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Jean-Léon Gérômes «Sklavenmarkt», ca. 1866.  bild: wikimedia

Als muslimische Piraten Europäer zu Sklaven machten 

Dass Europäer rund 12 Millionen Bewohner Afrikas versklavten und über den Atlantik nach Amerika verschifften, weiss man. Eher unbekannt ist die Geschichte der Korsaren, die drei Jahrhunderte lang europäische Handelsschiffe kaperten und zehntausende Menschen nach Nordafrika verschleppten.



Als Isabella I. von Kastilien und Ferdinand II. von Aragón mit ihrer Heirat auch ihre Königreiche vereinen, leisten sie den heiligen Schwur, ganz Spanien von den «Moros» (Mauren) zu befreien. Seit dem Jahr 711 besetzen diese die Iberische Halbinsel. Córdoba und Sevilla sind bereits wieder in spanischer Hand – und 1492, sieben Monate bevor Christoph Kolumbus Amerika entdeckt, fällt auch die letzte muslimische Bastion Granada an die Katholischen Könige. 

Die Reconquista ist vollendet – und die Iberische Halbinsel wird nach fast 800 Jahren von allen unchristlichen Einflüssen gesäubert. In der Alhambra sitzend, auf dessen Turm nun nicht mehr der Halbmond, sondern das Kreuz prangt, erlassen Isabella und Ferdinand ein Verdikt, dass erstmal die ansässigen Juden aus ihrer Heimat vertreibt. Die Verbliebenen werden zwangskonvertiert – oder Opfer des fanatischen Grossinquisitors Tomás de Torquemada.

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Der Emir von Granada, Muhammad XII (genannt Boabdil), kapituliert vor Ferdinand und Isabella, 1492. Das ist das Ende von al-Andalus. Hier lebten Muslime, Christen und Juden über manche Strecken friedlich zusammen, doch auch Zwangskonversionen, Verfolgungswellen und Judenpogrome (Massaker von Granada) erschütterten diese Koexistenz. Christen und Juden lebten als Schutzbefohlene unter muslimischer Herrschaft, sie mussten eine Steuer entrichten und galten als Bürger zweiter Klasse. Die Gleichberechtigung Andersgläubiger war im islamischen Recht nicht vorgesehen, doch erging es Juden und Mitgliedern christlicher Sekten generell besser als in manch christlichem Reich Europas. bild: wikimedia

Die Muslime dürfen ihre Religion noch eine Weile behalten. Doch schon bald werden auch sie Ziel eines fanatischen Christen: Francisco Jiminez de Cisneros. Im Auftrag des Königpaars zwingt er Muslime mittels Nahrungsentzug zur Taufe. 4000 wertvolle arabische Handschriften landen im Feuer des Inquisitors – nur an den medizinischen wagt selbst er sich nicht zu vergreifen.

Die höchst unfreiwillig zum Christentum bekehrten Mauren werden spöttisch Morisken genannt, man setzt alles daran, ihre maurische Identität zu zerstören. Und als 1526 die Katholischen Könige bereits unter der Erde liegen, und nur noch ihr marmorner Grabstein von ihren Heldentaten als «Vernichter der mohammedanischen Sekte und Auslöscher der ketzerischen Falschheit» kündet, gibt es in den spanischen Landen offiziell keine Muslime mehr. 

Philipp III. führt zu Ende, was seine Vorfahren begonnen haben: 1609 verkündet der blasse König mit seiner Habsburger Unterlippe die Vertreibung aller Morisken aus seinem Reich. Unter Androhung des Todes müssen sie Spanien innerhalb von drei Tagen verlassen. Mit nicht viel mehr als ihrem nackten Leben besteigen sie die Schiffe, die sie nach Nordafrika bringen. 

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Vicent Mestres «Landung der Morisken im Hafen von Oran», heutiges Algerien, 1613. bild: wikimedia

Nicht überall werden die Morsiken mit offenen Armen empfangen. Im Norden Tunesiens aber bauen sie auf den Ruinen einer römischen Siedlung die Stadt Testour – gemeinsam mit vertriebenen Juden. Das Minarett der Grossen Moschee gibt ihnen mit seiner Glocke und seinen zwei Davidsternen wenigstens ein kleines Stück al-andalusische Heimat zurück.

