Briefe von der Heimatfront

Oberursel im Ausnahmezustand: Eine Verblondung zahlloser Menschen könnte einem völlig abwegigen Verständnis von Integration geschuldet sein. Bild: EPA/DPA

Müssen wir jetzt sämtliche Ehepaare beobachten?

01.05.15, 11:56 01.05.15, 12:53

Für viele mag es ein Schock gewesen sein: Ein radikales Ehepaar aus Hessen hat offenbar einen Anschlag in Deutschland geplant. Ziel war offenkundig ein Radrennen; zu diesem Zweck hatte das Paar in grossen Mengen Wasserstoffperoxid gehortet. 

Noch ist nicht ganz klar, wie sich ein radikales Ehepaar von einem normalen Ehepaar unterscheidet. Nachbarn berichten jedoch, dass die Ehestreits der beiden doppelt so laut waren wie die von herkömmlichen Paaren. Auch ging nicht nur gewöhnliches Haushaltsporzellan zu Bruch, sondern teures Meissner Qualitätsporzellan – in ihrer Radikalität machten die radikalen Ehe-Fundamentalisten nicht einmal vor den empfindlichen Servierwaagen von WMF oder elektronischen Warmhalteplatten halt. 

«Das Ehepaar hatte genug Wasserstoffperoxid gehortet, um eine grosse Anzahl von Menschen auf einen Schlag blond zu färben.»

Geld spielt offenbar keine Rolle, wo die Ehe in all ihrer Brutalität gelebt wird.

Die Dame Dauerwelle, der Herr Vokuhila

Das Ehepaar hatte genug Wasserstoffperoxid gehortet, um eine grosse Anzahl von Menschen auf einen Schlag blond zu färben. Der genaue Grund für diesen Plan steckt noch im Dunkeln, doch wurden im Haushalt des Horrorpaares Schriften gefunden, die auf eine extrem konservative Interpretation der Frisurenlehre hinweisen. Offenbar setzte die Dame des Hauses auf Dauerwelle, wohingegen ihr Gatte Vokuhila bevorzugte. 

Eine Verblondung zahlloser Menschen könnte einem völlig abwegigen Verständnis von Integration geschuldet sein – wollten sie so viele Menschen wie möglich in nordisch-blonde Idealmenschen verwandeln?

Die Polizei nahm zugleich auch mehrere befreundete Ehepaare fest, ein radikaler Eheberater sowie eine Brautschneiderin aus der Nachbarschaft wurden zwischenzeitlich einem Haftrichter vorgeführt. Um sich nicht verdächtig zu machen, empfehlen die Ordnungshüter, sämtliche Hochzeiten in der Region Oberursel bis auf weiteres zu unterlassen. Bereits Verheiratete erhalten vom Exit-Aussteigertelefon Hilfe und finanzielle Unterstützung bei der Scheidung, um schnellstmöglich aus der Ehe-Szene auszubrechen.

Leo Fischer

Der ehemalige Chefredaktor vom Satiremagazin «Titanic» schreibt jede Woche einen «Brief von der Heimatfront». Er liefert den deutschen Invasoren in der Schweiz Schlachtpläne, wie sie die deutsche Dominanz in den Universitäten oder dem Gesundheitswesen noch stärker durchsetzen und festigen können. Er haut aber auch seinen Landsleuten mit ordentlich Humor aufs Dach. Mehr von Leo Fischer gibt's bei Titanic. 

Hol dir die App!

Charly Otherman, 5.5.2017
Watson kann nicht nur lustig! Auch für Deutsche (wie mich) ein Muss, obwohl ich das schweizerische nicht immer verstehe.
Abonniere unseren NewsletterNewsletter-Abo
0Alle Kommentare anzeigen
0
Weil wir die Kommentar-Debatten weiterhin persönlich moderieren möchten, sehen wir uns gezwungen, die Kommentarfunktion 72 Stunden nach Publikation einer Story zu schliessen. Vielen Dank für dein Verständnis!

Briefe von der Heimatfront (36)

Nach der Abercrombie-Pleite: Was wird jetzt aus den ganzen Nacktverkäufern?

Keine schönen Zahlen für die Marke der schönen Menschen: Das Modelabel Abercrombie & Fitch erlebt heftige Verluste – um fast 15% ging der Absatz zurück, und das allein in Europa. Die Nachricht schockiert vor allem Fans, die frühzeitig in den Kult investiert haben: z.B. Kaythleen, 14. Das junge Not-yet-It-Girl steht seit sechseinhalb Monaten in der Warteschlange vor der A&F-Filiale in Frankfurt, ernährt sich von Luft und Bulimie. Tagsüber erhält sie Makeup-Spenden …

Artikel lesen