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Kinderschänder Dutroux bekommt Fanpost von Teenies

Dutroux (r.) im März 2000. 
Dutroux (r.) im März 2000. Bild: AP
«Wenn Sie wollen, schicke ich Ihnen mein Foto»

Kinderschänder Dutroux bekommt Fanpost von Teenies

20.02.2014, 14:3620.02.2014, 14:36

Straftäter, die grauenhafte Verbrechen begangen haben, üben auf manche Menschen eine eigentümliche Faszination aus – gerade auch auf solche, die ihre Opfer sein könnten. 

Anders Breivik, der 2011 in Norwegen 77 Menschen umbrachte, erhält Heiratsanträge von älteren Frauen und Liebesbriefe von 16-jährigen Mädchen. Der amerikanische Massenmörder Charles Manson bekommt mehr Fanpost als alle anderen Gefängnisinsassen in den USA. Und auch der belgische Kinderschänder Marc Dutroux wird von Verehrerinnen angeschrieben, wie die flämische Zeitung «Het Laatste Nieuws» auf ihrer Website berichtet. 

«Sie faszinieren mich»

Dutroux, der in den Achtziger- und Neunzigerjahren mehrere Kinder und Jugendliche entführte, missbrauchte und einige von ihnen tötete, ist der Inbegriff des gefühlskalten, grausamen Schwerverbrechers. In einem Verlies im Keller seines Hauses verhungerten zwei achtjährige Mädchen.

Und doch bekommt dieser Mann Post von Mädchen im Teeniealter, die ihm Dinge schreiben wie: 

«Guten Tag, ich bin ein 15-jähriges Mädchen. Ich wohne in La Roche-en-Ardenne. Sie faszinieren mich. Wenn ich Ihre schönen Bilder sehe, kann ich nicht anders als glauben, dass Sie ehrlich sind. Möchten Sie mein Brieffreund sein? Wenn Sie wollen, schicke ich Ihnen mein Foto.» 

Was die Absenderinnen – ob es sich wirklich um pubertierende Mädchen handelt, ist natürlich nicht sicher – nicht wissen: Ihre Briefe werden Dutroux nicht ausgehändigt. Das Gefängnispersonal hält die Post zurück, wie «Het Laatste Nieuws» weiss. 

Das Blatt zitiert einen Psychiater, der sich zufrieden über diese Massnahme zeigt: «Diese jungen Mädchen begreifen nicht, welche Gefahr in der Korrespondenz mit einer solchen Person liegt.»

Porträts des Massenmörders Manson über die Jahre hinweg.
Porträts des Massenmörders Manson über die Jahre hinweg.Bild: AP

Das «Bonnie-und-Clyde-Syndrom»

Psychologen haben für das Phänomen, bei dem Verbrecher zum Objekt sexueller Begierde werden, einen eigenen Fachbegriff geprägt: «Hybristophilie» oder auch «Bonnie-und-Clyde-Syndrom», nach dem berühmten Gangsterduo Bonnie Parker und Clyde Barrow

Die amerikanische Journalistin Sheila Isenberg hat das seltsame Begehren in ihrem Buch «Women who love men who kill» analysiert. Sie kommt zum Schluss, dass diese Frauen oft eine schwierige Kindheit mit einem dominanten und gewalttätigen Vater hatten und später Beziehungen eingingen, in denen sie von häuslicher Gewalt betroffen waren. 

Für diesen Typus Frau sei die Beziehung zu einem unerreichbaren Mann hinter Gittern ideal. Er reproduziert zwar das Bild des gewalttätigen Vaters, ohne aber real Gewalt ausüben zu können. Zudem ist er immer da und hört immer zu.  

Übrigens leiden nicht nur Frauen am «Bonnie-und-Clyde-Syndrom»: Auch Männer können sich zu Verbrecherinnen hingezogen fühlen. Dass dies viel seltener vorkommt, liegt wohl nicht zuletzt daran, dass Frauen rund zehnmal weniger Straftaten als Männer begehen. (dhr)

Breivik vor Gericht.
Breivik vor Gericht.Bild: EPA
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