Unvergessen

Basler trifft direkt per Ecke. In der Saison 1994/1995 gelingt ihm dieses Kunststück gleich dreimal.

Mario Basler lebt noch nicht im Big-Brother-Haus, sondern verwandelt einen Corner direkt

23. September 1994: Er raucht, er trinkt, er klopft dumme Sprüche, doch am Ball weicht der Wahnsinn dem Genie. Dass Bremens Mario Basler speziell bei Standards ein Klasse für sich ist, zeigt er auch gegen Duisburg. Dort versteckt der Werder-Star einen Eckball direkt im Tor – in der gleichen Saison sollten noch zwei weitere folgen. 

Publiziert: 23.09.16, 00:01

Mario Basler ist den meisten Fussballfreunden wegen Sprüchen bekannt: «Das habe ich ihm dann auch verbal gesagt», «Jede Seite hat zwei Medaillen» oder «Ich grüsse meine Mama, meinen Papa und ganz besonders meine Eltern». Doch er hatte nicht nur eine grosse Klappe, er konnte auch hervorragend kicken.

Am Freitagabend des 23. Septembers 1994 läuft die Partie MSV Duisburg gegen Werder Bremen. Auf dem Papier eine klare Sache: Werder ist Erster, Duisburg Vorletzter. Trotzdem haben die Gäste Mühe ins Spiel zu kommen. 

Rehagel amtete insgesamt 14 Saisons als Trainer bei Werder Bremen. Bild:worum.org

Trainer Otto Rehagel überlegt sich bereits, wie er seinen Schützlingen in der Pause die Leviten lesen will. Der Trainer, welcher bereits die 14. Saison bei Bremen an der Seitenlinie steht, muss dann aber doch nicht zur Standpauke greifen. 

Der Geniestreich von «Super Mario»

In der 39. Minute kommt der Favorit zu einer Ecke. Standards sind bei Bremen für gewöhnlich eine Angelegenheit für Spezialist Mario Basler. 

So auch dieses Mal: Der 25-jährige Mittelfeldspieler nimmt Anlauf und zirkelt das Leder – zur Überraschung aller – direkt aufs Tor. Auch Duisburg-Torwart Martin Pieckenhagen hat offensichtlich mit einer Flanke gerechnet, ist schlecht positioniert und muss den Ball passieren lassen. 

Basler überlistet alle: Gegen Duisburg verwandelt er eine Ecke direkt.  Video: YouTube/HOTpepper82

Die Weichen sind nun auf Sieg gestellt, trotzdem brauchen die Norddeutschen bis zur 88. Minute, ehe Wynton Rufer das Spiel mit dem 2:0 per Penalty entscheidet. Der Tabellenführer aus Bremen nimmt die drei wichtigen Punkte mit nach Hause. 

In einer Saison zum «Eckball-Rekordtorschützen»

Wer denkt, das gelingt nur einmal im Leben, der irrt sich gewaltig. Offensichtlich haben nicht alle Bundesliga-Keeper Wind vom Eckball-Tor bekommen, sodass der listige Mittelfeld-Fuchs noch in der selben Saison zwei weitere Male auf die gleiche Art und Weise zuschlagen kann.

Mario Basler trifft in der Saison 1994/1995 aber nicht nur von der Eckfahne, sondern aus allen Lagen. Mit 20 Treffern wird er Bundesliga-Torschützenkönig. Als Mittelfeldspieler schaffen das bis heute nur zwei weitere Spieler: Oberhausens Lothar Kobluhn 1971 und Nürnbergs Marek Mintal 2005. 

Und noch einmal: Basler vernascht auch den SC Freiburg mit einer direkt verwandelten Ecke. Video: YouTube/HOTpepper82

Zum Meistertitel reicht es Rehagel, Basler und Co. indes nicht. Am letzten Spieltag verlieren die Bremer bei den Bayern mit 1:3, Borussia Dortmund bedankt sich und holt die Meisterschale.

Basler wurde mit den Bayern zweimal Meister und holte den DFB-Pokal. Bild: AP

Den Rest seiner Karriere verbringt «Super Mario» bei Bayern München und Kaiserslautern. Auch hier zeigt sich der Exzentriker immer wieder torgefährlich und trifft regelmässig. Ein Treffer per Ecke gelingt ihm allerdings nicht mehr. Mit seinen drei Toren ist er aber einsame Spitze, weshalb er sich zurecht «Eckball-Rekordtorschütze» der Bundesliga nennen darf.

In der deutschen Nationalmannschaft bringt es Basler auf zwei Tore in 30 Spielen und wird 1996 Europameister. Immer waren seine Leistungen jedoch nicht zufriedenstellend, sodass auch schon das ZDF-Fernsehstudio beim Torwandschiessen darunter leiden musste. 

Mario Basler reagiert sich im Sportstudio bei Günther Jauch ab. Video: YouTube/ZDFsport

Das Geheimnis der Basler-Ecken

Ein Rezept für seine direkt verwandelten Eckbälle hat der Meister seines Fachs natürlich auch auf Lager: «Das Geheimnis ist eigentlich nur, dass man eine gute Schusstechnik braucht, um einen Ball direkt aufs Tor ziehen zu können.» 

Weshalb direkte Ecken so gefährlich sind, weiss Basler ebenfalls: «Für den Torwart ist es extrem schwer, weil vor ihm im Fünfmeterraum ganz viele Spieler rumwuseln. Und dann kommt der Ball mit viel Effet an, so dass der Keeper sich schnell mal bezüglich der Länge des Balls verschätzt.»

14 Jahre später

Mario Basler wird anfangs 2009 Präsident des Landesligaklubs ATSV Wattenheim. Im Pokalspiel gegen den Oberligaklub Niederauerbach steigt der Oldie gleich selbst wieder in die Hosen und erzielt sogar ein Tor: Per direkt verwandeltem Eckball! Und was sagt Eckenkönig Basler dazu? «Für so ein Tor braucht man viel Glück.»

Basler im Trikot der ATSV Wattenburg im Jahr 2009. Bild: harley.blog.volksfreund.de

Wer an Mario Basler denkt, sieht einen Zauberfuss und keinen unermüdlichen Kämpfer vor seinem geistigen Auge. Das weiss Basler selbst am besten: «Ich habe immer gesagt, dass ich kein Dauerläufer bin, sonst könnte ich ja gleich beim Marathon starten.»

Den Spitznamen «Marathon-Man» trägt also zurecht ein anderer. Zum Glück für dieses rauchende und saufende Genie gab es diesen 23. September 1994. Es war die Geburtsstunde des «Eckball-Rekordtorschützen», der als Trainer und Funktionär nicht an seine Erfolge auf dem Rasen anknüpfen kann. Im Spätsommer 2016 ist Mario Basler deshalb kein Kandidat für ein Traineramt, sondern in der TV-Show «Big Brother».

Unvergessen 

In der Serie Unvergessen blicken wir jeweils am Jahrestag auf ein grosses Ereignis der Sportgeschichte zurück: Ob hervorragende Leistung, bewegendes Drama oder witzige Anekdote – alles ist dabei.
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1 Kommentar anzeigen
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  • iceman999 23.09.2016 07:43
    Highlight *klugscheissmodusein* die drei-punkte-regel wurde erst zur Saison 95/96 in der bundesliga eingeführt. werder nahm also nicht drei- sondern zwei wichtige punkte mit *klugscheissmodusaus*
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