Wirtschaft
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FILE - This June 29, 2006, file photo shows a sign at the Monsanto Co. headquarters in St. Louis. A San Francisco jury on Friday, Aug. 10, 2018, ordered agribusiness giant Monsanto to pay $289 million to a former school groundskeeper dying of cancer, saying the company's popular Roundup weed killer contributed to his disease. (AP Photo/James A. Finley, File)

Ein Firmenschild vor dem US-Hauptsitz von Monsanto in St. Louis. Bild: AP/AP

Diesem krebskranken Mann muss Monsanto 289 Millionen Dollar Zahlen – wegen Glyphosat



Im Prozess um glyphosathaltige Unkrautvernichtungsmittel hat ein Geschworenengericht in Kalifornien die Bayer-Tochter Monsanto dazu verurteilt, einem an Krebs erkrankten Mann Schadenersatz in Höhe von 289 Millionen Dollar zu zahlen.

Das Unternehmen habe es versäumt, den Mann und andere Verbraucher vor den Krebsrisiken seiner Unkrautvernichter zu warnen, entschied das Gericht am Freitag. Der als Schädlingsbekämpfer an Schulen tätige Dewayne Johnson hatte bis zu 30 Mal im Jahr Unkrautvernichter eingesetzt. Der 46-Jährige warf dem Unternehmen vor, durch die Mittel am Non-Hodgkin-Lymphom erkrankt zu sein.

Monsanto kündigte Berufung gegen das Urteil an. Die Produkte hätten «eine 40-jährige Geschichte der sichere Anwendung» und seien weiterhin ein «wichtiges, wirksames und sicheres Mittel» für die Nutzer, hiess es in einer Erklärung.

Monsanto-Vizepräsident Scott Partridge sagte ausserdem vor dem Gericht in San Francisco zu Journalisten: «Die Geschworenen haben eine falsche Entscheidung getroffen.» Das Urteil ändere «nicht die wissenschaftlichen Befunde», die Glyphosat als harmlos beurteilten.

Das Unternehmen bestreitet obendrein, dass Glyphosat Krebs verursacht. In der Stellungnahme heisst es zwar, Monsanto habe «Mitgefühl mit Herrn Johnson und seiner Familie».

Wissenschaft widerspricht

Der heutige Entscheid ändere jedoch nichts an der Tatsache, dass mehr als 800 wissenschaftliche Studien und Bewertungen - einschliesslich derjenigen der US-Umweltbehörde EPA, der Nationalen Gesundheitsinstitute und anderer Behörden weltweit - den Befund unterstützten, dass Glyphosat nicht krebserregend sei.

Obwohl es sich nur um einen Einzelfall und keine Sammelklage handelte, ist der Prozessausgang für Bayer und Monsanto brisant, da es die erste Gerichtsentscheidung überhaupt ist und sie wegweisend für die zahlreichen anderen Verfahren sein könnte. Der jetzige Fall war zuerst verhandelt worden, weil Kläger Johnson bereits im Sterben liegt und deshalb in Kalifornien Anrecht auf einen schnelleren Prozessbeginn hatte. Monsanto sieht sich mehr als 5000 ähnlicher Klagen in den USA gegenüber.

Tatsächlich ist die Frage, ob Monsantos Verkaufsschlager Roundup zu Krebs führen kann, hoch umstritten. Trotz der zahlreichen vom Unternehmen zitierten Studien, stufte die Internationale Krebsforschungsagentur der Weltgesundheitsorganisation (WHO) den Unkrautvernichter 2015 als «wahrscheinlich krebserregend» für Menschen ein. (sda/reu/dpa/afp)

