Diese Handtasche ist aus Tyrannosaurus-Rex-Leder – ja, wirklich!
Am 2. April hat ein Projektteam bestehend aus Wissenschaftlern und Modedesignerinnen im Art Zoo Museum in Amsterdam eine Handtasche aus Tyrannosaurus-Rex-Leder vorgestellt. Die Enthüllung ist ein Durchbruch für die synthetische Biologie, denn das Leder wurde in einem Labor gezüchtet.
Vor 66 Millionen Jahren verschwanden die Dinosaurier infolge eines Massenaussterbens von der Bildfläche. Damit endete auch die Herrschaft des Tyrannosaurus Rex als Spitzenpredator.
Die Techniken, die jetzt zum Einsatz kamen, um an seine Haut zu gelangen, wurden schon vor zwei Jahrzehnten erstmals diskutiert. Mithilfe von fossilisiertem, rekonstruiertem Kollagen gelang es, diese in einem Labor zu synthetisieren und so zu züchten. Gelungen ist dies bei «Lab-Grown Leathers Ltd.» in Newcastle upon Thyne in Grossbritannien.
Konkret nutzten die Forschenden künstliche Intelligenz, um das Protein zu modellieren und fehlende Sequenzen vorzuberechnen, um so einen genetischen Bauplan der ausgestorbenen Spezies zu entwickeln. Diese synthetisierte Sequenz wurde dann in eine Wirtszelllinie integriert, was die Züchtung von Gewebe mithilfe eines speziellen technischen Verfahrens ermöglichte. Die so entstandene Haut wurde danach klassisch gegerbt.
Dieses Vorgehen könnte in Zukunft auch zur Entwicklung neuer Klassen ethisch unbedenklicher, tierfreundlicher Materialien führen. Die Technologie bedeutet, dass Leder ohne die mit der Viehwirtschaft verbundenen Umweltbedenken hergestellt werden kann, erklärt Dr. Che Connon, CEO von «Lab-Grown Leathers Ltd.».
Die traditionelle Lederproduktion wird oft wegen ihres Zusammenhangs mit Abholzung und dem hohen Chemikalieneinsatz beim Gerben kritisiert. Die im Labor gezüchtete Alternative macht das Schlachten von Tieren überflüssig und liefert gleichzeitig ein Material, das sowohl biologisch abbaubar als auch reparierbar ist. Die Entwickler prüfen nun, wie sie die Produktion für eine breitere Nutzung hochfahren können.
Handtasche soll versteigert werden
Das Modelabel «enfin levé» aus Berlin hat aus dem Rohmaterial schliesslich die Handtasche angefertigt, die mit Sterlingsilber und schwarzen Diamanten verziert ist. Das T-Rex-Leder selbst hat pro 10-x-15-Zentimeter-Stück einen geschätzten Wert von 10'000 bis 20'000 Euro.
Die Tasche wird jetzt bis am 11. Mai im Art Zoo Museum in Amsterdam ausgestellt – zusammen mit einem echten T-Rex-Skelett. Danach soll sie versteigert werden. Es ist noch nicht festgelegt, in welchem Auktionshaus das aussergewöhnliche Modeaccessoire unter den Hammer kommt.
Laut dem Kurator des Art Zoo Museums, Iacopo Briand, kämen etwa New York wegen seiner Auktionshäuser, die an aussergewöhnliche Objekte gewöhnt sind, oder Paris als Schwergewicht im Kunst- und Modeverkauf in Frage.
Einem unbestätigten Medienbericht von USA Today zufolge soll das Startgebot bei 575'000 Euro liegen. Kurator Briand sagte in einem anderen Bericht jedoch, er wisse nicht, woher diese Zahl stamme. Er bestreitet dabei jedoch nicht, dass die Zahl unrealistisch sei. Der Endpreis sei dabei reine Spekulation:
