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Credit Suisse und UBS – warum die Fusionsidee der beiden Riesen weiterlebt

Die überfällige Konsolidierungswelle im europäischen Bankenmarkt lässt auf sich warten. Das lässt der Alfred-Escher-Bank die dringend benötigte Zeit, sich für eine Hochzeit aufzuhübschen.
27.06.2021, 05:55
Daniel Zulauf / ch media
UBS und Credit Suisse gehören zu den Grossen - jedenfalls solange noch, bis die europäische Konkurrenz über die Grenzen hinweg nicht fusionieren kann.
UBS und Credit Suisse gehören zu den Grossen - jedenfalls solange noch, bis die europäische Konkurrenz über die Grenzen hinweg nicht fusionieren kann.
Bild: KEYSTONE

Das Gerücht sorgte im letzten Herbst für reichlich Aufregung: UBS-Präsident Axel Weber, so wurde gemunkelt, wolle seine Bank mit der Credit Suisse zusammenlegen. Was schon damals nach einer ziemlich abenteuerlichen Spekulation aussah, ist inzwischen fast undenkbar geworden.

«Ich befürchte, dass die Überlegungen im Sand verlaufen werden», sagt der Londoner Finanzanalyst Stuart Graham im Gespräch mit unserer Zeitung. «Ich gehe davon aus, dass es der Ehrgeiz von António Horta-Osório ist, die Bank zuerst aus eigener Kraft aus dem tiefen Loch herauszuführen, in das sie im Frühjahr gefallen ist.»

Der neue Credit-Suisse-Präsident hat Ende April eine Bank übernommen, deren Börsenwert im Zug der beiden Grosshavarien Archegos und Greensill auf mickrige 23 Milliarden Franken gefallen ist. «In einer solchen Situation würde sich kein Verwaltungsrat ohne Not in Fusionsgespräche begeben», sagt Graham. Seine Meinung hat Gewicht in der Branche.

Sechsmal in Folge wurde Graham als bester Bankenanalyst Europas ausgezeichnet. 2009 gründete er das bankenunabhängige Analysehaus Autonomous Research, das seit 2019 der amerikanischen Investmentgruppe Alliance Bernstein gehört. Noch sei die Not nicht gross genug. «Credit Suisse verfügt in verschiedenen Geschäftsfeldern noch immer über eine gute Wettbewerbsposition.»

Tabelle: CH Media

Wann rollt die Welle der transnationalen Fusionen an?

Doch die Uhr läuft gegen die Schweizer Grossbanken. Grenzüberschreitende Zusammenschlüsse und Übernahmen im Bankensektors der Eurozone seien überfällig, sagt Graham. Die Profitabilität der Branche sei ungenügend und die Aussicht auf ein noch über Jahre hinaus andauerndes Ultratiefzinsumfeld lasse keine markante Verbesserung der Ertragsaussichten erwarten.

So bleibt allein die Option die Kosten weiter zu schleifen. Dazu wären Fusionen hilfreich. Doch die Möglichkeiten dafür sind in den meisten Euro-Ländern ausgeschöpft. «Wir warten schon sehr lange auf den Tag, an dem die Welle der transnationalen Transaktionen im Bankensektor von Euroland losbricht», sagt Graham. Allen Widerständen zum Trotz geht er davon aus, dass diese Welle in den nächsten Jahren tatsächlich ins Rollen kommen wird.

Gemäss Graham kommen die 15 grössten Banken im Euro-Raum zurzeit auf einen Marktanteil von lediglich etwa 45 Prozent. Soviel teilten in bereinigten Märkten bloss etwa vier Grossbanken unter sich auf. In der Schweiz beträgt der Marktanteil von UBS und CS rund 30 Prozent.

Bild: zVg
Stuart Graham
Der Bankenanalyst ist Gründer von Autonomous Research, einem bankenunabhängigen Spezialisten für Finanzanalysen, das seit 2019 der US-Investmentgruppe Alliance Bernstein gehört. Graham hat die über 80 Mitarbeitenden Autonomous Research neun Jahre selbst geleitet. Zuvor war Chefanalyst für europäische Banken bei Merrill Lynch. In dieser Funktion wurde er während sechs Jahren in Folge als bester Bankenanalyst Europas ausgezeichnet. Der Cambridge-Absolvent begann seine Karriere im Bankensektor 1988 in der Bankenaufsicht der Bank of England. Graham ist als Managing Director weiterhin für Autonomous Research tätig. (dz)

Problem mit der länderübergreifenden Haftungsgemeinschaft

Voraussetzung dafür ist allerdings die Fertigstellung der europäischen Bankenunion. 14 Jahre nach Ausbruch der internationalen Finanzkrise und knapp zehn Jahre seit dem Höhepunkt der europäischen Schuldenkrise ist dieses Schlüsselelement auf dem Weg zu einem integrierten europäischen Finanzmarkt noch immer eine Baustelle.

