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SV Elversberg: Pharmaunternehmer Frank Holzer steht hinter dem Erfolg

26.07.2025, Fussball, Herren, Freundschaftsspiel, Testspiel, Saison 2025/2026, SV 07 Elversberg - Fortuna Sittard, Aufsichtsratvorsitzender: Frank Holzer SV 07 Elversberg Elversberg Ursapharm-Arena an ...
Frank Holzer: Der Pharmaunternehmer engagiert sich schon seit weit über drei Jahrzehnten bei der SV Elversberg.Bild: www.imago-images.de

Dieser millionenschwere Pharma-Boss steht hinter Aufsteiger Elversberg

Elversberg hat nicht einmal einen Bahnhof, schickt sich aber dennoch an, in die Bundesliga aufzusteigen. Mitentscheidend ist dabei ein ehemaliger Bundesligaspieler mit seinem Millionenimperium.
18.05.2026, 22:0018.05.2026, 22:05
Alexander Kohne / t-online
Ein Artikel von
t-online

Vor einer Woche zeigte die SV Elversberg noch Nerven, am gestrigen Sonntag dann gelang der letzte Schritt. Der Dorfverein aus dem Saarland hat es in die Bundesliga geschafft. Mit 3:0 besiegte Elversberg Schlusslicht Münster und machte die Überraschung perfekt. Vor der Saison waren die Saarländer aufgrund der prominenten Abgänge auf der Trainerbank (Horst Steffen) und im Kader noch als Abstiegskandidat gesehen. 34 Spieltage später ist Elversberg Bundesligist.

Der rasante Aufstieg des Klubs aus dem kleinen Ort Spiesen-Elversberg, der vor vier Jahren noch in der vierten Liga spielte, hängt auch mit einem Mann zusammen: Frank Holzer. Während sich die Öffentlichkeit bei der Suche nach dem wesentlichen Erfolgsgrund oft auf den Trainer, einzelne Spieler oder den Ex-Manager Ole Book (jetzt BVB) fokussiert, zieht der 72-Jährige im Hintergrund die Fäden. Und zwar seit Jahrzehnten.

Bildnummer: 07168191 Datum: 30.09.1978 Copyright: imago/Rust
1. BL Saison 1978/1979 Eintracht Braunschweig gegen den 1. FC Nürnberg 3:1 am 30.09.1978. Frank Holzer (Braunschweig, re.) gegen Norbert Ed ...
Bundesliga 1978/79: Frank Holzer (rechts, Braunschweig) gegen Norbert Eder (Nürnberg) beim 3:1 von Eintracht Braunschweig am 30.09.1978.Bild: imago

Aktuell ist Holzer Aufsichtsratschef der SVE und mit seinem Arzneimittelunternehmen Ursapharm der wichtigste Sponsor. Geboren wurde er im nahe gelegenen Neuenkirchen. In Elversberg trat er bereits in seinen Jugendtagen gegen den Ball – so erfolgreich, dass es Holzer später in den 1970er-Jahren zum Profi schaffte und sich in der Region vor allem als Stürmer des 1. FC Saarbrücken einen Namen machte.

Vom Fussballer zum Pharmaunternehmer

Noch bekannter wurde der Saarländer dort allerdings nach seinem Karriereende. Nach diesem schloss er ein Pharmaziestudium ab und übernahm Ursapharm, das sein Vater Albrecht 1974 zusammen mit anderen Apothekern aus der Region gegründet hatte. Der ehemalige Profifussballer entwickelte das Unternehmen konsequent weiter und stieg zum Multimillionär auf. Mittlerweile ist es in 80 Ländern aktiv und macht rund 350 Millionen Euro Umsatz.

Ähnlich wie sein Unternehmen entwickelte er auch die SVE. 1989 wurde Holzer Präsident des damaligen Landesligisten, den damals rund 800'000 Mark Schulden gedrückt haben sollen. Der neue Chef sanierte den Klub und übernahm die Verbindlichkeiten. Nebenbei sprang er mehrfach als Interimstrainer ein. 2011 übergab er das Präsidentenamt an seinen Sohn Dominik, mit dem er mittlerweile auch Ursapharm leitet.

