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Afrika zerbricht schneller als gedacht: Es entstehen Ozean und Kontinent

Am Vulkan Suswa verläuft der Grosse Afrikanische Grabenbruch. An seinem Verlauf driften zwei Erdplatten auseinander.
Vorboten des grossen Abbruchs sind bereits sichtbar: beispielsweise hier beim Vulkan Suswa im Süden Kenias.Bild: Martin Mwaura/imago

Afrika zerbricht: Neuer Kontinent und Ozean entstehen deutlich schneller als gedacht

Afrika erlebt eine dramatische Transformation. Zwei Erdplatten driften auseinander. An der Bruchstelle entsteht ein neuer Ozean.
20.05.2026, 10:4020.05.2026, 12:53
Ellen Ivits / t-online
Ein Artikel von
t-online

15 Meter tief, 20 Meter breit und drei Kilometer lang: Im März 2018 zerriss in der Nähe des Vulkans Suswa plötzlich die Erde. Anwohner mussten ihre Häuser verlassen. Die viel befahrene Mai-Mahiu-Narok-Strasse wurde schwer beschädigt. Der Erdriss in Kenia ist aber nur einer von vielen, die sich in den vergangenen Jahren in ostafrikanischen Ländern aufgetan haben. In der äthiopischen Wüste erstreckt sich mittlerweile ein solcher Riss über 60 Kilometer. Bis zu zehn Meter tief gräbt er sich in den Wüstenboden.

Die Erdrisse sind die Vorboten einer dramatischen Transformation des afrikanischen Kontinents. Dort spaltet sich eine tektonische Platte von der Afrikanischen Platte ab. Der Grosse Afrikanische Grabenbruch steht im Zentrum dieser geologischen Entwicklung. Er erstreckt sich von Mosambik bis zum Roten Meer. Von seinem nördlichen bis zu seinem südlichen Ende misst der Graben, der auch als Great Rift Valley bekannt ist, rund 6000 Kilometer. Die Breite des Tals variiert zwischen 30 und 100 Kilometern. An manchen Stellen ist der Graben nur wenige Hundert Meter tief, an anderen sind es mehrere Kilometer.

Diese Bilder zeigen das Ausmass:

Video: watson

Am Verlauf dieses Grabens bricht der Kontinent Afrika auseinander: Die in Entstehung begriffene Somalische Platte, auch Somaliaplatte genannt, bewegt sich dabei nach Osten. Die Afrikanische Platte driftet unterdessen nach Westen. Sascha Staubach vom Dekanat des Fachbereichs Geowissenschaften und Geografie der Goethe-Universität in Frankfurt bringt es so auf den Punkt:

«Geologisch ist es so, dass man einen Kontinent hat, der zerbricht»

Und weiter: «Man kann sich das vorstellen, wie wenn man Knete auseinanderzieht. Im Fall des Kontinents geschieht die Dehnung allerdings nicht gleichmässig, weil es sich, im Gegensatz zu Knete, um festes, sprödes Gestein handelt.»

Afrika zerbricht schneller als gedacht: Diese Kräfte wirken auf den Kontinent.
Die Forscherinnen und Forscher arbeiten mit verschiedenen Modellen, um die Kräfte, die auf den afrikanischen Kontinent wirken, zu berechnen. Hier zu sehen: Mantelkräfte nach dem Grand-Modell (a), dem Slab-Modell (b) und dem S20RTS-Modell (c). Bild: geological society london

Dramatische Veränderungen in Afrikas Geografie

Doch welche Kräfte stecken hinter dem Prozess? In den tieferen Schichten des Erdmantels fliesst ein gigantischer Magmastrom, der sich unter dem Grossen Afrikanischen Grabenbruch von Südafrika zur Arabischen Halbinsel bewegt. Geologen gehen davon aus, dass sich daraus immer wieder Magma löst und nach oben zur Erdoberfläche drückt. Die Erdkruste wölbt sich infolgedessen nach oben und wird dünner. Schliesslich bricht sie, wie die Geologin Lucía Pérez Díaz von der Royal Holloway University of London in einem Beitrag erklärt.

Kommt es zum Bruch, wird Wasser die Bruchstellen füllen. Es würde ein neuer Ozean entstehen. Dies würde Afrikas Geografie dramatisch verändern. Binnenländer wie Sambia und Uganda könnten Küstenlinien gewinnen. Im Indischen Ozean würde eine grosse Insel entstehen, die aus Teilen des heutigen Äthiopiens und Somalias bestehen würde. Der Nil könnte seinen Lauf ändern. Ein neuer Arm an seinem Oberlauf würde sich dann in den Indischen Ozean statt ins Mittelmeer ergiessen.

500'000 bis 1'000'000 Jahre

Wissenschaftler gingen bislang davon aus, dass die Abspaltung der beiden Erdplatten 20 bis 60 Millionen Jahre andauern könnte. Doch nun gibt es neue Erkenntnisse. Cynthia Ebinger, Geowissenschaftlerin von der Tulane University, erklärt:

«Wir haben den Zeitrahmen auf etwa eine Million Jahre reduziert, möglicherweise sogar auf die Hälfte.»

Um etwa 0,8 Zentimeter pro Jahr driften die afrikanische und somalische Platte momentan auseinander. Grosse seismische Ereignisse wie Erdbeben könnten den Prozess weiter beschleunigen. Die genaue Vorhersage solcher Ereignisse bleibt aber weiterhin eine Herausforderung, betont Ebinger.

Rotes Meer ebenso durch Trennung zweier Erdplatten entstanden

Gemessen an einem menschlichen Leben erscheinen 500'000 oder eine Million Jahre unvorstellbar lang. Doch für geologische Prozesse ist es eine kurze Zeitspanne. Auf dieselbe Art und Weise entstand vor ungefähr 25 Millionen Jahren auch das Rote Meer. Aus erdgeschichtlicher Perspektive ist das Gewässer noch vergleichsweise jung. Es entstand durch die Trennung der afrikanischen und asiatischen Kontinentalplatte. Durch die Trennung entstand eine «Lücke», die sich mit Wasser füllte. Diese dehnt sich Jahr für Jahr weiter aus.

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Die beliebtesten Kommentare
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Prinz Ipiell
20.05.2026 11:26registriert April 2022
Huch, nach dem Titel dachte ich, dass wir für die nächste Olympiade behelfsmässig einen Ring mehr an das Logo heften müssen. Offenbar geht es aber noch 500'000 oder 1'000'000 Jahre. So haben wir noch Zeit einen Designer zu beauftragen, der das schön macht.

Puh. Nochmal Glück gehabt!
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