Drei nordafrikanische Schurkenstaaten leben von der Piraterie

Viele von ihnen siedelten sich in Algier, Tripolis und Tunis an und führten von dort aus ihre blutigen Kleinkriege gegen christliche Handelsschiffe. Die sogenannten Barbaresken-Korsaren wurden zum Schrecken der Meere; unerbittliche Piraten, die ihre Opfer entweder töteten oder zu Sklaven machten. 

https://en.wikipedia.org/wiki/Barbary_pirates#/media/File:Mola_Pirata.jpg

Die Barbaresken-Korsaren (von Berber und Barbar) waren muslimische Freibeuter, die sich aus Arabern, Mauren und Morisken zusammensetzten. Das Bild stammt von Pier Francesco Mola, 1650. bild: wikimedia

Man erzählt sich, dass sie nicht nur die Küste Cornwalls unsicher machten, sondern sogar bis nach Island vorstiessen und einige Insulaner nach Nordafrika verschleppten. Auch der Mann, der später die berühmte Geschichte des Möchtegern-Ritters Don Quijote schreiben wird, erleidet dieses Schicksal: Er überlebte die verlustreiche Seechlacht von Lepanto, die den Mythos der Unbesiegbarkeit der Osmanen zur See entzauberte. Die Heilige Liga tötete 30'000 Türken, versenkte über 60 ihrer Schiffe und befreite 12'000 christliche Rudersklaven aus den eroberten Galeeren. 

Am 7. Oktober 1571 wird die Schlacht von Lepanto ausgefochten. Der Grosswesir Sokollu Mehmed Pascha zeigte sich von der Niederlage unbeeindruckt, dem venezianischen Botschafter in Konstantinopel diktierte er: «Indem wir Euch das Königreich Zypern entrissen haben, haben wir Euch einen Arm abgetrennt. Indem Ihr unsere Flotte besiegt habt, habt Ihr uns nur den Bart abrasiert. Der Arm wächst nicht wieder nach, aber der Bart wächst nun umso dichter.» bild: wikimedia

Auf dem Heimweg aber gerät Cervantes in die Hände von Korsaren und landet auf dem Sklavenmarkt von Algier. Fünf Jahre verbringt er in Gefangenschaft – seine Familie kann das hohe Lösegeld nicht bezahlen. Vier Mal versucht er zu fliehen, vergeblich.

Und als er schon an die Ruderbank einer Galeere geschmiedet ist, trifft endlich das Geld ein. Das allerdings für den Freikauf eines anderen Adligen gedacht ist. Doch die Summe reicht für diesen nicht und so nimmt der Unterhändler eben Cervantes mit. 

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Die katholische Kirche fürchtete um das Seelenheil der Sklaven, weshalb Brüder des Mercedarier-Ordens regelmässig christliche Sklaven freikauften. Mit der Zeit entstand ein System mit festen Regeln und Preisen, in dem europäische Kaufleute als Zwischenhändler und Agenten fungierten. bild: wikimedia 

Algier, Tripolis und Tunis waren Stadtstaaten und gehörten nominell zum Osmanischen Reich, faktisch aber waren sie unabhängig. Bis ins 19. Jahrhundert lebten sie von der Freibeuterei – ihrer einträglichsten Einnahmequelle.

Denn die christlichen Mächte belegten die Exporte der Mauren mit Sanktionen und hohen Zöllen. Da ihnen der friedliche Handel auf diese Art unmöglich gemacht wurde, verlegten sie sich auf den Krieg. In diesem war die Kaperei völkerrechtlich legitim. Die Korsaren begründeten ihn die ganze Zeit über religiös als Dschihad.

Wer von den Freibeutern verschont werden wollte, musste Schutzgeld zahlen. Diese schamlosen Tribute, der ständige Friedensbruch und die Verschleppung tausender Menschen nach Nordafrika führten immer wieder dazu, dass die Europäer Strafexpeditionen ins Mittelmeer entsandten. Englische, französische, spanische, venezianische, niederländische und dänische Kriegsschiffe bombardierten Tripolis, Algier und Tunis unzählige Male – doch die Korsaren waren nicht zu stoppen.