Heute ist Holzer senior Aufsichtsboss des Überraschungsklubs und tritt trotz des sportlichen Höhenflugs eher dosiert in die Öffentlichkeit, drängt keineswegs dorthin.

Nach der Saison 2024/25 bezeichnete er den Erfolg des Klubs, der die Saison auf Rang drei abgeschlossen hatte, als «Lohn für ruhige, kontinuierliche Arbeit». Anders als bei vielen Traditionsklubs gibt es kaum Wechsel auf den entscheidenden Positionen. Das Erfolgsduo aus Horst Steffen und Nils-Ole Book arbeitete jahrelang zusammen, wurde erst aufgrund des Erreichten von Bundesligisten abgeworben. Skandale oder öffentliche Reibereien gibt es bei der SVE nicht.

epa12968446 Fans celebrate Elversberg's promotion to the 1st division of the Bundesliga with fans after the German Bundesliga second division soccer match between SV Elversberg and Preussen Muens ...
Elversberg-Fans feiern den Aufstieg in die 1. Bundesliga.Bild: keystone

Dafür allerdings ordentlich Sponsorengelder von Holzers Unternehmen. Ursapharm ist Namensgeber des Stadions und mit seiner Eigenmarke Hylo auch Trikotsponsor. Genaue Zahlen, wie viel sich die Holzers das Engagement bei der SVE kosten lassen, sind nicht bekannt.

Budget weit entfernt von der Zweitligaspitze

Klar ist indes: Von einer Dimension wie in Hoffenheim, wo SAP-Mitgründer Dietmar Hopp seinen Heimatverein dank Finanzspritzen in Multimillionenhöhe vom Amateurfussball in die Bundesliga hievte, ist Elversberg weit entfernt. Die Elversberger hatten einen der niedrigeren Etats der 2. Bundesliga.

Sicher ist dem Klub allerdings die Unterstützung der regionalen Wirtschaft – besonders aus dem Mittelstand. Die SVE hat etwa 400 Businesspartner und damit fast den gesamten Mittelstand des Saarlands an ihrer Seite. Förderlich ist dabei natürlich Holzers Verwurzelung in der Region – und sein wirtschaftlicher Einfluss.

Keller der Kfz-Werkstatt als Umkleidekabine

Und der wirkt sich auch auf die Infrastruktur aus – obwohl diese (noch) nicht bundesligatauglich ist. Vor nicht allzu langer Zeit haben sich die Spieler vor einer Partie noch im Keller einer benachbarten Kfz-Werkstatt umgezogen. Das ist mittlerweile zwar Geschichte, doch zum Training fahren die Profis weiterhin ins nahe gelegene St. Ingbert.

Dort baut der Klub gerade ein neues Trainingszentrum, was sinnbildlich dafür ist, dass sich im Umfeld einiges gut entwickelt. Während Grossinvestitionen in die Mannschaft eher die Ausnahme sind (im vergangenen Jahrzehnt investierte die SVE nicht einmal 1,5 Millionen Euro in Neuzugänge), sieht das bei der Infrastruktur ganz anders aus.

Sport Bilder des Tages 10.11.2024, xmohx, Fussball 2.Bundesliga, SV Elversberg - Hannover 96 emspor, v.l. Das Stadion vor dem Anpfiff bei Nebelsicht DFL/DFB REGULATIONS PROHIBIT ANY USE OF PHOTOGRAPHS ...
Das Elversberger Stadion an der Kaiserlinde wird aktuell umgebaut.Bild: imago

Beispielsweise in Sachen Stadion. Die in die Jahre gekommene Arena an der Kaiserlinde wird derzeit umgebaut. Dabei wäre ein Umzug ins etwa 20 Kilometer entfernte Saarbrücker Ludwigsparkstadion, das frisch modernisiert ist, wohl deutlich kostengünstiger gewesen. Doch stattdessen wurden über 30 Millionen Euro in den Umbau des eigenen Stadions investiert. Geld dafür stammt von einem unbekannten Investor.

2027 soll dann alles fertig sein – und das Fassungsvermögen von rund 10'000 auf knapp 16'000 Plätze erhöht werden. Inklusive kombinierter Steh-VIP-Plätze. Dass das Businesspublikum in einem Stadion steht, wäre eine Premiere im deutschen Profifussball. So wie Elversberg in der Bundesliga.

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