UBS-Präsident Axel Weber sagte diese Woche am Finanzplatztag der deutschen Börsen-Zeitung in Frankfurt: Paneuropäische Banken (und zu diesen zählt er natürlich auch die UBS) bräuchten «einen EU-weiten Rechtsrahmen und nicht diesen Flickenteppich aus national unterschiedlichen Regulierungen», der auf die lokal tätigen Sparkassen und Genossenschaftsbanken zugeschnitten sei. Die Fragmentierung der europäischen Bankenmärkte führe dazu, dass es sich für international tätige Institute oft nicht lohne, in weiten Teilen Europas aktiv zu sein. Mit diesem Argument erklärte Weber auch den jüngsten Rückzug der UBS aus Österreich, ein Schritt, den unlängst auch die Credit Suisse vollzogen hat.

Konkret fehlt derzeit vor allem noch die Einigung der Euro-Staaten auf ein gemeinschaftliches Sicherungssystem für Bankeinlagen. Ohne länderübergreifende Haftungsgemeinschaft, ohne die Chance einer zentralen Steuerung und Optimierung des konzernweiten Kapitaleinsatzes über Grenzen hinweg, gibt es keine transnationalen Bankenzusammenschlüsse.

Bankenunion: Abermals vertagt
Die Eurogruppe, das informelle Finanzminister-Gremium der 19 Euro-Länder, hat den Fahrplan für die Fertigstellung der Bankenunion vergangene Woche auf einem Treffen in Luxemburg erneut auf die lange Bank geschoben. Ursprünglich hätte das Projekt bis Ende 2023 zum Abschluss gebracht werden sollen.

Doch nun haben die Euro-Finanzminister aufgrund kurzfristig unüberbrückbarer Differenzen beschlossen, den Fahrplan erst nach der deutschen Kanzlerwahl im Herbst zu erstellen. Zu den Konfliktpunkten gehört die deutsche Forderung, die Staatsanleihen in den Bilanzen der Euro-Banken zu reduzieren.

Italien wehrt sich gegen diese Forderungen mit Blick auf die eigenen Banken, die viele Anleihen des italienischen Staates halten. Die Bankenunion will verhindern, dass Euro-Länder in einer nächsten Finanzkrise erneut in die Geiselhaft der Banken geraten und das Bankensystem mit Steuergeldern stabilisiert werden muss.

Die beiden ersten Pfeiler der Bankenunion, die gemeinsame Bankenaufsicht und ein gemeinsamer Abwicklungsmechanismus für den Krisenfall sind bereits ausgearbeitet. Offen ist ein gemeinschaftliches Einlagensicherungssystem (Edis). (dz)

Stuart Graham ist überzeugt, dass die Euro-Partner die Bankenunion doch noch zum Abschluss zu bringen wollen. Der Marktanteil von rund 45 Prozent, den sich derzeit die 15 grössten Banken in der Eurozone aufteilten, reiche in einem konsolidierten Markt gerade mal für vier europäische Superbanken, schätzt Graham. Diese könnten auch in puncto Börsenkapitalisierung ein Mehrfaches des aktuellen Wertes von UBS oder Credit Suisse erreichen.

Lieber Vorsorgen, auch bei Fusionsplanspielen

Für Graham ist es deshalb weitsichtig, wenn die Schweizer Grossbanken schon jetzt Überlegungen anstellen, wie sie mit Blick auf eine dereinst vielleicht erstarkende Euro-Konkurrenz ihre eigene Wettbewerbsposition verbessern könnten. Die Fusionsidee sei eine prüfenswerte Variante aber so gut sie auf dem Zahlenblatt eines Analysten auch aussehen möge, so komplex und schwierig sei es in der Realität ein solches Unterfangen umzusetzen.

Während sich das Problem eines allzu grossen Inlandgeschäftes einer fusionierten Grossbank noch relativ einfach mit Hilfe einer Abspaltung lösen liesse, würde eine Verbindung der beiden Investment Banken eine veritable Knacknuss werden, sagt Graham. «Man kann sich das technische Innenleben solcher über viele Jahre gewachsenen Investment Banken wie einen ungeordneten Haufen Spaghetti vorstellen». Eine Fusion bringt im kostenintensiven Bankengeschäft zwar Vorteile, aber die Kosten eines komplexen Zusammenschlusses können so hoch werden, dass für die Aktionäre am Ende kein Mehrwert entsteht.

Die Verzögerungen auf der Bankenunion-Baustelle verschafft Neo-CS-Präsident Horta-Osório Zeit, den dringend nötigen Kulturwandel zu schaffen, bürokratisches Missmanagement zu stoppen, das Vertrauen der Aufsichtsbehörden zurückzugewinnen und vor allem auch das Misstrauen wichtiger Kunden zu überwinden. Schnell seien diese Ziele aber nicht zu erreichen, gibt Graham zu bedenken. Die US-Grossbank Wells Fargo, die 2016 in einen Sumpf von Skandalen und Pleiten eintauchte, habe ganze vier Jahre gebraucht, um den Anschluss an die Konkurrenz zurückzugewinnen. So viel Zeit wird der Credit-Suisse-Präsident kaum haben. (bzbasel.ch)

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