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epaselect epa04448425 Students wearing personal protective equipment participate in a Centers for Disease Control and Prevention (CDC) training session facility for healthcare workers treating Ebola virus victims in Anniston, Alabama, USA, 15 October 2014. The training session, at a Federal Emergency Management Agency site, comes as a second hospital worker contracted Ebola after treating a stricken patient at Texas Health Presbyterian Hospital in Dallas. The classes, meant for healthcare workers going to West Africa, may be expanded to include domestic workers, according to a CDC spokesman.  EPA/ERIK S. LESSER

Studenten in Alabama lernen den Umgang mit Ebola-Patienten. Bild: ERIK S. LESSER/EPA/KEYSTONE

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Wie gefährlich ist Ebola wirklich? Die wichtigsten Antworten zum Virus

Die Welt ist in Aufruhr. Das grassierende Ebola-Fieber steht unterdessen zuoberst auf der weltpolitischen Agenda. Befinden wir uns in ernsthafter Gefahr? Die wichtigsten Fragen und Antworten rund um Ebola.

Daniel Fuchs / Aargauer Zeitung



Ein Artikel der

In den USA hat sich eine zweite Krankenschwester mit dem tödlichen Ebola angesteckt. Die Nachricht ging um die Welt, nachdem ihr Landsmann Barack Obama die Welt dazu aufgerufen hatte, mehr gegen die Ausbreitung des tödlichen Virus zu tun. 

Spätestens seit der Ansteckung einer Krankenschwester in einem spanischen Spital ist auch Europa alarmiert. Sie soll sich in der Zwischenzeit auf dem Weg der Besserung befinden. Erst gestern starb in Leipzig ein aus Afrika nach Deutschland evakuierter UNO-Mitarbeiter an Ebola. 

Die Weltgesundheitsorganisation (WHO) warnte ihrerseits vor wöchentlich bis zu 10'000 neuen Ebola-Fällen in Westafrika. 

epa04448159 A Liberian Red Cross burial team gears up to collect a suspected Ebola victim in the impoverished area of West Point, Monrovia, Liberia, 15 October 2014. Latest statistics from the United Nations World Health Organization (WHO) place the death toll from the Ebola virus outbreak at 4,447 with most of those fatalities in West Africa.  EPA/AHMED JALLANZO

Rotkreuz-Mitarbeiter in Liberia. Bild: AHMED JALLANZO/EPA/KEYSTONE

Heute Donnerstag wollen die EU-Gesundheitsminister über schärfere Kontrollen an den EU-Grenzen beraten. Auf Europas grösstem Flughafen, London Heathrow, werden seit Wochenbeginn Reisende aus den betroffenen westafrikanischen Ländern auf ihre Gesundheit getestet. 

Bis Ende Woche sollen auch Passagiere auf dem Flughafen Gatwick und auf den Bahnhöfen für die Eurostar-Züge kontrolliert werden. Grossbritannien ist das einzige EU-Mitgliedsland, das derartige Kontrollen vornimmt. Frankreich will Reisende aus Guinea strenger überprüfen. 

Bloss keine Panik! 

Auch in der Schweiz ist man sensibilisiert und bereitet sich auf Ebola-Fälle vor: Im Basler Universitätsspital wurden der Öffentlichkeit gestern zwei Isolationszimmer präsentiert, in denen Ebola-Patienten behandelt werden können. 

Mit ihrem Gang an die Öffentlichkeit wollen die Ärzte vor allem eines tun: beruhigen. Das tun sie und die Gesundheitsbehörden des Landes auf allen Kanälen. 

Etwa mit dem Hinweis, dass Grippe oder Masern für die Bevölkerung eine grössere Gefahr darstellen als Ebola. Der Bundesrat überlegt sich seinerseits, einem Aufruf der UNO zu entsprechen und Schweizer Soldaten und Armeehelikopter nach Afrika zu schicken. 

Grippe oder Masern sind eine grössere Gefahr als Ebola.

Der WHO bereitet vor allem die weitere geografische Ausbreitung des Virus in Westafrika Sorgen. Die UNO-Organisation hofft, bis Dezember eine Trendumkehr bei den Neuansteckungen zu erreichen. 

Die Behörden wirken nervös, die Bilder aus Afrika und Schreckensnachrichten dazu rufen bei uns Bilder von Horrorszenarien aus Katastrophenfilmen hervor. 

