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Manche Airlines fliegen praktisch leer durch die Gegend, um ihre Slots nicht zu verlieren. bild. shutterstock

Airlines empören mit Geisterflügen – jetzt fordert die Schweiz Massnahmen

Die Corona-Krise stürzt Fluggesellschaften in eine beispiellose Talfahrt. Airlines wie die British Airways fliegen mit leeren Flugzeugen, damit sie ihre Start- und Landerechte nicht verlieren. Nun fordert die Schweiz Massnahmen.



Es gibt ein neues Phänomen am Himmel: Geisterflüge. Airlines fliegen teilweise mit praktisch leeren Maschinen herum. Fast die Hälfte der gebuchten Passagiere taucht gar nicht erst im Flugzeug auf.

Nach geltenden europäischen Vorschriften müssen die Fluggesellschaften 80 Prozent der ihnen zugewiesenen Zeitfenster für einen Start nutzen. Andernfalls riskieren sie, diese wertvollen «Slots» an einen Konkurrenten zu verlieren.

Dies führt dazu, dass die Fluggesellschaften tausende Liter Kerosin und viel Geld verschwenden – und mit leeren Maschinen trotzdem starten.

Bei der Swiss dürfen die Kunden neu flexibel umbuchen: der Flughafen Genf (Archivbild).

Die Swiss und die Lufthansa streichen wegen der Corona-Krise bis zu 50 Prozent ihrer Flüge. Bild: KEYSTONE

Schweiz will Slot-Regel aussetzen

Davon betroffen ist auch die Schweiz, welche die europäische Slot-Verordnung mitträgt. Auch hierzulande müssen Fluggesellschaften die 80/20-Regel erfüllen. Der Airline-Weltverband IATA fordert nun, dass die Regelung wegen des Coronavirus vorerst bis im Herbst ausgesetzt wird. Dies war etwa nach Ausbruch der Sars-Epidemie oder dem Bankencrash 2008/2009 zuletzt der Fall.

In Europa wird demnächst die EU-Kommission darüber entscheiden, ob die Regelung ausgesetzt wird. «Wir unterstützen diesen Vorstoss. Es braucht jetzt länderübergreifende Massnahmen», sagt Christian Schubert, Mediensprecher des Bundesamts für Zivilluftfahrt (Bazl) zu watson.

Grösster Nachfrageeinbruch aller Zeiten?

Denn so dramatisch war die Lage für die Airline-Industrie schon lange nicht mehr. «Die aktuelle Abwärtsentwicklung übersteigt alle bisher gemachten Erfahrungen mit externen Schocks – der Nachfragerückgang ist stärker als bei der Sars-Krise, den Terroranschlägen vom 11. September 2001 und der Weltwirtschaftskrise von 2008 bis 2009», sagt der Hauptgeschäftsführer des Bundesverbandes der Deutschen Luftverkehrswirtschaft (BDL) zum Tagesspiegel.

Die IATA hatte am Donnerstag den möglichen Umsatzeinbruch im weltweiten Passagiergeschäft auf eine Spanne zwischen 63 Milliarden und 113 Milliarden Dollar geschätzt. Das ist bis zu 19 Prozent des gesamten Volumens. Das sei mit den Dimensionen der Finanzkrise 2008/2009 vergleichbar.

Die Swiss hat bereits reagiert, unzählige Flüge gestrichen und ihre Kapazitäten im März und April um bis zu 50 Prozent gekürzt. Damit versucht die Airline, die Verluste einzudämmen. Und wettet praktisch darauf, dass die EU-Kommission die Slotregel kippt.

Mit fast leeren Jets weiter zu fliegen «wäre nicht nur wirtschaftlich irrsinnig, sondern auch klimaschädlich», sagte der Luftfahrt-Koordinator der Bundesregierung, Thomas Jarzombek (CDU), dem «Tagesspiegel». Zwar müsste die EU-Kommission dem zustimmen, «aber alles andere als grünes Licht aus Brüssel wäre angesichts der Lage keinem Bürger vermittelbar».

(amü)

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38Alle Kommentare anzeigen
    Alle Leser-Kommentare
  • Der Buchstabe I 10.03.2020 09:49
    Highlight Highlight "Nach geltenden europäischen Vorschriften müssen die Fluggesellschaften 80 Prozent der ihnen zugewiesenen Zeitfenster für einen Start nutzen. Andernfalls riskieren sie, diese wertvollen «Slots» an einen Konkurrenten zu verlieren."

    Den Fluggesellschaften kann man hier kaum Vorwürfemachen. das sind nunmal wirtschaftliche Unternehmungen.

