SBB kaufen Hochgeschwindigkeitszüge nun doch – für diese Verbindungen
Die SBB wollen mehr Züge ins Ausland fahren lassen. Tagsüber sollen mehr europäische Städte ohne Umsteigen angefahren werden. Die SBB wollen dies nicht auf eigene Faust umsetzen, sondern zusammen mit ausländischen Partnerbahnen. Teil des Plans ist die Beschaffung von eigenen Hochgeschwindigkeitszügen. So könnten die SBB einen wichtigen Teil in eine Zusammenarbeit einbringen.
Dabei dürfte es sich potenziell um eine Milliardeninvestition handeln – Geld, das die SBB im internationalen Personenverkehr selbst erwirtschaften müssen. Bisher prüften sie deshalb, ob sie die Züge leasen könnten. Das hätte die anfängliche finanzielle Belastung verringert. Davon sind sie nun aber wieder abgekommen.
Vertiefte Abklärungen hätten gezeigt, dass ein Kauf innerhalb der langfristigen Investitionsplanung der SBB finanzierbar sei. Zudem falle er über die gesamte Nutzungsdauer wirtschaftlicher aus als ein Leasingmodell. Die bereits gestartete Suche nach Leasing-Partnern werde deshalb beendet. Das teilten die SBB diese Woche mit.
Hersteller wie Siemens oder Hitachi dürften mitmachen
In einem ersten Schritt wollen sie nun 21 Hochgeschwindigkeitszüge erwerben. Zudem sichern sie sich Optionen für 20 weitere Fahrzeuge. Die Beschaffung wird voraussichtlich im ersten Halbjahr 2027 ausgeschrieben.
Die Züge sollen Hochgeschwindigkeitsstrecken im Ausland befahren dürfen, müssen also hohe Geschwindigkeiten erreichen und mit Stromsystemen verschiedener Länder kompatibel sein. Die bisher von den SBB im internationalen Verkehr eingesetzten Giruno-Züge des Schweizer Herstellers Stadler sind keine Option. Diese erreichen nur Geschwindigkeiten von bis zu 250 Kilometern pro Stunde und dürfen deswegen etwa in Italien nicht auf allen Hochgeschwindigkeitsstrecken fahren.
Hochgeschwindigkeitszüge sind teuer, etwa weil für sie strengere Normen gelten als für solche, die nur 250 Kilometer pro Stunde oder weniger erreichen. Auf eine Ausschreibung dürften sich Hersteller wie Talgo, Alstom, Hitachi oder Siemens bewerben, die entsprechende Züge im Angebot haben.
Deutschland bleibt wichtigster Markt
Die Züge sollen im Lauf der 2030er-Jahre in Betrieb genommen werden, wie SBB-Sprecherin Sabrina Schellenberg sagt. Auf welchen Strecken, ist noch unklar. Der Fokus liege auf Italien und Frankreich, nachgelagert auch auf Destinationen wie Barcelona, Brüssel, Amsterdam und London. Zudem sähen die SBB grosses Potenzial für eine Direktverbindung nach Rom.
Der grösste internationale Markt bleibt aber Deutschland. Die Bahn rechnet damit, dass im Jahr 2035 täglich 18'600 Passagiere via Basel nach Deutschland reisen. Nach Paris und Italien sollen es ebenfalls über 10'000 Reisende pro Tag sein. Für die noch nicht existierende Direktverbindung nach London gehen die SBB von 6000 täglichen Reisenden aus. Das zeigen interne Zahlen, über die «Schweiz heute» berichtete.
Im Mai haben die SBB, die französische Bahn SNCF und der Betreiber von Zügen durch den Kanaltunnel, Eurostar, eine Kooperationsvereinbarung unterzeichnet. In einer Mitteilung hiess es damals, die angepeilten Reisezeiten von 5 Stunden zwischen Basel und London, 5,5 Stunden zwischen Genf und London und 6 Stunden zwischen Zürich und London würden «der Nachfrage und den Erwartungen der Reisenden» entsprechen. (schweizheute.ch)

