
«Ernsthafte Sache»: Zürcher SVP-Präsident Heer.Bild: KEYSTONE
Da redet einer Klartext: Der Zürcher SVP-Nationalrat Alfred Heer, Präsident der grössten Kantonalsektion, kritisiert den «Willy»-Wahlsong seiner Partei, Präsident Toni Brunner und den zu einseitigen Wahlkampf. Die SVP des Kantons Zürich will nun Gegensteuer geben.
09.08.2015, 03:0709.08.2015, 10:06
Die SVP Schweiz musste ihren Wahlsong im Zürcher Hauptbahnhof ohne den Präsident der ansässigen Kantonalpartei lancieren: Alfred Heer ist laut eigenen Angaben kein guter Sänger und überhaupt vom Vorgehen wenig überzeugt, wie er in einem Interview mit dem «SonntagsBlick» sagt. «Solche Lieder und Maskottchen lenken von den wahren Problemen der Schweiz ab.»
«Das Lied und der Plüschhund sind doch eher gaga und eine Trivialisierung. Politik ist eine ernsthafte Sache.»
SVP-Nationalrat Alfred Heer
So bemängelt Heer etwa, dass man seitens seiner Partei abgesehen vom Asyl-Thema im Wahlkampf kaum etwas höre über andere grosse Herausforderungen wie Regulierungen im Finanzplatz, Energiewende oder die «aufgeblähte Verwaltung». Die SVP Schweiz habe sich auf die Flüchtlinge und die EU eingeschossen. «Dies reicht nicht.»

Aus voller Kehle: SVP-Präsident Toni Brunner (ganz rechts) erntet Kritik für seine Kritik im Bezug auf den Listenplatz für Roger Köppel (Mitte).Bild: KEYSTONE
Schon 2011 habe die SVP zu einseitig auf die Ausländerkarte gesetzt, etwa mit den Stiefel-Inseraten. «Diese Plakate hingen mir schon damals zum Hals raus. Das kostete uns Stimmen», sagt Heer. Seine Kantonalsektion versuche jetzt Gegensteuer zu geben und werde im September und Oktober eigene Veranstaltungen durchführen, die speziell wirtschaftliche Themen ansprechen würden.
«Das kann ich nicht ernst nehmen»
Heers Kritik trifft auch Parteipräsident Toni Brunner. Dieser habe die Platzierung von Kandidat Roger Köppel «hochgespielt», als er der Zürcher Sektion vorhielt, sie habe «einen Penalty verschossen», indem sie Köppel nicht zuoberst auf die Liste gesetzt habe. «Das kann ich nicht ernst nehmen», sagt Heer dazu. Die Partei lebe letztlich «nicht von Einzelfiguren, die kommen und gehen», sondern von der Basis. (kad)
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