    Gut ist das sicher nicht, schuld ist aber die grenzdebile Bürokratie.
  • Ökonometriker 10.03.2020 08:52
    Highlight Highlight 🤦‍♂️
  • Hummingbird 10.03.2020 03:26
    Highlight Highlight Wieso wird erwähnt, dass es klimaschädlich ist, mit leeren Flugzeugen zu fliegen? Ist es doch mit vollen Flugzeugen auch?...
    • Jsgkl 10.03.2020 09:48
      Highlight Highlight Ja natürlich ist auch ein volles Flugzeug klimaschädlich. Jedoch werden so immerhin Passagiere befördert.
  • Posersalami 10.03.2020 00:33
    Highlight Highlight Was sind das nur für Regeln.. jemand sollte mal anfangen alle Gesetze und Verordnungen auf ihre Umweltverträglichkeit hin abzuklopfen.

    Diese 80/20 Regel macht ja ganz grundsätzlich keinen Sinn aus Sicht der Umwelt!
  • freeLCT 09.03.2020 20:41
    Highlight Highlight Sorry Leute,

    in dieser Geschichte, hätte der freie Markt geregelt,
    der Umwelt zu Liebe,
    dem Personal zu Liebe,
    dem Geld zu Liebe.

    Egal, wem zu Liebe. Das Flugi wäre höchstwahrscheinlich nicht gestartet, weil's schlichtweg nicht rentiert hätte.

    • Fritz N 10.03.2020 13:57
      Highlight Highlight in welcher Geschichte? Atlas Shrugged? :D

      Der "freie Markt" ist so ja wirklich nix anderes mehr als ein neoliberaler Gottesersatz. Umweltschutz? Der freie Markt regelt es! Hunger? Der freie Markt regelt es? Coronavirus? Wart nur bis der freie Markt kommt! :)

      Ausserdem: Was denkst Du war die Idee bei dieser Regelung, die eindeutig Konkurrenz fördern sollte? Ich meine nicht von Dir, Du bist ja soweit ich sehe wenigstens Konsequent und somit ein neoliberaler Purist (sprich: gar keine Regeln und so). Aber ich vermute doch die Regelung kommt eher von der "Markt ist so toll"-Fraktion
  • Meyer Andrej 09.03.2020 18:19
    Highlight Highlight Ja im neuen Berliner Flughafen fahren auch seit Jahren Züge durch den Bahnhof, damit dieser nicht Schimmel ansetzt.
    • MartinZH 09.03.2020 18:33
      Highlight Highlight Nicht alles, was hinkt, ist ein Vergleich.
  • fools garden 09.03.2020 18:02
    Highlight Highlight Nur keine Bange liebe Airlines, die Konkurenz braucht die Slots auch nicht.
    Sarkasmus ende.
  • häxxebäse 09.03.2020 17:59
    Highlight Highlight Oooh, das tut weh. Was ist mit hausverstand? Wirklich so schwer?
  • f.light 09.03.2020 17:46
    Highlight Highlight Also bitte Watson... nicht die Airlines empören sondern die Slot-Regelung der IATA (in diesem Ausnahmefall). Ansonsten macht die Regelung durchaus Sinn.
  • Leider Geil 09.03.2020 17:39
    Highlight Highlight Ea braucht eine 80/20 regel für Flugzeuge. Ist der Flieger nicht 80% gefüllt, gibts keine Starterlaubnis.
    • tTurbø 10.03.2020 10:01
      Highlight Highlight schon mal überlegt was ist, wenn der Rückflug voll ist, der Hinflug aber nicht? Sollen Ende Ferienzeit die Leite einfach dort bleiben? Überwintern im Süden sozusagen?
      Ausserdem fliegt eine Maschine meisten veschiedene Strecken an einem Tag, soll er dann desswegen leer zum nächsten Einsatzort fliegen (wo der Flug voll ist)? Die Welt ist leider nicht so einfach wie sich das einige Wünschen und besteht nicht nur aus ❤️ und ⚡
    • ghawdex 10.03.2020 10:09
      Highlight Highlight Na toll. Und was machen die 79% also im Falle einer Flugstreichung. Wieder nach Hause, Zusatzwoche im Ausland?!
  • MartinZH 09.03.2020 17:30
    Highlight Highlight Die Headline ist völlig daneben!

    Man muss doch klar sehen, dass nicht die Airlines "die Bösen" sind, wie dies im Titel impliziert wird, sondern die EU, welche diese europäische Slot-Verordnung nicht schon längst ausgesetzt hat.

    Die Airlines müssen sich einfach an die bestehenden Regulierungen (Verordnungen, Gesetzt) halten. Die sind ja auch nicht so dumm, dass sie einfach Geld zum Fenster rauswerfen, bzw. Kerosin verbrennen, wenn ihnen das Wasser sowieso schon bis zum Hals steht.

