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USA

Nach Todesschuss auf Afro-Amerikaner: Haftbefehl gegen US-Polizistin

Nach Todesschüssen auf unbewaffneten Afro-Amerikaner: US-Polizistin angeklagt

Nach den tödlichen Schüssen auf einen unbewaffneten Afro-Amerikaner im US-Bundesstaat Oklahoma ist eine Polizistin formell des Totschlags beschuldigt worden.
23.09.2016, 01:0823.09.2016, 07:05

Nach den tödlichen Schüssen auf einen unbewaffneten Schwarzen im US-Bundesstaat Oklahoma ist eine Polizistin formell des Totschlags beschuldigt worden. Gegen die Beamtin sei Haftbefehl erlassen worden, erklärte Staatsanwalt Steve Kunzweiler am Donnerstag in Tulsa.

Terence Crutcher, hier mit seiner Zwillingsschwester, war unbewaffnet und wurde von einer Polizistin in Oklahoma erschossen. Foto: AP
Terence Crutcher (hier mit seiner Schwester) wurde von einer Polizistin in Oklahoma erschossen, obwohl er unbewaffnet war.Foto: AP

Der Polizistin wird vorgeworfen, am vergangenen Freitag auf einer Strasse in Tulsa den 40-jährigen Schwarzen Terence Crutcher erschossen zu haben. Der Vorfall war von Polizeikameras aufgezeichnet worden.

Auf den Bildern ist zu sehen, wie der Mann mit erhobenen Händen an seinem Auto lehnt – es sieht so aus, als kooperiere er mit den Beamten. Dann trifft ihn der Schuss einer Polizistin, er stürzt zu Boden, woraufhin ein weiterer Polizist eine Betäubungswaffe abfeuert.

Polizistin aus Oklahoma, die einen Unbewaffneten erschossen hat. Foto: keystone
Sie wird formell des Totschlags beschuldigt: Officer Betty Shelby.Foto: Reuters

Laut Ermittlungsunterlagen gab die Polizeibeamtin an, sie habe sich von Crutcher bedroht gefühlt – obwohl dieser keine Waffe trug und sich auch in seinem Auto keine Waffe befand.

Achtung, explizites Video!

Zuvor gab die Polizistin an, dass sie geschossen habe, weil der Verdächtige nicht kooperiert habe.Video: YouTube/Javen Bullets 3

706 Tötungen durch US-Polizisten

Wenige Tage nach dem Vorfall in Tulsa war in Charlotte im Bundesstaat North Carolina ein weiterer Schwarzer von Polizisten erschossen worden. Nach Polizeiangaben trug der 43-jährige Keith Lamont Scott eine Handfeuerwaffe und stellte eine Bedrohung dar. Nach Angaben seiner Familie und Nachbarn trug Scott ein Buch – keine Waffe – und wartete auf den Schulbus, um seinen kleinen Sohn abzuholen. Die Familie des Toten forderte nun die Veröffentlichung von Videoaufnahmen des Vorfalls. Die Angehörigen hätten die Aufzeichnungen am Donnerstag zu sehen bekommen, teilten die Anwälte der Familie mit.

Nach Angaben der Behörden war es aber nicht die Polizei, die auf ihn geschossen hatte. Auch am Donnerstagabend (Ortszeit) versammelten sich in Charlotte Demonstranten. Der Gouverneur Pat McCrory hatte den Ausnahmezustand über der Stadt verhängt. Die Nationalgarde war im Einsatz.

In den USA gibt es seit Monaten schwere Auseinandersetzungen wegen der Polizeigewalt. Mehrere Vorfälle, bei denen Polizisten unbewaffnete Schwarze töteten, lösten landesweite Proteste aus. In diesem Jahr erschossen US-Polizisten nach Angaben der «Washington Post» bereits 706 Menschen, unter ihnen 163 Schwarze. (sda/afp/rwy)

Und hier einige Bilder zu den Protesten gegen Polizeigewalt in den USA

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Proteste gegen Polizeigewalt in den USA
Nach einem tödlichen Polizeischuss auf einen Afroamerikaner in Charlotte im US-Staat North Carolina ist es dort den zweiten Abend in Folge zu Ausschreitungen gekommen. Foto: AP Photo/Chuck Burton
quelle: ap/ap / chuck burton
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10 Kommentare
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Die beliebtesten Kommentare
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exeswiss
23.09.2016 06:00registriert Januar 2015
so wie sie um die ecke des autos angelehnt war, hatte sie von anfang an weiche knie , sie hätte nie aus dem polizeiauto austeigen dürfen. sie wird zurecht angeklagt.
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Commander
23.09.2016 07:12registriert August 2016
Sie hat sich bedroht gefühlt. Na das ist ja süss. Obwohl er sich glücklich schätzen kann, dass er wirklich keine Waffe hatte - sonst wäre er von mindestens 50 Kugeln durchsiebt worden. Als ob es eine Steigerungsform von "tot" gäbe. So sind sie halt, unsere Amis.
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dommen
23.09.2016 07:12registriert Januar 2016
Kommt davon, wenn das Waffenrecht dermassen liberalisiert ist, dass man nicht mehr weiss, ob die Oma welcher man gerade über die Strasse helfen wollte, im nächsten Moment eine Knarre zieht.
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Nach Amokfahrt: Täter muss vorerst in die Psychiatrie
Nach der Amokfahrt in der Leipziger Innenstadt hat das Amtsgericht angeordnet, den Täter vorerst in einem psychiatrischen Krankenhaus unterzubringen. Dem 33-jährigen Deutschen werden zweifacher Mord sowie versuchter Mord in vier Fällen vorgeworfen, wie die Staatsanwaltschaft Leipzig weiter mitteilte.
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