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Die «Barbarenküste» mit den wichtigsten Barbareskenstaaten Algier, Tunis und Tripolis. Die Karte ist vom dänischen Kartographen Jan Janssonius, 17. Jahrhundert. bild: wikimedia, bearbeitung watson

Hinzu kam, dass die europäischen Mächte alles andere als friedlich vereint gegen die muslimischen Piraten antraten, sondern sich zuweilen lieber mit ihnen verbündeten, um ihren Konkurrenten zu schaden. Diese ganzen Gefechte und Kleinkriege waren mehr von politischen Intrigen, von Schmuggel, Korruption und Profitgier bestimmt als vom Kanonendonner.

Ohne die Lieferung von Holz, Segel und Geschützen aus Westeuropa hätten die nordafrikanischen Schurkenstaaten wohl kaum so viele Schiffe bauen und ausrüsten können.

An English Ship in Action with Barbary Vessels. BHC0893.

Ein englisches Schiff im Kampf gegen die Korsaren. Wenn die Eisenkugeln die Schiffswände durchschlugen, flogen Holz- und Metallteile durch die Luft, die die Haut der Männer zerfetzten und entsetzliche Verletzungen verursachten. bild: collections

Ein Seemann, der Zeuge einer Seeschlacht in der Ägäis wurde, berichtet, er habe 40 holländische, englische und französische Schiffe in der türkischen Flotte erspäht, «die um eine grosse Summa Geldes dienten».

Ein aussergewöhnliches Sklaven-Schicksal

Die Mehrheit der europäischen Seefahrer befand sich jedoch alles andere als freiwillig auf den Schiffen der Korsaren: Sie wurden nach ihrer Gefangennahme zum Dienst gezwungen. Steuermänner, Schiffszimmerer, Kanoniere, sie alle waren sehr begehrt. 

«Dieß ist noch zu melden, daß Türcken ihre Seerauberey nicht treiben könten, wenn sie nicht die Christensklaven hätten, welche ihre Schiffe bauen und dirigieren.»

Christian Gottlieb Ludwig, Sachse auf Afrika-Expedition, 1732

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Europäische Sklaven in Algier, 1815. Sie galten als «weisses Gold» und gehörten bis ins 19. Jahrhundert zum Strassenbild Algiers, Tripolis und Tunis. bild: wikimedia

1724 wird auch der 16-jährige Amrumer Schiffsjunge Hark Olufs auf dem Weg von Nantes nach Hamburg gefangen genommen. «Ergebt euch, ihr Hunde!», schreien die Korsaren, als sie das Feuer auf das Schiff eröffnen. Der Kampf gegen sie ist aussichtslos, bald müssen Hark und seine Kameraden die Segel streichen.

Er landet auf dem Sklavenmarkt in Algier. Um ihn freizukaufen, verlangen die Händler 800 Mark Lösegeld von seiner Familie – das entsprach in etwa dem Wert von 20 Pferden. Zu viel für den Vater von Hark. Er kann die Summe nicht aufbringen und so wird sein Sohn an den Bey von Constantine verkauft. 

«Sklaven gab es in der Stadt genug. Sie zu zählen war mir gar nicht möglich. Wohl 10'000 an der Zahl. Darunter auch Frauen und junge Mädchen.»

Hark Olufs in seiner Autobiographie

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Der Sklavenmarkt in Algier. In dieser 100'000-Einwohner-Stadt sollen Mitte des 17. Jahrhunderts zwischen 8000 und 40'000 weisse Sklaven gelebt haben. bild: mediterraneannetworks.weebly

Hark entkommt dem Schicksal eines Arbeitssklaven, das für die meisten den Tod bereithält – im Steinbruch oder als Ruderer auf einem Korsarenschiff. Stattdessen darf er den Palast des Beys sauberhalten. Doch sein Besitzer merkt schnell, dass der Junge mehr kann. Hark lernt Arabisch und Türkisch und bekommt Koranunterricht. Nach drei Jahren Lehrzeit tritt er zum Islam über. Die Konversion war die einzige Aufstiegsmöglichkeit für einen weissen Sklaven.