    Wie lange wird es wohl noch dauern, bis die EU-Kommission darüber entscheidet, ob die Regelung ausgesetzt wird?
    • häxxebäse 09.03.2020 18:00
      Highlight Highlight Und warum gibt es ausserhalb der eu dasselbe? Hauptsache eu bashing... 😑🙄
    • Cpt. Jeppesen 09.03.2020 19:11
      Highlight Highlight Keine Ahnung, aber Hauptsache EU bashen. Die Slots werden international vergeben. Die EU verwaltet ihren Teil. Die Welt aber besteht nicht nur aus der EU. Da müssen auch noch andere Staaten auf anderen Kontinenten mitspielen. Deshalb dauert es.
      Aber ich bin mir sicher mit dem freundlichen Diktator Martin von Zürich würden alle Weltprobleme mit einem Augenzwinkern gelöst werden. Ich ziehe den Hut vor deiner Kompetenz.
    • Ueli_DeSchwert 09.03.2020 19:40
      Highlight Highlight Die Schweiz entscheidet für sich selbst. Wir sind also bisher nicht "besser" als die EU :)
    Weitere Antworten anzeigen
  • Maragia 09.03.2020 17:15
    Highlight Highlight Wenn all das Geld ja nicht ausgegeben wird, sind wir ja plötzlich alle reicher? Oder hat sich das nun mit dem Crash an den Börsen eh gerade wieder in Luft aufgelöst? :)
    • THINKdifferent 09.03.2020 18:43
      Highlight Highlight Das wird verpuffen bevor es bei uns ankommt, da mach ich mir keine Sorgen. Das ist quasi Kriesensicher... :)
    • dmark 09.03.2020 19:09
      Highlight Highlight Wenn du Geld an der Börse hast - ja. Wenn nicht, dann bist du jetzt "reicher" ;)
    • Schne 09.03.2020 21:48
      Highlight Highlight Das Gegenteil ist der Fall. Das Geld wird ja nicht verbraucht, wenn es jemand ausgibt. Jemand anderes hat es dann und dieser kann es ebenfalls ausgeben. Das bedeutet, dass je schneller alle ihr Geld ausgeben, desto mehr können sich alle leisten.
    Weitere Antworten anzeigen
  • Supermonkey 09.03.2020 16:37
    Highlight Highlight Das ist keine europäische Slot-Verordnung sondern eine Worldwide Slot Guideline (WSG) der IATA.
    Solche Geisterflüge sind auch
    kein neues Phänomen, sondern gab es schon immer... Und diese sind nicht in erster Linie wegen Passagieren welche nicht einfach aufkreuzen, wie hier im Bericht dargestellt. Oder sollten Flüge etwa 30min vor Abflug gecancellt werden, wenn nicht alle Passagiere da sind? http:// ist
    • f.light 09.03.2020 17:54
      Highlight Highlight Du hast recht, aber man will die Leute dieser Tage lieber empören. Liest sich halt besser als ein sachlich fundierter Artikel.
    • Cmo 09.03.2020 18:37
      Highlight Highlight Ja, jeder Flug der nicht zu 75% ausgebucht ist, soll gecancelt werden.
      Unabhängig von Corona.
    • f.light 10.03.2020 12:28
      Highlight Highlight Das wäre wahrscheinlich jeder Airline recht. Nur die Passagiere hätten keine Freude.
      Und was machst Du, wenn der Rückflug schlechter ausgelastet ist als der Hinflug? Wir dann der Flug annulliert und die Passagiere werden umgebucht und die Maschine fliegt nun leer zurück? Ich denke die wissen schon was sie tun.
  • Coffeetime 09.03.2020 16:37
    Highlight Highlight Ich hoffe, unsere Administration nimmt einen pragmatischen und unbürokratischen Weg... und ermöglicht eine sinnvolle Nutzung der Ressourcen, ohne leere Flugzeuge. Und die Leute werden sich auch daran gewöhnen, dass es nicht jede Stunde einen Flug nach London-City gibt...
  • Offi 09.03.2020 16:29
    Highlight Highlight Verrückte Welt... ich zweifle immer mehr an unserem System ! Das darf doch einfach nicht sein!
    • fools garden 09.03.2020 18:06
      Highlight Highlight Es zeigt uns auf jeden Fall wie fragil unser Wirtschaftsystem ist, dabei hatten wir noch kaum Opfer.
    • 7immi 09.03.2020 23:31
      Highlight Highlight ... oder wie extrem agil und flexibel die EU ist...
    • K1aerer 11.03.2020 07:44
      Highlight Highlight Der freie Markt hätte es schon längst geregelt. Hier geht es um die grenzdebile Vereinbarung der IATA, welche international ausgerichtet ist.

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