Yakins WM-Kader definitiv bekannt – Sanches und Monteiro müssen zuhause bleiben
Alessandro Vogt ist der Shootingstar des Schweizer Fussballs. Noch vor einem Jahr gänzlich unbekannt, hat sich der 21-Jährige in dieser Saison nicht nur beim FC St. Gallen etabliert, sondern mit seiner Treffsicherheit die gesamte Fussballschweiz verblüfft. 15 Tore hat er vor dem letzten Spieltag erzielt. Das bedeutet Position 3 im Torschützenklassement.
Der kometenhafte Aufstieg des Aargauers, der beim FC Aarau einst für ungenügend befunden wurde, beschert ihm nicht nur einen Wechsel in die Bundesliga zu Hoffenheim, sondern brachte ihn auch in den Dunstkreis der Nati. Experten wie Benjamin Huggel prophezeiten Vogt ein WM-Aufgebot. Dazu kommt es aber nicht.
Verteidigung: Manuel Akanji, Nico Elvedi, Miro Muheim, Ricardo Rodriguez, Silvan Widmer, Luca Jaquez, Aurèle Amenda, Eray Cömert.
Mittelfeld und Sturm: Ardon Jashari, Denis Zakaria, Granit Xhaka, Johan Manzambi, Djibril Sow, Michel Aebischer, Remo Freuler, Cedric Itten, Christian Fassnacht, Fabian Rieder, Noah Okafor, Ruben Vargas, Dan Ndoye, Breel Embolo, Zeki Amdouni.
Weil Noah Okafor und Dan Ndoye zuletzt angeschlagen waren, überlegte sich Yakin, mehr als die 26 Spieler aufzubieten, die man für eine WM nominieren kann. Vogt wäre als einer von zwei Backups infrage gekommen. Aber weil es bis zum Auftaktspiel gegen Katar (13. Juni) noch knapp vier Wochen dauert und die Blessuren der beiden Offensivspieler nicht gravierend sind, verzichtet Yakin auf zwei zusätzliche Spieler.
Sanches ist noch nicht robust genug für die WM
Ebenso wie auf Vogt verzichtet Yakin auch auf YB-Juwel Alvyn Sanches. Der 23-jährige offensive Schillerfalter hat sich im März 2025 in seinem ersten Länderspiel gegen Nordirland einen Kreuzbandriss zugezogen. Zwar kehrte er im Oktober bereits wieder auf den Platz zurück. Aber das alte Rendement hat er bislang nicht erreicht. Was auch in seinen beiden beiden Nati-Teileinsätzen im März gegen Deutschland und Norwegen ersichtlich war.
Die Nati-Türe für Sanches und Vogt könnte indes schon nach der WM wieder aufgehen. Yakin verzichtet auf die beiden, weil er die Zeit bis zur WM - die Nati rückt am Pfingstmontag in St. Gallen ein - optimal mit jenen Spielern nutzen will, welche die Reise nach Kalifornien mitmachen werden. Ausserdem will er keine neuen Spieler ins Team integrieren und er will die Endrunde nicht als Aufbau-, respektive Integrationsprogramm betrachten. Er will die auf und neben dem Platz bestmögliche Equipe dabei haben, um den Traum vom Halbfinal realisieren zu können.
Mit Itten und Fassnacht zwei Mentalitätsspieler
Man könnte es auch so sehen: Yakin stellt in dieser Frage Teamgefüge, Erfahrung und Rollenverständnis über Talent. Anstelle von Vogt und Sanches greift er auf zwei Spieler zurück, die schon länger keine grosse Rolle mehr gespielt haben im Nationalteam: Cedric Itten und Christian Fassnacht.
Itten wurde zwar für alle WM-Quali-Spiele aufgeboten, kam aber nur zu einem Kurzeinsatz von 5 Minuten. Fassnacht wurde in den letzten beiden Partien für insgesamt 6 Minuten eingewechselt.
Itten, der im Sommer von YB zu Düsseldorf gewechselt ist, verdient sich das WM-Ticket mit 15 Toren in der 2. Bundesliga, aber auch mit seinen Verdiensten aus der Vergangenheit. Wenn der 29-jährige Stossstürmer gebraucht wurde, lieferte er. Beispielsweise in den Qualfikationen für die WM 22 und die EM 24. Wie Fassnacht gilt Itten als Mentalitäts- und Teamspieler, als wichtig für das Teamgefüge. Und wie sein früherer YB-Kollege kennt und akzeptiert er seine Rolle in der Nati als Ergänzunsspieler. Auch für diese Haltung wird er nun mit seiner ersten Endrunden-Teilnahme belohnt.
Der gestrige Sonntag war für Itten trotzdem nicht voller positiver Gefühle. Sein Verein Fortuna Düsseldorf steigt nach einem 0:3 gegen Fürth in der letzten Runde in die 3. Bundesliga ab. Was für Itten, der in diesem Spiel gesperrt fehlte, durchaus Einfluss für die persönliche Zukunft haben kann.
Zwar spielt YB eine fürchterliche Saison, dabei ist Fassnacht aber der vielleicht einzige Lichtblick. Mit 18 Treffern sichert sich der 32-jährige Offensivspieler erstmals in seiner Karriere den Titel des Torschützenkönigs. Fassnacht fehlte zwar an der EM 2024 im Kader. Aber in Erinnerung geblieben sind seine Freudentränen, als ihn Yakin für die WM in Katar nominierte, wo er zu einem Kurzeinsatz gegen Serbien kam.
Während Itten und Fassnacht jubeln, müssen neben Vogt und Sanches weitere Spieler eine Enttäuschung verkraften. Yakin wird auch den in Saudi-Arabien engagierten Vincent Sierro, Simon Sohm (Bologna), Cédric Zesiger (Augsburg), Isaac Schmidt (Bremen) und Zachary Athekame (Milan) nicht berücksichtigen.