Hark wird Schatzmeister des Beys, mit 24 bekommt er den Chefposten in dessen Leibgarde, am Ende befehligt er sogar die ganzen Streitkräfte. 1735 erobert er mit seinen Männern Tunis und wird zum Dank freigelassen. Nach elf Jahren im Dienst des Beys segelt Hark mit «Kleidern aus reinster Seide» und «reichlich barem Gold» nach Hause.

Die Geburtsstunde der US Navy – und der Kanonenbootpolitik

Thomas Jeffersons junge Nation besteht 1783 gerade mal aus 13 Staaten und hat sich eben erst ihre Unabhängigkeit von Grossbritannien in einem blutigen Krieg erkämpft. Und nun, da die USA eigenständig Handel treiben wollen und nicht mehr unter dem Schutz der britischen Royal Navy stehen, werden ihre Schiffe von Korsaren gekapert. Der Präsident sieht sich bald gezwungen, Schutzgeld an den Pascha von Tripolis zu zahlen. Die Summe war so horrend, dass sie einen Fünftel der Staatseinkünfte ausmachte.

28. Juni 1776: Das «Committee of Five» (v.l.n.r. John Adams, Roger Sherman, Robert Livingston, Thomas Jefferson, Benjamin Franklin) präsentiert dem Kongress den Entwurf der Unabhängigkeitserklärung. bild: wikimedia

Verhandeln liess es sich mit den Korsaren nicht. Der Gesandte aus Tripolis erklärt Jefferson, warum sie auch Völker angreifen, die ihnen vorher keinerlei Leid zugefügt haben:

«Im Koran steht geschrieben, dass alle Nationen, die unsere Autorität nicht anerkennen, Sünder sind. Es ist unser Recht und unsere Pflicht, Krieg gegen sie zu führen und alle zu Sklaven zu machen, die wir gefangen nehmen können. Jedem Moslem, der in diesem Kampf fällt, ist ein Platz im Paradies sicher.»

1801 stellt Jefferson die Zahlungen an Tripolis ein, woraufhin ihm der Pascha den Krieg erklärt. Nun waren die USA aber keine europäischen Kreuzzügler, noch waren sie als Nation auf christlicher Basis gegründet. Für sie war dieser Krieg kein heiliger, er war nicht religiös, sondern rein wirtschaftlich motiviert.

Um ihre Handelsinteressen durchzusetzen, müssen sie eine eigene, schlagkräftige Flotte auf Kiel legen – die US Navy. Ihre ersten Fregatten werden aus der Virginia-Eiche gebaut, deren Holz so dicht ist, dass sogar Kanonenkugeln daran abprallen. 

Das Flaggschiff des Mittelmeergeschwaders, das nun gegen die Korsaren segelt, ist die USS Constitution. Sie gilt als unzerstörbar.

USS Constitution

Das älteste noch seetüchtige Kriegsschiff der Welt: die USS Constitution. Sie wurde 1804 zum Flaggschiff des Mittelmeergeschwaders, das gegen die Barbareskenstaaten kämpfte. Sie tat nicht nur ihren Dienst gegen die Korsaren, sondern auch gegen die britische Flotte im Krieg von 1812. Ihr Spitzname Old Ironsides rührt daher, dass Geschosse an den starken Bordwänden der Constitution abprallten. bild: wikimedia

Es gelingt den Amerikanern, den Hafen von Tripolis zu blockieren, doch dann läuft eine Fregatte plötzlich auf Grund. Es ist die Philadelphia, die nun mitsamt ihrer 300 Mann starken Besatzung in den feindlichen Hafen eingebracht wird. 

Nun gilt es, den Einsatz des verlorenen Schiffes gegen die eigenen Männer zu verhindern. Nur einer ist dieser tollkühnen Aktion auch gewachsen: der junge Leutnant Stephen Decatur. In der Nacht des 16. Februars 1804 segelt er mit einem gekaperten Korsarenboot klammheimlich in den Hafen von Tripolis. Unbemerkt entert er mit seinen 65 Männern die Philadelphia. Ihre Lanzen und Schwerter bohren sich in die Körper der Korsaren – und diejenigen, die in dieser Nacht nicht den Tod finden, werden gezwungen, von Bord zu springen.