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    Alle Leser-Kommentare
  • zeusli 13.08.2018 07:23
    Highlight Highlight Kaum ist Monsato von Bayer gekauft häufen sich die Klagen... Zufälle gibts... bezahlt jetzt Bayer für die Monsanto-Sünden... immerhin triffts kein unbeschriebenes Blatt 😬
  • marcog 12.08.2018 17:42
    Highlight Highlight Haha, ein Geschworenengericht. Das Urteil wird von der nächsthöheren Instanz garantiert gekippt.
  • rodolofo 12.08.2018 10:12
    Highlight Highlight Dieses Urteil geht als erstes Wunder nach denjenigen von Jesus in die Geschichte ein!
    Wenn ich bedenke, was für eine geballte Macht an gekauften Wissenschaftlern, Juristen und Politikern Monsanto bei diesem Prozessen in die Waagschale werfen kann, dann kämpft dieses krebskranke Opfer wie David gegen Goliath in der Bibelgeschichte!
    Monsanto hat auch bereits Berufung gegen das Urteil eingereicht...
    Der Überlebenswille der Menschheit wird aber weiter kämpfen, wie die mit Monsanto-Produkten gespritzten "Schädlinge" und "Unkräuter"!
    Wenn Ihr uns vergiften wollt, dann sterbt Ihr an Krebs!
  • Lukakus 11.08.2018 15:47
    Highlight Highlight Ich finde ja auch, dass man vorsichtiger mit diesen Mitteln umgehen muss und sehe Monsanto als schuldig. Aber 289 Millionen? Um himmels Willen, was will der denn mit all dem Geld?
    • winglet55 11.08.2018 17:55
      Highlight Highlight Wenn er das Ende der ganzen Prozesskette, die jetzt folgt überhaupt noch erlebt. Da verstreichen noch Jahre, bis die Gauner evtl. einen Bruchteil des ersten Urteils bezahlen müssen.🤬🤬
    • rodolofo 12.08.2018 10:16
      Highlight Highlight Vielleicht spenden, damit andere Opfer von Monsanto und der Agro-Industrie sich wehren können?
    • Paddiesli 12.08.2018 11:47
      Highlight Highlight Die Anwaltskanzlei wird von der Summe schon mal einen grossen Teil einkassieren. Das Opfer wird wohl kaum das Geld gehabt haben, um die Kosten zu decken.
      Ausserdem: soll Monsanto die Busse etwa aus dem Kafikässeli bezahlen können? Und wieviel ist ein Menschenleben wert, deiner Ansicht nach?
    Weitere Antworten anzeigen
  • Paddiesli 11.08.2018 12:30
    Highlight Highlight Neueste Studien belegen vermehrte Deformationen bei Neugeborenen. In Europa sterben Viehzüchtern Tiere zu Dutzenden und Hunderten in der Nähe von Glyphosateinsatz. Ferkel und Kälber werden mit denselben Deformationen geboren, wie Kinder in Südamerika. Keine Hinterläufe, entstellte Gesichter.
    Quelle: arte Reportage vor circa 2 Monaten
    • CaptainLonestarr 12.08.2018 07:40
      Highlight Highlight Es geht hier aber um Krebs bei einem erwachsenen Mann!
    • rodolofo 12.08.2018 10:15
      Highlight Highlight In der arte-Mediathek gibt es einen interessanten und aufschlussreichen Film dazu:
      https://www.arte.tv/de/videos/069081-000-A/roundup-der-prozess/
    • Pafeld 12.08.2018 20:22
      Highlight Highlight Arte hat auch die hochgradig tendenziösen Filme von Marie-Monique Robin im Sortiment, welche inhaltlich definitiv fragwürdig mit Fakten umgehen. Arte alleine als Quelle ist noch lange nicht glaubwürdig.
    Weitere Antworten anzeigen
  • Mova 11.08.2018 12:29
    Highlight Highlight Uff, habe auch mal Roundup aus dem Landi gekauft. Habe es aber über 1 Jahr nur dreimal verdünnt eingesetzt. Den Rest 95 Prozent habe ich wieder entsorgt.
  • *sharky* 11.08.2018 10:40
    Highlight Highlight "mehr als 800 wissenschaftliche Studien und Bewertungen - einschliesslich derjenigen der US-Umweltbehörde EPA - .... nicht krebserregend"
    DAS ist für mich eher der Beweis, dass es gerade umgekehrt ist. Come on.... bei der EPA sind ex-Monsanto Leute am Ruder und wenn man bedenkt wie bei Testreihen und Studien bei Pharma oder Agro-Chemie getrickst wird, resp. der negative Teil ausgeblendet und unter den Teppich gekehrt wird... Erinnert mich an das Extrablatt der SVP und die "geschönten" Statistiken dort. In jedem Monsanto/Bayer Produkt steckt ein Hauch Agent Orange... eine evil Company!
    • cgk 11.08.2018 11:51
      Highlight Highlight „Wahrscheinlich krebserregend“
      Ohne Glyphosat zu verharmlosen, Benzoldämpfe sind sogar erwiesenermassen krebserregend und wer steht deswegen nicht an einer Tankstelle? Diese Diskussion wird anscheinend nicht geführt, weil ja jeder mit seinem Karren rumfährt.
    • Mr. Malik 11.08.2018 14:21
      Highlight Highlight @sharky
      Bin auch ein wenig erschrocken, hab nachgeschaut.
      1. Sagen die Studien deutlich, dass bei Berufsmässigem, häufigem Kontakt "limited evidence of carcinogenicity in humans for non-Hodgkin lymphoma. The evidence in humans is from studies of exposures, mostly agricultural, in the USA, Canada, and Sweden published since 2001.", besteht.

      http://www.iarc.fr/en/media-centre/iarcnews/pdf/MonographVolume112.pdf

      Zum Thema Missbrauch von Wissenschaft durch Konzerne:

      Inventing Conflicts of Interest: A History of Tobacco Industry Tactics

      https://www.ncbi.nlm.nih.gov/pmc/articles/PMC3490543/


    • Victarion 11.08.2018 16:29
      Highlight Highlight Aha studien sind also nur ernst zu nehmen wenn sie ihnen gefallen. Wenn studien etwas anderes darlegen, sind sie gefälscht. Top
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