätig sind, engagieren sich für diese Initiative in der Hoffnung, dass es künftig weniger Menschenrechtsverletzungen gibt, die von Schweizer Firmen in Entwicklungsländern verursacht werden.

Insgeheim wissen die meisten dieser NGO sehr wohl, dass die systematische Verletzung von …

Artikel lesen
Link zum Artikel