International

Syrien-Gespräche mit Russland «nicht tot, aber auf der Intensivstation» 

01.10.16, 06:36 01.10.16, 09:09

US-Aussenminister John Kerry während der Syrien-Gespräche in Genf Anfang September. Bild: KEVIN LAMARQUE/REUTERS

Die Gespräche von US-Aussenminister John Kerry mit Russland über eine erneute Waffenruhe für Syrien sind laut seinem Sprecher «auf der Intensivstation», aber noch nicht tot. Kerry telefonierte am Freitag den dritten Tag in Folge mit seinem russischen Kollegen Sergej Lawrow, doch gab es keine konkreten Ergebnisse.

Der US-Aussenminister hatte am Vortag mit dem Abbruch der Gespräche gedroht, sollte Russland nicht seine Luftangriffe auf Aleppo einstellen, Moskau schloss jedoch einen Stopp des Bombardements aus.

US-Aussenamtssprecher Mark Toner gab zu, dass sich die US-Regierung irgendwann fragen müsse, ob der Glaube an eine diplomatische Lösung nicht umsonst sei, doch sei man noch nicht ganz an diesem Punkt.

Die USA und Russland streben eigentlich in ihren Verhandlungen eine Rückkehr zu der Waffenruhe an, die am 19. September nach nur einer Woche wieder zerbrochen war. Seitdem fliegt die russische Luftwaffe mit den syrischen Regierungstruppen massive Luftangriffe auf Aleppo.

Der russische Aussenminister Sergej Lawrow erklärte, Russland wolle Schritte erwägen, wie die Lage insbesondere in der heftig umkämpften Grossstadt Aleppo «normalisiert» werden könne. Er führte die Äusserung nicht näher aus.

Vorwürfe auf beiden Seiten

Gleichzeitig warf er den USA indirekt vor, den Konflikt in dem Bürgerkriegsland anzuheizen, weil sie keine Unterscheidung zwischen gemässigten Aufständischen und terroristischen Gruppen machten.

Dem britischen Sender BBC sagte Lawrow, die US-Regierung halte sich nicht an ihr Versprechen, die gemässigten Rebellen von der extremistischen Al-Nusra-Front zu trennen.

Sobald sie dafür sorge, dass die moderaten Rebellen ihre Verbindungen zu der Gruppe, die sich seit Juli Fateh-al-Scham-Front nennt, kappen, werde Russland auf dem Stopp der Kämpfe bestehen.

Waffenruhe gescheitert

Vor rund eineinhalb Wochen war eine Waffenruhe in Syrien gescheitert. Die Kämpfe flammten wieder auf, nachdem die US-geführte Koalition versehentlich Stellungen der syrischen Armee aus der Luft angriff und einige Tage später ein Hilfskonvoi bombardiert wurde.

Die USA werfen Russland und der syrischen Führung vor, den Angriff auf die unbewaffneten Helfer angeordnet zu haben. Russland weist die Vorwürfe zurück. Nach der Feuerpause leiteten die syrischen Einheiten eine Grossoffensive auf Aleppo ein, die von Russland unterstützt wird.

UNO-Generalsekretär Ban Ki Moon kündigte am Freitag an, ein interner Ausschuss werde den Angriff auf den Hilfskonvoi untersuchen. (wst/sda/afp/reu)

Syrien-Analysen

Was gerade in Aleppo passiert, ist «schlimmer als Auschwitz» – warum wir uns schämen werden

Bilder, die traurig – und zugleich hoffnungsvoll stimmen: So schön war es in Aleppo, Homs und Rakka vor dem Krieg

6 Fakten, die zeigen, dass Saudi-Arabien keinen Deut besser ist als der «IS» – aber die Schweiz liefert weiterhin Waffen

Hören wir auf, dem Westen die Schuld an allen Problemen in Nahost zu geben

Annäherung der Erzfeinde: Warum die USA bald um Russland buhlen werden

Alle Artikel anzeigen

Hol dir die App!

Yanik Freudiger, 23.2.2017
Die App ist vom Auftreten und vom Inhalt her die innovativste auf dem Markt. Sehr erfrischend und absolut top.
Abonniere unseren NewsletterNewsletter-Abo
0Alle Kommentare anzeigen
0
Um mit zudiskutieren oder Bilder und Youtube-Videos zu posten, musst du eingeloggt sein.
Youtube-Videos und Links einfach ins Textfeld kopieren.
600

Autsch, «Breitbart»! 🙄 Wer ist der Flüchtling auf dem Jetski? Genau: Lukas Podolski!

Nach seinem Rausschmiss aus dem seiner einvernehmlichen Trennung vom Weissen Haus kehrt Steve Bannon, der ehemalige strategische Berater von US-Präsident Donald Trump, als «Executive Chairman» an seine ehemalige Wirkungsstätte zurück. Er übernimmt die Leitung von «Breitbart», einer Newsseite am äussersten rechten Rand des politischen Spektrums. Sie ist eine der wichtigsten Plattformen der «Alt Right»-Bewegung. Hier holt sich die News, wer Hillary Clinton für eine Verbrecherin und die …

Artikel lesen