Amnesty kritisiert Regierungen Zentralamerikas wegen Gewalt

Publiziert: 15.10.16, 05:56

Die Regierungen der zentralamerikanischen Länder El Salvador, Guatemala und Honduras kämpfen nach Einschätzung von Amnesty International nicht wirksam genug gegen die Gewalt in ihren Ländern. Sie würden dadurch zu einer grossen Fluchtbewegung beitragen.

Die drei Länder seien «praktisch Kriegsgebiete geworden, wo Leben entbehrlich zu sein scheinen», erklärte der Generalsekretär der Menschenrechtsorganisation, Salil Shetty, am Freitag (Ortszeit) in der honduranischen Hauptstadt Tegucigalpa.

In den drei zentralamerikanischen Ländern lebten Millionen Menschen «in ständigem Schrecken, was Bandenmitglieder oder staatliche Sicherheitskräfte ihnen oder ihren Liebsten antun könnten», kritisierte Shetty. «Diese Millionen sind jetzt die Protagonisten in einer der am wenigsten sichtbaren Flüchtlingskrisen.»

In einem Amnesty-Bericht, den Shetty vorstellte, wird bemängelt. dass nicht genug gegen die grassierende Gewalt und die hohe Mordrate in den drei Ländern unternommen werde. Ausserdem hätten ihre Regierungen es versäumt, Schutzpläne für diejenigen ihrer Bürger aufzustellen, die nach einer Flucht von Mexiko oder den USA abgeschoben und damit gezwungen würden, «in eine lebensbedrohliche Lage zurückzukehren».

Asylanträge verdoppelt

Laut Amnesty haben 2015 rund 48'000 Menschen aus El Salvador, Guatemala und Honduras Asyl in anderen Ländern beantragt und damit doppelt so viele wie im Vorjahr. Nach UNO-Angaben zählt El Salvador zu einem der Länder mit den höchsten Raten gewaltsamer Todesfälle ausserhalb von Kriegsgebieten. 2015 geschahen dort 108 Morde pro 100'000 Einwohner.

Shetty kritisierte, dass «Länder wie Mexiko und die USA völlig dabei versagen, zentralamerikanische Asylsuchende und Flüchtlinge zu schützen». Daher sei es «höchste Zeit für die Behörden in El Salvador, Guatemala und Honduras sich ihre Rolle in der Krise einzugestehen und Massnahmen zu ergreifen, um die Probleme zu bewältigen, die diese Menschen überhaupt erst dazu zwingen, ihre Heimat zu verlassen». (sda/afp)

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