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Stephen Decatur kapert mit seinen Männern die im Hafen von Tripolis liegende Philadelphia. Seine Männer töten mindestens 20 Koraren, der Rest springt von Bord, bevor das Schiff in Flammen aufgeht. bild: wikimedia

Decatur verlässt die Fregatte erst, als sie schon in Flammen steht. Als die feurigen Zungen die geladenen Kanonen erhitzen, speien diese ihre schweren Eisenkugeln auf die Barbareskenstadt. Müde geworden von diesem letzten Kraftakt treibt die brennende Philadelphia auf die Küste zu, wo ihr klappriges Gerippe an den Klippen zerschellt. 

Stephen Decatur hat keinen einzigen seiner Männer verloren. Für seinen waghalsigen Einsatz wird er zum seinerzeit jüngsten Kapitän der amerikanischen Seestreitkräfte ernannt. Als solcher segelt er 1815 noch einmal gegen die Korsaren – nun soll es auch Algier an den Kragen gehen. Das Flaggschiff des Deys kapituliert bereits nach kurzem Kampf.

Um seinen Friedensbedingungen Nachdruck zu verleihen, lässt Decatur sein Geschwader vor dem Hafen Algiers auffahren. Sollte der Dey nicht auf seine Forderungen eingehen, würde die Stadt bombardiert. Die Drohkulisse wirkt. Und die USA haben eine neue Methode, mit der sie fortan ihre Handelsinteressen durchzusetzen wissen: die Kanonenbootpolitik.

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Der Mann, der als Eroberer der Barbareskenstaaten in die Geschichte einging: Stephen Decatur (1779–1820). bild: wikimedia

Algier und letztlich auch Tripolis und Tunis unterschreiben den Vertrag, der sie dazu verpflichtet, amerikanische Handelsschiffe in Zukunft unbehelligt zu lassen.

Das Ende der Korsarenstaaten

Auch in Europa ist es wieder friedlicher geworden. Napoleon wurde in der Schlacht von Waterloo besiegt und der Kontinent in der Folge neu geordnet. 

Nun konnte man sich endlich der Bekämpfung der Piraterie widmen. Denn die Barbareskenstaaten hatten damit nicht einfach aufgehört – die Freibeuterei war ihr einziges Geschäftsmodell. Aber nicht mehr lange. Das nach Erfolgen für das Königtum lechzende Frankreich erobert 1830 Algier, dann ganz Algerien.

 Horace Vernet eroberung algeriens

Horace Vernets Eroberung von Algerien. Der reaktionäre französische König Karl X. kündigte am 10. März 1830 die Invasion Algiers an, wovon er sich einen Erfolg der Monarchisten versprach – doch stattdessen kam die Julirevolution und er musste abdanken. Die Zeit der Bourbonen war vorbei. bild: pinterest

1848 wird das Land zum französischen Territorium erklärt. 1881 wird auch Tunesien zur französischen Kolonie, während Tripolis wieder unter die Kontrolle des Osmanischen Reiches fällt – bis es 1911 an Italien geht. 

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Bubble Weil wir die Kommentar-Debatten weiterhin persönlich moderieren möchten, sehen wir uns gezwungen, die Kommentarfunktion 48 Stunden nach Publikation einer Story zu schliessen. Vielen Dank für dein Verständnis!
36Alle Kommentare anzeigen
    Alle Leser-Kommentare
  • Spooky 05.06.2018 21:33
    Highlight Highlight Und wo, bitte, ist der Unteschied zwischen europäischen und afrikanischen Sklavenhändlern?
  • Kapitän Haddock 04.06.2018 17:06
    Highlight Highlight Das ist eigentlich historisch meine Lieblingsepoche.

    Die Entstehunh der U.S. Navy war eine wirtschaftliche, jedoch war die Kiellegung der Constitution dem Umstand geschuldet, dass englische (und franzsösische) Fregatten standarmässig 36 Kanonen hatten, während die Constitution und ihre Schwesterschiffe deren 44 hatten und viel massiver gebaut waren.
    England war danach viele Jahre nicht mehr im Stande die Amerikaner auf See zu besiegen, was die Engländer stark demoralsierte.
    Das änderte sich erst wieder, als 1813 die hms shannon die uss chesapeake besiegte (belagerung der gleichnamigen bucht)
  • geronimo4ever 04.06.2018 15:30
    Highlight Highlight ... und noch im Lied des USMC verewigt...
    Benutzer Bild
  • Snowy 04.06.2018 10:17
    Highlight Highlight Sehr interessant. Wusste nicht, dass deswegen die US Navy entstand.

