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SBB wollen Flüge konkurrieren – auf diesen Strecken sehen sie Potenzial

SBB wollen Flüge konkurrieren – auf diesen Strecken sehen sie Potenzial

Die Eisenbahn gewinnt an Beliebtheit bei internationalen Reisenden. Neue Zahlen zeigen nun, auf welchen Strecken die SBB künftig die Prioritäten setzen.
18.05.2026, 05:2618.05.2026, 05:48

Die Passagiere auf der Eisenbahn-Strecke von Zürich nach München sind krisenresistent. Trotz vieler Verspätungen, Ausfälle und nur zweistündlich verkehrenden Zügen steigen sie Jahr für Jahr in noch grösserer Zahl in die Eurocity-Züge auf dieser Strecke ein. Mit einem Plus von 27 Prozent gegenüber dem Vorjahr war das Fahrgastwachstum 2025 gar auf keiner internationalen Strecke der Deutschen Bahn höher, wie diese kürzlich mitteilte.

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Zwischen Zürich und München erwarten die SBB eine Steigerung der Passagierzahlen.Bild: www.imago-images.de

Internationale Reisen mit dem Zug liegen im Trend. Neue Zahlen der SBB zeigen nun, auf welchen Verbindungen die Bahn bis 2035 mit dem höchsten Wachstum rechnet. Bei den Zahlen handelt es sich jeweils um die Zahl der Reisenden auf dem grenzüberschreitenden Abschnitt auf Fernverkehrsstrecken. Reisende in Regionalzügen oder S-Bahnen werden nicht dazugezählt.

Am meisten Reisende zählen die SBB derzeit auf der sogenannten Rheinschiene. Damit ist der Grenzübergang in Basel in Richtung Deutschland gemeint, den etwa alle ICE-Züge aus der Schweiz nach Frankfurt, Köln, Berlin und Hamburg passieren. Im Jahr 2019 registrierten die SBB dort durchschnittlich 13'860 internationale Fahrgäste pro Tag. Bis 2035 sehen sie ein Potenzial von 18'600 pro Tag. Dazu soll auch ein Angebotsausbau beitragen.

Bereits seit Ende 2025 verkehren auf dieser Achse erstmals ICE-Züge aus Deutschland via Bern bis nach Brig und umgekehrt. Per Ende 2027 soll laut Informationen von CH Media ein weiterer Ausbau erfolgen mit mehr ICE-Zügen nach Zürich und Chur. Diese fuhren teilweise bereits früher, pausieren derzeit aber wegen Baustellen in Deutschland. Geplant sind auf diesen Zeitpunkt auch neue Direktzüge von Mailand und Lugano via Luzern und Basel nach Deutschland und umgekehrt.

Nachfrage im internationalen Personenverkehr 2035
Bild: sbb/chmedia

Viel Verkehr herrscht auch in Richtung Italien. In den Fernverkehrszügen, welche die Grenze auf der Gotthard- und Simplon-Achse überqueren, sassen 2023 jeden Tag 7'000 Menschen. Diese Zahl könnte laut SBB auf 10'300 im Jahr 2035 steigen. Ein erster Ausbau folgt voraussichtlich ebenfalls im Dezember mit einem zweiten täglichen Eurocity von Zürich nach Venedig. Die SBB wollen diese Informationen nicht kommentieren und verweisen auf den 21. Mai. Dann stellen sie die Grundzüge des Fahrplans 2027 vor. Nach Abschluss von Bauarbeiten zwischen Domodossola und Iselle in Italien dürften auch mehr Züge auf der Achse Basel-Bern-Mailand fahren. Wann das genau der Fall ist, ist noch unklar.

Noch stärker wachsen könnte bis 2035 die Zahl der Reisenden nach Paris auf 10'500 täglich. Der Löwenanteil der Reisenden, nämlich 6'900 pro Tag, dürfte dann auf den Verbindungen zwischen Lausanne, Genf und Paris gezählt werden, weitere 3'700 täglich werden auf den Zügen zwischen Zürich, Basel und Paris erwartet.

Mit einem starken Wachstum rechnen die SBB aber auch in Richtung München (von 2'370 täglichen Passagieren im Jahr 2022 auf 3'200 im Jahr 2035), Österreich (von 2'860 auf 3'800 täglich) und vor allem nach London. Die britische Metropole ist derzeit ohne Umsteigen nicht mit dem Zug erreichbar. Im Jahr 2015 reisten deshalb nur gerade 130 Menschen pro Tag zwischen der Schweiz und London mit dem Zug.

Dank Direktzügen von Genf, Zürich und Basel in die britische Metropole könnte diese Zahl bis 2035 auf 6000 täglich steigen. Erst vor wenigen Tagen haben die SBB den Abschluss einer Kooperationsvereinbarung mit der französischen SNCF und Eurostar bekannt gegeben – also jener Firma, die die bereits heute verkehrenden Züge durch den Kanaltunnel zwischen Frankreich und England betreibt. Direktzüge aus der Schweiz könnten «frühestens im Lauf der 2030er-Jahre verkehren», teilten die SBB mit.

Passagier-Boom nach Südfrankreich

Viel Potenzial sehen die SBB auch in Richtung Spanien und Südfrankreich. Der Betreiber der TGV-Züge zwischen der Schweiz und Frankreich, TGV Lyria, fokussiert sich heute auf Züge nach Paris. Auf dieser Strecke sind die Nachfrage und die Gewinne am höchsten. An TGV Lyria halten die SBB nur eine Minderheitsbeteiligung, die französische Bahn SNCF dominiert die Firma. Trotzdem hofft die Schweizer Bahn auf mehr Züge, etwa in Richtung Provence und Côte d'Azur. Damit soll sich die Nachfrage bis 2035 in diese Richtung mehr als verzehnfachen auf 2'700 Reisende täglich.

Laut SBB-Sprecherin Fabienne Thommen stammen die Zahlen, die der interimistische Leiter des Personenverkehrs der SBB, Matthias Bütler, vor wenigen Tagen an einer Tagung präsentierte, aus einer Studie aus dem Jahr 2023. Aktuellere Zahlen stellt die Bahn für einzelne Linien nicht zur Verfügung. Was sie aber sagen könne: Im Jahr 2025 habe der internationale Personenverkehr ein Wachstum von 6,7 Prozent bei den Passagierzahlen verzeichnet. Insgesamt 12,4 Millionen Reisende sassen in einem grenzüberschreitenden Zug.

Welche neuen Destinationen die SBB angesichts dieser steilen Wachstumsraten im internationalen Verkehr aufnehmen will, verraten sie nicht. Man prüfe laufend Möglichkeiten, das Angebot weiterzuentwickeln, heisst es nur. Doch immer wieder sickern Pläne für Angebotserweiterungen durch. Im Raum stehen etwa neue Direktzüge aus der Schweiz nach Rom oder Bozen im Südtirol. (aargauerzeitung.ch)

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