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Hundebesitzer erkennen Schmerzen bei ihren Hunden oft nicht

Neue Studie: Hundebesitzer erkennen Schmerzen bei ihren Tieren oft nicht

Die Bindung zwischen Mensch und Hund ist oft eng. Doch beim Erkennen von Schmerzen ihrer Tiere stossen viele Halter an Grenzen.
03.04.2026, 08:1403.04.2026, 08:14

Insbesondere subtile Verhaltensänderungen würden häufig falsch interpretiert, schreiben drei Forscherinnen der Universität Utrecht im Fachjournal «PLOS One». Entscheidend für eine bessere Einschätzung scheint demnach persönliche Erfahrung zu sein.

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Symbolbild: Die Forscherinnen vermuten, dass Halter bestimmte Reaktionen wie etwa das Wegdrehen des Kopfes eher als Zeichen von Stress oder Angst interpretieren statt als Hinweis auf körperliches Leid.Bild: keystone

Das Team um Ineke van Herwijnen untersuchte die Fähigkeit von 530 Hundebesitzern und 117 Menschen ohne Hund, Anzeichen für Schmerzen bei Hunden zu identifizieren. Die Ergebnisse verdeutlichen eine Wissenslücke: Während offensichtliche Symptome, die die Bewegungsfähigkeit beeinträchtigen, von fast allen Teilnehmern korrekt als Schmerz gedeutet wurden, fiel die Bewertung bei subtileren Anzeichen deutlich schwerer.

Zu diesen schwer erkennbaren Signalen gehören laut der Studie etwa ein verändertes Verhalten, nächtliche Unruhe und das ständige Verfolgen von Familienmitgliedern. Kurioserweise schnitten die Hundebesitzer beim Erkennen dieser Nuancen nicht deutlich besser ab als Menschen ohne eigenen Hund.

Erfahrung macht den Unterschied

Die Forscherinnen vermuten, dass Halter bestimmte Reaktionen wie etwa das Wegdrehen des Kopfes eher als Zeichen von Stress oder Angst interpretieren statt als Hinweis auf körperliches Leid. Einen messbaren Unterschied machte hingegen die Erfahrung: Halter, deren Hunde bereits eine schmerzhafte Erkrankung oder einen Unfall erlebt hatten, zeigten eine höhere Sensibilität für subtile Symptome wie etwa ein verändertes Aussehen oder verringerte Spielfreude.

Auch die eigene Schmerzhistorie der Teilnehmer spielte eine Rolle. Menschen, die selbst bereits schmerzhafte Erfahrungen durch Unfälle oder Krankheiten hatten, werteten Verhaltensweisen wie vermehrtes Blinzeln oder Gähnen häufiger als mögliche Schmerzhinweise.

Schmerzen können zu Aggressionen führen

Die Studienautorinnen betonen, dass ein verspätetes Schmerzerkennen das Wohlbefinden der Tiere erheblich beeinträchtigt und das Risiko für Verhaltensprobleme, einschliesslich Aggressionen, erhöht. Da Schmerzen oft die Ursache für unerwartetes Beissverhalten sein könnten, sei die korrekte Deutung der Körpersprache auch für die Sicherheit von Menschen wichtig.

Die Forscherinnen plädieren für eine verstärkte Aufklärung von Hundehaltern über die Bandbreite möglicher Schmerzsignale. «Bildungsangebote zum Hundeverhalten könnten das Tierwohl fördern, indem sie gezielt subtile Schmerzanzeichen ansprechen», schreiben sie.

