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Angst vor dem Crash: Alle reden von Griechenland, aber die eigentliche Gefahr kommt aus China

Rot dominiert derzeit die Börsen Chinas.
Rot dominiert derzeit die Börsen Chinas.Bild: AP CHINATOPIX

Angst vor dem Crash: Alle reden von Griechenland, aber die eigentliche Gefahr kommt aus China

In China sind in den letzten paar Wochen rund 3000 Milliarden Dollar an der Börse verpufft. Wenn die zweitgrösste Volkswirtschaft der Welt ins Trudeln gerät, dann ist Schluss mit lustig.
07.07.2015, 15:0008.07.2015, 12:38

Die Fakten sprechen eine deutliche Sprache: Seit dem vergangenen Mai ist die Börse von Shanghai um rund 30 Prozent eingebrochen. Gegen drei Billionen Dollar haben sich in Luft aufgelöst. Das sind rund sechs Mal mehr als die gesamten Auslandschulden von Griechenland und mehr als zehn Mal das gesamte Bruttoinlandprodukt von Hellas. 

Während die Märkte einen «Grexit» zumindest vorübergehend wohl verkraften könnten, ist das im Fall eines chinesischen Börsencrashs alles andere als sicher. «Der Abwärtstrend an den chinesischen Börsen könnte sich als weit gefährlicher für die Weltwirtschaft erweisen als Griechenland», warnt Frederic Neumann, Ökonom bei der in Asien sehr wichtigen Bank HSBC. 

Die chinesische Regierung setzt auf die gängigen Massnahmen

Die chinesische Regierung ist durch den schleichenden Börsencrash aufgeschreckt worden und hat Gegenmassnahmen eingeleitet. Sie hat die Zinsen gesenkt, staatliche Pensionskassen treten als Käufer auf und stützen den Markt, und gegen Leerverkäufer, die auf sinkende Kurse setzen, wird gerichtlich vorgegangen. Nur: Das sind die gängigen Instrumente, die stets eingesetzt werden – in der Regel ohne Erfolg. 

Ist trotzdem alles halb so schlimm? Die Optimisten verweisen zu Recht darauf, dass dem Minicrash ein Maxi-Boom vorausgegangen ist. Der Shanghai-Index hat innert Jahresfrist rund 150 Prozent zugelegt und liegt auch im laufenden Jahr noch immer mit rund 80 Prozent im Plus. Man kann daher die aktuelle Entwicklung auch unter der Rubrik «gesunde und längst fällige Korrektur» einordnen.

Chinas Kleininvestoren spielen eine grosse Rolle

Kommt dazu, dass die chinesischen Börsen zu extremeren Ausschlägen als die westlichen neigen. 2008 ist der Shanghai-Index um 70 Prozent eingebrochen. Trotzdem werden die Investoren rund um den Globus allmählich nervös. Weshalb?

Typisch für China: spekulierende Frauen.
Typisch für China: spekulierende Frauen.Bild: AP

Kleininvestoren spielen in China eine grosse Rolle. Der durchschnittliche Chinese kann hoffen, mit Gewinnen an den Aktienbörsen ein mittelständisches Leben führen und seine Kinder an gute Schulen schicken zu können. Mit Aktien zu spekulieren ist daher weit verbreitet. Oft werden die Aktien mindestens teilweise mit Krediten finanziert, was in Crashzeiten bekanntlich fatale Folgen haben kann. Und sollten jetzt Millionen von Chinesen ihre Spargelder verlieren, dann hätte die chinesische Führung ein grosses Problem. 

Chinas Wirtschaft wächst deutlich langsamer

Kommt dazu, dass sich die Wirtschaft in einem Umbruch befindet. China will seine Abhängigkeit von Exporten abbauen und vermehrt die Binnenwirtschaft ankurbeln. Das ist leichter gesagt als getan. Das Wirtschaftswachstum ist von einst zehn bis zwölf Prozent des Bruttoinlandprodukts auf sechs bis sieben Prozent geschrumpft. Sollte jetzt die einheimische Nachfrage ins Stocken geraten, wäre dies ein heftiger Rückschlag. 

Die Regierung hat daher alle Hebel in Bewegung gesetzt, um den Börsencrash zu stoppen, bisher ohne Erfolg. Nach zunächst kräftigen Gewinnen hat der Shanghai-Index gestern erneut mit zwei Prozent im Minus geschlossen.

Ölpreis um acht Prozent eingebrochen

Für die Weltwirtschaft wäre ein chinesischer Börsencrash so ziemlich das Letzte, was sie derzeit gebrauchen kann. Als zweitgrösste Volkswirtschaft hat China einen enormen Einfluss rund um den Globus. Erste Auswirkungen machen sich bereits bemerkbar: Rohstoffpreise brechen ein, der Ölpreis beispielsweise um acht Prozent. 

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5 Kommentare
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Die beliebtesten Kommentare
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bebby
07.07.2015 16:56registriert Februar 2014
Leider sehr oberflächlich geschrieben, nirgends ist hier die Rede davon, dass die Sparquote deutlich höher und die Verschuldung deutlich geringer ist in China als in Europa. Spekulanten gibt es seit jeher überall, in Europa, USA, Japan genauso wie in China. Da die jüngste Blase in China relativ jung ist, hat das auch weniger Auswirkungen auf die Realwirtschaft als das jahrelange Leben auf Pump bei uns in Europa. Dank sei den tiefen Zinsen der Zentralbanken. Gut möglich, da es in China auch einmal soweit ist, aber noch nicht jetzt.
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