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Die grosse Schnäppchenjagd

Wie findige Internet-Händler den Black-Friday-Hype in der Schweiz ausnutzen wollen – und warum sie scheitern

In den USA ist er legendär: Der Black Friday, der landesweite Shopping-Event mit Monster-Rabatten. Während die US-Konsumenten den Supermärkten die Türen einrennen und sich um Billigst-Angebote prügeln, fristen hierzulande die Angebote für den Black Friday ein unscheinbares Dasein.



Der grosse Ansturm läuft: Der Black Friday, eine aus den USA importierte Rabattaktion, die am vierten November-Freitag regelmässig für Bilder von hysterisch-verzückten, die Läden stürmenden Käufermassen sorgt, ist angelaufen.

Auf den grossen Kaufrausch hofft man auch hierzulande. «Der Ausverkauf des Jahres ist zurück», heisst es etwa bei blackfridaysale.ch. Dort kann man seit gestern Abend 19 Uhr für 24 Stunden «hunderttausende Top-Produkte um bis zu 90 Prozent günstiger» einkaufen.

Der Aufruf zeigt: Geht es nach den grossen Online-Anbietern und einigen findigen Internetunternehmern, soll der Black Friday auch in unseren Breitengraden ein Festival des Kaufrauschs werden. Während in den USA die Konsumenten die Läden stürmen und die Internet-Shops plündern, findet der Black Friday hierzulande aber fast ausschliesslich im Internet statt.

Amazon und Apple machen's vor

So stehen grosse Anbieter wie Amazon und Apple ebenfalls in den Startlöchern für die vorweihnachtliche Rabattschlacht: Bereits vor Jahren haben sie sich den Cyber-Monday und somit die ganze Woche vor und nach Thanksgiving zu eigen gemacht. Amazon etwa wirbt damit, dass die «Cyber Monday Woche vom 24. November bis zum 1. Dezember 2014 die grösste Angebotsaktion des Jahres» sei. 

Konsumentenschützer warnen

Bei Angeboten wie den Black-Friday-Rabatten, die nur eine beschränkte Zeit lang laufen, sollten sich Käufer nicht vom Gefühl der Zeitnot überrumpeln lassen. «Greifen Sie schnell zu» oder «Angebote könnten blitzschnell vergriffen sein» können Konsumenten dazu verführen, Blitzkäufe zu tätigen, ohne darüber nachzudenken. 
In den USA warnt zudem die Bundespolizeibehörde FBI vor Internet-Betrügern, die zum Black Friday falsche Webshops eröffnen und dort extrem günstige Markenartikel anpreisen. Wer hier kauft, sieht sein Geld vermutlich nie wieder – und auch die gekaufte Ware nicht. (egg)

Auch bei conrad.ch gibt es eine «Black Week» mit sehr günstigen Preisen, und die Coop-Tochter microspot.ch führt am Freitag sogar einen Black-Friday-Sale durch, wie der Tages-Anzeiger schreibt. 

Auf den Zug aufgesprungen

«Ein paar Online-Händler sind hierzulande auf den Black-Friday-Trend aufgesprungen», bestätigt Patrick Kessler, Präsident des Verbands des Schweizerischen Versandhandels VSV. Dennoch könne man noch keineswegs davon sprechen, dass sie einen namhaften Umsatz mit den Feiertags-Rabatten machten.

Ein Blick in die Statistik der Google-Suchbegriffe am Tag vor dem Black Friday zeigt denn auch: Auf hundertmal «Zalando», wurde im November gerade zweimal der Begriff «Black Friday» gesucht. Der grosse Durchbruch im Black-Friday-Konsumwahn sieht anders aus.

Google-Suchbegriffe für «Black Friday»

Screenshot Google Trends Suchbegriffe «Black Friday» und «Zalando», 27. 11. 2014

Vergleich der Google-Suche nach «Black Friday» (blaue Kurve) und Zalando (rote Kurve) in der Schweiz. bild: screenshot google trends

Das zeigt auch die Liste der Online-Händler, die bei blackfridaysale.ch mitmachen. An Bord seien 250 Online-Shops, darunter «das Who is Who des Online-Handels», sagt Geschäftsführer Konrad Kreid gegenüber der deutschen Welt

Für das Schweizer Portal sind die grossen Namen allerdings rasch aufgezählt: Das Versteigerungsportal Ebay als Partner, der Computerhersteller HP, der Schweizer Kleiderhersteller Tally Weijl und die Parfumkette Douglas. Ansonsten sucht man auf der Seite vergeblich nach bekannten, grossen Online-Händlern.

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Menschenmassen stürmen einen Supermarkt am Black Friday 2010 in Buffalo, N.Y. quelle: Theflexeffect

Eingeschränktes Angebot wegen Lieferbedingungen

Konrad Kreid wiegelt ab: «Das eingeschränkte Angebot hängt mit den Lieferbedingungen für die Schweiz zusammen» erklärt er gegenüber watson. Wenn die Schweiz endlich der EU beitreten würde, könnten auch die Konsumenten in unserem Land von einem grösseren Angebot an Schnäppchen profitieren, moniert der Österreicher.

Kreid ist aber zuversichtlich, dass der Black Friday als Geschäftsmodell auch in unseren Breitengraden funktionieren wird: «Wir erwarten dieses Jahr 3 Millionen Besucher auf unserer Seite.» Letztes Jahr hätten die drei Seiten aus Deutschland, Österreich und der Schweiz am Black Friday insgesamt 1,2 Millionen Besucher angelockt. Über Umsätze will der Internet-Unternehmer nicht sprechen.

DeinDeal und Co. sind schon da

«Bei uns fehlt die Mentalität für die Konsumwut am Black Friday» glaubt hingegen Patrick Kessler. Nur schon die Tatsache, dass Thanksgiving bei uns kein Feiertag sei, an dem die Leute kollektiv in den Kaufrausch geraten, sei ausschlaggebend. «Zudem ist die Schweiz mit DeinDeal und ähnlichen Rabatt-Portalen bereits gut gesättigt», fügt Kessler an.

Auch in Deutschland gehen Experten davon aus, dass der Black Friday ein Strohfeuer bleiben wird. Solche periodischen Rabattaktionen sorgten erfahrungsgemäss dafür, dass Kunden ihre Käufe verschöben, schreibt die Welt

Das wiederum sieht für amerikanische Händler anders aus. Dank des Käuferansturms – so lautet eine Erklärung, dass der Freitag nach Thanksgiving als «schwarz» bezeichnet wird – dürften viele von ihnen erstmals im Jahr schwarze Zahlen schreiben.

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