Schweiz
Migration

10-Millionen-Initiative: Wer via Familiennachzug in die Schweiz kommt

Familie lädt gerade ihr E-Auto
Der Familiennachzug ist der zweithäufigste Einwanderungsgrund in die Schweiz.Bild: keystone

Aus diesen Ländern kommen die meisten Menschen via Familiennachzug in die Schweiz

Die 10-Millionen-Initiative der SVP fordert Einschränkungen beim Familiennachzug, um das Bevölkerungswachstum in der Schweiz zu begrenzen. Daten des Bundes zeigen nun, wer über diesen Weg in die Schweiz einwandert.
18.05.2026, 11:2818.05.2026, 14:11

Überschreitet die Schweizer Wohnbevölkerung vor dem Jahr 2050 neuneinhalb Millionen Menschen, sollen «insbesondere im Asylbereich und beim Familiennachzug» Massnahmen ergriffen werden. So heisst es im Initiativtext der SVP.

Doch wie viele Menschen wandern überhaupt via Familiennachzug in die Schweiz ein? Und aus welchen Ländern stammen sie? Neue Zahlen des Staatssekretariats für Migration (SEM), die dem Tages-Anzeiger vorliegen, zeigen nun, wie sich der Familiennachzug zwischen 2008 und 2025 entwickelt hat.

Darum wandern Menschen in die Schweiz ein

Der Familiennachzug ist der zweithäufigste Grund für eine Einwanderung in die Schweiz. Deutlich wichtiger bleibt jedoch der Arbeitsmarkt: Die meisten Menschen ziehen wegen einer Stelle oder einer beruflichen Perspektive in die Schweiz.

So hat sich der Familiennachzug über die Jahre entwickelt

Die Zahlen zum Familiennachzug sind seit 2008 relativ stabil geblieben, zeigen die Daten des SEM – zumindest im Nicht-Asylbereich. Dazu gehört die Migration im Rahmen der Personenfreizügigkeit und aus sogenannten Drittstaaten.

Jedes Jahr kommen durchschnittlich rund 44'000 Menschen via Familiennachzug in die Schweiz. Damit ist die Quote seit 2008 von 31 auf 25 Prozent leicht gesunken. Auswanderungen sind hier nicht berücksichtigt, es handelt sich um Bruttozahlen.

Auch im Asylbereich spielt der Familiennachzug eine wichtige Rolle, allerdings auf deutlich tieferem Niveau. Zwischen 2008 und 2025 lag sein Anteil an der Zuwanderung jeweils zwischen 45 und 73 Prozent. Gibt es mehr Asylgewährungen, steigt auch die Anzahl der Familiennachzüge.

Im Schnitt gibt es jährlich rund 3000 Familiennachzüge im Asylbereich. Dazu zählen aber auch in der Schweiz geborene Kinder von Geflüchteten oder deren Angehörige, die bereits in der Schweiz leben.

Aus diesen Ländern kommen die meisten via Familiennachzug

Die meisten migrieren aus Deutschland in die Schweiz. Daher steht das Nachbarland beim Familiennachzug auch an der Spitze. Platz zwei bis vier belegen mit Portugal, Italien und Frankreich ebenfalls EU-Länder. Danach folgen mit Kosovo und den USA die ersten Drittstaaten.

Wenn man die Länder nach den Anteilen des Familiennachzugs an der gesamten Migration sortiert, steht im Nicht-Asyl-Bereich Nordmazedonien an der Spitze. Seit 2008 sind über 27'000 Menschen aus dem Balkanland in die Schweiz eingewandert – und 92 Prozent via Familiennachzug.

Die höheren Quoten hängen unter anderem damit zusammen, dass die Einwanderung aus Drittstaaten deutlich strenger geregelt ist als jene über die Personenfreizügigkeit. Dadurch gewinnt der Familiennachzug für Menschen aus diesen Ländern an Bedeutung.