    Zwischen 1804 und heute hat sich wenig verändert.
    (Aussen)politik wird auf dieselbe Art und Weise wie seit jeher betrieben: Mit Gewalt.

    Ein Unterschied zu damals: Heutzutage glaubt fälschlicherweise ein signifikanter Teil der Menschen, dass Grossmächte Krieg wegen/für Menschenrechten führen (Irak Krieg, Libyen, islamischer Frühling).
  • vaste 04.06.2018 08:57
    Highlight Highlight Eine Art des Staatsterrorismus. Staaten, die den Terrorismus unterstützen, nennt man auch Schurkenstaaten.
  • 19th Hole 04.06.2018 08:17
    Highlight Highlight Sehr interessanter Artikel. Eine Frage bleibt: Wo kann ich als Weisser mich jetzt für ein Affirmative Action-Programm anmelden? Steht mir alles zu, weil meine Urahnen vor 200 Jahren mal versklavt wurden! (bitte mit Humor nehmen 😉)
    • Saraina 04.06.2018 10:30
      Highlight Highlight Du hast es verpasst! Das hat im letzten und vorletzten Jahrhundert in Nord– und Südafrika, Teilen von Asien, und natürlich in Amerika und Australien stattgefunden. Aber natürlich stehen dir in den USA und Europa immer noch Klubs zur Verfügung, wo Weisssein immer noch sehr affirmativ gefeiert wird.
    • 19th Hole 04.06.2018 11:33
      Highlight Highlight @Saraina: Es ging mir in diesem Kommentar nicht mal darum, sondern nur um eine Persiflage der Forderung nach "Reparationszahlungen", wie sie z.B. in den USA von Demokraten für Afroamerikaner gefordert wird. Butthurt liberal spotted
  • Gawayn 04.06.2018 07:16
    Highlight Highlight Es war der BEY nicht der DEY von Tunis.
    Oder irre ich?
  • Wilhelm Dingo 04.06.2018 05:52
    Highlight Highlight Warum ist das so unbekannt? Warum und von wem wird die eigene Geschichte nicht kritisch aufgearbeitet?
    • Rabbi Jussuf 04.06.2018 10:41
      Highlight Highlight Die nicht-kritische "Aufarbeitung" dieser Phase ist allgegenwärtig. Erst in der letzten Zeit wird genauer geforscht und publiziert.
      Die Glorifizierung von Al-Andaluz ist doch immer noch allgegenwärtig. Das überstrahlt all die widerwärtigen und nicht so passenden Details.
    • Rabbi Jussuf 04.06.2018 14:25
      Highlight Highlight Vor ein paar Jahren noch war im deutschen Internet so gut wie nichts über die spanischen Westgoten zu finden und selbst die Geschichte von Al-Andaluz konnte man sich nur bruchstückhaft zusammenpuzzeln.
  • Demo78 04.06.2018 02:25
    Highlight Highlight Ein kleiner Zusatz zu meinem letzten Kommentar; Frau Rothenfluh ist mindestens ebebürtig mit Huber, high five 👍👍
  • Tom Frogman 04.06.2018 00:49
    Highlight Highlight Super Artikel. Er zergeht wie Butter in meinem Hirn. Danke. 🌹
  • me myself 03.06.2018 22:47
    Highlight Highlight Dieser Beitrag wurde gelöscht. Bitte beachte die Kommentarregeln.
  • Luca Brasi 03.06.2018 22:35
    Highlight Highlight USA! USA! 🇺🇸
    You're welcome, Europe.

    😉
  • Rabbi Jussuf 03.06.2018 22:24
    Highlight Highlight Anna
    Danke für diesen gelungenen Artikel!

    Eine kleine Anmerkung noch zur Ausgewogenheit: Im Königreich Valencia lebten sehr viele Moslems, die Mudéjares, über Jahrhunderte relativ gut unter christlicher Herrschaft.

    Wie du richtig schreibst, ging es einigen chr. Sekten als Dhimmis relativ gut, nicht so den Katholiken, denn diese glaubten an die Trinität. Aus Sicht der Muslime waren das daher Polytheisten und wurden verfolgt. Nicht umsonst wurde praktisch jede etwas zentral gelegene Kirche zerstört oder umfunktioniert (wie Córdoba).
    • Ökonometriker 04.06.2018 02:54
      Highlight Highlight Lag es am Glauben an die Dreifaltigkeit - oder an der Macht der katholischen Kirche, deren Einflussbereich man einschränken wollte?
    • Maracuja 04.06.2018 06:25
      Highlight Highlight Welche christlichen, nicht trinitarischen Sekten gab es denn zu dieser Zeit in Spanien?
    • Rabbi Jussuf 04.06.2018 10:23
      Highlight Highlight Maracuja
      Nichts genaues weiss man nicht.
      Vermutlich gab es in Spanien noch Arianer, da sich die Westgoten erst sehr spät zum "Katholizismus" bekannten.

      Ökonometriker
      Die Macht der röm. Kirche war zu jener Zeit nicht sehr gross und wenn, dann auf das nicänische Ostrom beschränkt. Zudem war das den muslimischen Eroberern ziemlich egal. Hauptsache keine Polytheisten.
    Weitere Antworten anzeigen
  • cal1ban 03.06.2018 20:45
    Highlight Highlight Das Leben von diesem Hark Olufs würde schon genügend Stoff für einen Film bieten.
  • Maracuja 03.06.2018 20:01
    Highlight Highlight <. Eher unbekannt ist die Geschichte der Korsaren, die drei Jahrhunderte lang europäische Handelsschiffe kaperten und zehntausende Menschen nach Nordafrika verschleppten>

    Das trifft für Mitteleuropäer zu, aber sprechen Sie mal mit Süditalienern, dort ist die Erinnerung an den Schrecken, den diese Menschräuber verbreiteten, immer noch wach.
    Abgesehen davon, einmal mehr ein exzellenter Artikel, der Wissen auf spannende Art und ohne zu beschönigen vermittelt.
  • Pidemitspinat 03.06.2018 20:01
    Highlight Highlight Hammer Story, Danke! Aber den Unterschied zwischen Piraten und Korsaren hätte man zwingend berücksichtigen müssen. Denn Korsaren sind eigentlich wohlhabende Unternehmer und segeln mit dem Segen ihrer Könige, die sich eine eigentliche Flotte zunächst nicht leisten konnten oder wollten oder die Korsaren in Kriegszeiten zusätzlich anheuerten. Piraten dagegen sind zu Anfang arme multiethnische Schlucker, oft Meuterer, die alle Schiffe kapern. Zudem haben beide Worte interessante und nicht restlos geklärte etymologische Herkünfte.

    Buchtipp zur Piraterie: Markus Rediker, villains of all nations
    • dr. flöckli 03.06.2018 20:58
      Highlight Highlight Aus Versehen geblitz, sorry
  • Jan. 03.06.2018 19:49
    Highlight Highlight danke, sehr interessant
  • Wenn Åre = Are dann Zürich = Zorich 03.06.2018 19:34
    Highlight Highlight Ein interessanter und eher Unbekannter Zeitabschnitt 🙂
    Danke 🙂🤗
  • Raudrhar 03.06.2018 19:28
    Highlight Highlight Guter, sehr informativer Artikel :)


    Aber wo wir grade dabei sind: Wir warten hier sehnlichst auf den nächsten Anekdoteles! Ist der auf dem Weg, oder wurde die Reihe zum Sterben nach Euboia geschickt? :/
    • Anna Rothenfluh 04.06.2018 09:14
      Highlight Highlight Benji Spike Bodmer, tut mir leid, ich war in den Ferien und dann musste ich anderes Zeugs erledigen, aber bald werd ich wieder einen Anekdoteles raushauen! Niemals wird die Reihe sterben, schon gar nicht in Euboia! :-)

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