Trotzdem kein Grund zur Panik, wie die nachfolgenden Antworten auf die drängenden Fragen zeigen: 

1. Gefährdet Ebola die Menschheit ernsthaft? 

Nein. Viren sind zwar hoch entwickelte Organismen, von welchen so manch einer die Menschheit überleben wird. Möglicherweise auch Ebola. Als Urträger wird eine Flughunde-Art vermutet. Andere Träger, wie etwa Affen, rafft das Virus wie den Menschen dahin. Je nach Virenstamm – fünf davon sind bekannt – besteht für Menschen eine Mortalität von bis zu 90 Prozent. Das Virus stirbt also mit seinem Wirt aus

2. Dann wäre es doch einfach, das Virus einzudämmen. Warum haben wir trotzdem Ebola-Tote in Europa? 

Bisher gibt es keine Toten zu beklagen, die sich in Europa angesteckt haben. Die bisherigen Ebola-Toten in Europa waren aus Afrika evakuierte Missionare und ein UNO-Mitarbeiter. Zu den Ansteckungen in den USA und in Spanien kam es aus mangelnder Vorsicht. Fehler sind schnell passiert und lassen sich kaum verhindern, wenn medizinisches Personal nicht die nötige Sorgfalt walten lässt. Denn das Virus ist hoch infektiös. Was den Behörden aber grössere Sorgen bereitet, ist die weitere Ausdehnung des Virus in Westafrika. Helfer hinken mit der Einrichtung fundamental wichtiger Isolierstationen dem Virus hinterher. 

3. Worin liegen die Gründe für die ungehemmte Ausbreitung in Afrika? 

Sie hat vor allem kulturelle Gründe, liegt aber auch an verbreitetem Misstrauen: Häufig infizieren sich Menschen bei Begräbnissen von verstorbenen Ebola-Patienten, weil es bei solchen nicht selten zu Körperkontakt zwischen den Trauernden und den hochansteckenden Toten kommt. In Westafrika war Ebola vor der jetzigen Epidemie kaum bekannt. Manche Menschen trauen den Ärzten nicht und melden Verdachtsfälle und Tote zu spät oder gar nicht. Kommt hinzu, dass es in den kriegszerrütteten Staaten Liberia und Sierra Leone sowie dem armen Guinea an nötiger Infrastruktur und Mitteln fehlt. Damit steigt letztlich die Gefahr, dass Reisende das Virus in weitere Länder oder auf andere Kontinente schleppen. Prognosen gehen davon aus, dass die derzeitige Epidemie noch Monate dauern wird. Ein Ebola-Ausbruch wird gemäss Ärzte ohne Grenzen erst für beendet erklärt, wenn 42 Tage lang kein neuer Fall registriert wird. 

4. Muss ich mich persönlich fürchten und schützen? 

Objektiv gesehen: nein. Was uns gehörigen Schrecken einjagt, ist der grausame Tod, der Ebola-Patienten ereilt. Doch auch die Vorstellung isoliert zu werden, im Wissen, kaum zu überleben, ist erschreckend. Die spanische Krankenschwester, die isoliert werden musste, erfuhr gemäss eigenen Angaben erst aus den Medien davon, dass sie an Ebola erkrankt war. Man stelle sich diesen Moment vor: Man ist allein und erfährt aus einem Fernsehbericht von seiner tödlichen Krankheit. Aus menschlicher Sicht verständlich deshalb, wenn sich manche an Ebola erkrankte Menschen in Afrika wehren, isoliert zu werden. Ausserhalb der betroffenen Gebiete müssen Privatpersonen keine besonderen Schutzmassnahmen treffen. 

5. Eine Ebola-Erkrankung beginnt grippe-ähnlich. Was soll ich tun, wenn ich Grippesymptome feststelle? 

Waren Sie drei Wochen vor Beginn der Symptome nicht in einem der westafrikanischen Länder, in welchen Ebola von Mensch zu Mensch übertragen wird, und hatten Sie keinen Kontakt zu einem an Ebola erkrankten Menschen, so verhalten Sie sich gleich, wie Sie es bei einer Grippe tun. Solange Sie keinen Verdacht hegen, dass Sie sich in einem der betroffenen Länder oder bei einem lebenden oder verstorbenen an Ebola erkrankten Menschen angesteckt haben könnten, ist ein Arztbesuch unnötig. Vermutet ein Arzt einen Ebola-Fall, dann weiss er, was zu tun ist. Das Virus kann etwa mittels Speichel- oder Bluttest nachgewiesen werden. 

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