Im Asylbereich steht Eritrea beim Familiennachzug an der Spitze. Mehr als 22'000 Personen sind über diesen Weg seit 2008 in die Schweiz eingewandert. Wie bereits erwähnt gehören hierzu auch in der Schweiz geborene Kinder von Geflüchteten oder Angehörigen, die bereits in der Schweiz leben.

Dahinter folgen mit grossem Abstand die Türkei und Syrien. Auf den ersten Plätzen stehen – genauso wie bei der Migration im Nicht-Asyl-Bereich – jene Länder, die absolut gesehen am meisten Asylgewährungen haben.

Besonders zwischen 2010 und 2016 gab es «eine sehr hohe Anzahl an eritreischen Asylsuchenden und eine sehr hohe Anerkennungsquote», sagt der SEM-Sprecher gegenüber dem «Tages-Anzeiger». Daher ist im Vergleich auch die Anzahl der Familiennachzüge bei Eritreern hoch.

Hier will die SVP beim Familiennachzug ansetzen

Die SVP plant, Familiennachzüge insbesondere im Asylbereich einzuschränken, schreibt der «Tages-Anzeiger». Hierbei handelt es sich, gemessen an den gesamten Familiennachzügen, um einen kleinen Bereich.

Der Zürcher SVP-Nationalrat Thomas Matter sieht das Problem jedoch auch bei der Personenfreizügigkeit, schreibt die Zeitung weiter. Er störe sich daran, dass das EU-Recht unter bestimmten Voraussetzungen auch den Familiennachzug von Eltern oder Grosseltern erlaube. Im Zeitraum von 2008 bis 2025 kamen insgesamt 1447 Personen in die Schweiz, die das SEM unter der Sammelkategorie «Verwandte» aufgeführt habe.

Das zeigt: Selbst wenn die Vorschläge der SVP zum Familiennachzug umgesetzt würden, hätte das nur einen begrenzten Einfluss auf die gesamte Zuwanderung. Im Extremfall könnte die 10-Millionen-Initiative deshalb zur Kündigung der Personenfreizügigkeit führen.

(hkl/pre)

DANKE FÜR DIE ♥
Würdest du gerne watson und unseren Journalismus unterstützen? Mehr erfahren
(Du wirst umgeleitet, um die Zahlung abzuschliessen.)
5 CHF
15 CHF
25 CHF
Anderer
Oder unterstütze uns per Banküberweisung.
Das könnte dich auch noch interessieren:
Du hast uns was zu sagen?
Hast du einen relevanten Input oder hast du einen Fehler entdeckt? Du kannst uns dein Anliegen gerne via Formular übermitteln.
470 Kommentare
Dein Kommentar
YouTube Link
0 / 600
Hier gehts zu den Kommentarregeln.
Die beliebtesten Kommentare
avatar
Schlaf
18.05.2026 11:55registriert Oktober 2019
Krass!

Jedes Jahr eine beträchtliche Stadt für CH-Verhältnisse, nur aus dem Familiennachzug!

So kann es doch echt nicht weitergehen!
275142
Melden
Zum Kommentar
avatar
KommenTier
18.05.2026 11:40registriert März 2026
Fazit: es kommen sehr viele, woher ist sekundär. Es hat sowieso jede Gruppe ihre Gründe dafür. Dem muss nun endlich entgegen gewirkt werden.
248144
Melden
Zum Kommentar
avatar
neoliberaler Raubtierkapitalist
18.05.2026 11:49registriert Februar 2018
Echtes Asyl kann es bei uns gar nicht geben. Eingewandert wird immer über einen sicheren Staat.
Ich stimme definitiv JA.
235176
Melden
Zum Kommentar
470
Verurteilter Drogendealer kämpft gegen Ausweisung nach Tunesien
Ein Tunesier, der im Januar wegen der Organisation eines gross angelegten Haschischhandels im Aldrin-Quartier in Siders im Wallis verurteilt worden war, ist vor dem Bundesgericht gescheitert. Sein Anwalt kündigte am Montag eine Beschwerde beim Europäischen Gerichtshof für Menschenrechte an.
Zur Story