Tierschutzbund ordnet Studie ein

Der Deutsche Tierschutzbund bewertet die Ergebnisse der Studie auf Anfrage der Deutschen Presse-Agentur als nicht überraschend. «Die Erkennung von Schmerzen bei Haustieren ist häufig nicht ganz einfach», sagt Lisa Hoth-Zimak, Fachreferentin für Heimtiere. Schmerzen bei Hunden könnten sich beispielsweise folgendermassen äussern:

  • Verändertes Verhalten: spielt weniger, zieht sich zurück, vermeidet bestimmte Bewegungen, entlastet ein Bein, aggressives Verhalten bei Berührung, vermehrtes Hecheln ohne erkennbare andere Ursache
  • Körperhaltung: läuft steif, vermeidet bestimmte Bewegungen wie Treppenlaufen oder Springen, lahmt, wölbt den Rücken auf oder entlastet den Oberbauch durch eine Vorderkörpertiefstellung
  • Gesichtsausdruck: zusammengekniffene Augen, starrer Blick, angelegte Ohren
  • Lautäusserung: Fiepen, Knurren, Jaulen
  • Fress- und Trinkverhalten: trinkt oder frisst weniger, kaut anders als sonst, trinkt sehr viel

«Schon lange fordern wir den Nachweis einer theoretischen Sachkunde vor der Anschaffung eines Hundes», betont Hoth-Zimak. Halter müssten grundlegende Kenntnisse zu richtiger Auswahl, Sozialisierung, tierschutzgerechtem Umgang, Haltung und Training eines Hundes nachweisen können. «Sind Hundebesitzer sachkundig, hat dies sowohl für Menschen als auch Tiere Vorteile und kann Tierheime, tierärztliche und humanmedizinische Notdienste entlasten und das Zusammenleben verbessern.»

Studie von 2024 mit ähnlichen Ergebnissen

Bereits 2024 erschien eine Studie mit ähnlichen Ergebnissen wie in der aktuellen Untersuchung. Hundevideos in sozialen Medien suggerieren demnach oft fälschlicherweise, dass sich die Tiere wohlfühlen. Die Autoren der Studie, die in der Fachzeitschrift «Applied Animal Behaviour Science» veröffentlicht wurde, warnten, Stresssignale von Hunden würden häufig übersehen. Das Forscherteam analysierte 190 beliebte Videos und stellte fest, dass Hunde darin oft Unbehagen, Furcht oder Verwirrung zeigten, während Menschen eifrig Likes verteilten.

Typische Stressindikatoren wie das Abwenden des Kopfes, Gähnen, Blinzeln oder angelegte Ohren werden den Autoren zufolge oft als amüsant missverstanden. Besonders Umarmen kann auf Hunde einschüchternd wirken, während das Lecken am Mund häufig Unterwürfigkeit statt Zuneigung bedeutet. (sda/dpa)

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27 Kommentare
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Die beliebtesten Kommentare
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Loreley
03.04.2026 10:14registriert Mai 2020
Mein Hund ist nun 13 Jahre alt, latscht mir ständig hinterher, seit er Welpe war. Richtiger Stalker. Ist demnach eher schwierig, herauszufinden, ob er dies mittlerweile tut, weil er Schmerzen hat. Es gibt noch andere Verhaltens-Veränderungen bei Hunden, wenn sie älter werden. Und ja, das eine und andere Knacken und Ziepen im Gebälk wird sicher auch sein, wie bei uns Menschen. Ich passr mich ihm an, mache keine Gewaltsmärsche mehr, schaue, dass er es warm und bequem hat und passe mehr auf, z.B. auf rutschigen Böden oder Treppen. Kürzlich noch Blut checken lassen. Super Werte. Auch wichtig.
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Ich-möchte-verstehen
03.04.2026 11:08registriert April 2022
Als Hundebesitzer würde ich die Pflicht für einen Sachkundenachweis (SaNa) analog demjenigen, den ich machen musste, um ein Angelpatent lösen zu können, unterstützen. Viele Hundebesitzer/innen, welchen ich begegne machen das richtig gut mit ihren Hunden und dann gibt es die 10% wie überall bei welchen ich mir wünschen würde, dass sie nicht Hundebesitzer wären - zum Wohl des Tiers und zum Wohl der Mitmenschen.
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