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Besucherin ärgert sich über «Gepäck-Abzocke» im Zürcher Hallenstadion

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Bild: facebook.com

Besucherin ärgert sich über «Gepäck-Abzocke» im Zürcher Hallenstadion

Für abgegebene Taschen verlangt das Zürcher Hallenstadion eine Gebühr von fünf Franken. Dabei übernimmt es keine Haftung. «Das ist reine Abzocke», regt sich eine Besucherin auf.
05.12.2023, 05:0306.12.2023, 10:25
Bettina Zanni / ch media
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Mit vollgepackten Manteltaschen sass die Dietikerin S.S.* in der Pferde-Show «Cavalluna» im Zürcher Hallenstadion. Ein Blutdruckmedikament, ein Wasserfläschchen, Handy, Hausschlüssel, Zugbillett und Taschentücher waren darin. Ihre Tasche und der Rucksack ihrer 82-jährigen Begleiterin aus Fribourg hingen derweil leer in der Garderobe.

Gepäck, das grösser als DIN A4 ist, verbietet das Hallenstadion. Gegen eine Gebühr können Besuchende das Gepäck an den Abgabestellen an der Wallisellenstrasse deponieren. Haftung für Wertgegenstände im abgegebenen Gepäck lehnt das Hallenstadion ab.

Das machte die 66-jährige Besucherin vor einigen Tagen sauer. «Ich hätte fünf Franken bezahlen müssen und dabei riskiert, dass mein Gepäck gestohlen wird. Das ist reine Abzocke», regt sie sich auf. Auch andere Gäste hätten bei der Abgabestelle geflucht. «Die Angestellten taten mir etwas Leid. Sie mussten ja nur ihren Job machen.»

Auch auf Social Media äusserten Besuchende ihren Unmut darüber.

Auch versteht die 66-Jährige nicht, warum Besuchende ihre Wertgegenstände nicht ins Hallenstadion mitnehmen dürfen. «Nicht mal im Trump Tower macht man ein solches Problem», platzt es aus ihr heraus. Dort würden die Wertgegenstände der Besuchenden gescannt. «So könnte auch das Hallenstadion vorgehen», meint sie.

«Sicherheit hat oberste Priorität»

Das Hallenstadion bestätigt auf Anfrage die Gebühr und dass für das Gepäck keine Haftung übernommen wird. Das Konzept bestehe seit zehn Jahren, sagt Hallenstadion-Direktor Philipp Musshafen. «Sicherheit hat für uns oberste Priorität, und wir legen grossen Wert darauf, internationale Sicherheitsstandards bei all unseren Veranstaltungen zu gewährleisten.» Dazu gehöre auch die Regel mit der Taschengrösse DIN A4.

Ein effizienter Einlassprozess sei ihnen ebenso wichtig wie die Einhaltung höchster Sicherheitsstandards, sagt der Direktor. «Müssten wir beispielsweise jede Tasche durchsuchen, würde dies den Einlass massiv verlangsamen, was wiederum auch nicht im Interesse unserer Besuchenden ist.» Zudem macht er darauf aufmerksam, dass die Besuchenden wenige Tage vor dem Event nochmals auf die Sicherheitsmassnahmen und verfügbaren Dienstleistungen hingewiesen werden, um sich entsprechend vorbereiten zu können. «Denn wir wollen allen ein bestmögliches Event-Erlebnis bieten.»

«Massiv defizitär»

Das Hallenstadion prüft laut Musshafen kontinuierlich neue Sicherheitstechnologien und investiert in Schulungen für das Sicherheitspersonal, um einen reibungslosen und dennoch effektiven Einlassprozess zu gewährleisten. «Zudem evaluieren wir neue digitale Wege, um unsere Abgabestelle schneller, effizienter und noch kundenfreundlicher zu gestalten.»

Den Vorwurf der Gepäck-Abzocke weist er zurück. «Unsere Abgabestelle ist eine Dienstleistung für die Besuchenden und für uns massiv defizitär.» International gebe es Locations, die keine Möglichkeit anböten, um Gepäck abzugeben.

Der Handtaschen-Ärger hält S.S. aber nicht von einem weiteren Besuch im Hallenstadion ab. «Die Show war fantastisch. Wenn möglich, nehme ich das nächste Mal aber einfach besser nichts mehr mit», sagt sie.

*Name der Redaktion bekannt.

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