Aus diesen Ländern kommen die meisten Menschen via Familiennachzug in die Schweiz
Überschreitet die Schweizer Wohnbevölkerung vor dem Jahr 2050 neuneinhalb Millionen Menschen, sollen «insbesondere im Asylbereich und beim Familiennachzug» Massnahmen ergriffen werden. So heisst es im Initiativtext der SVP.
Doch wie viele Menschen wandern überhaupt via Familiennachzug in die Schweiz ein? Und aus welchen Ländern stammen sie? Neue Zahlen des Staatssekretariats für Migration (SEM), die dem Tages-Anzeiger vorliegen, zeigen nun, wie sich der Familiennachzug zwischen 2008 und 2025 entwickelt hat.
Darum wandern Menschen in die Schweiz ein
Der Familiennachzug ist der zweithäufigste Grund für eine Einwanderung in die Schweiz. Deutlich wichtiger bleibt jedoch der Arbeitsmarkt: Die meisten Menschen ziehen wegen einer Stelle oder einer beruflichen Perspektive in die Schweiz.
So hat sich der Familiennachzug über die Jahre entwickelt
Die Zahlen zum Familiennachzug sind seit 2008 relativ stabil geblieben, zeigen die Daten des SEM – zumindest im Nicht-Asylbereich. Dazu gehört die Migration im Rahmen der Personenfreizügigkeit und aus sogenannten Drittstaaten.
Jedes Jahr kommen durchschnittlich rund 44'000 Menschen via Familiennachzug in die Schweiz. Damit ist die Quote seit 2008 von 31 auf 25 Prozent leicht gesunken. Auswanderungen sind hier nicht berücksichtigt, es handelt sich um Bruttozahlen.
Auch im Asylbereich spielt der Familiennachzug eine wichtige Rolle, allerdings auf deutlich tieferem Niveau. Zwischen 2008 und 2025 lag sein Anteil an der Zuwanderung jeweils zwischen 45 und 73 Prozent. Gibt es mehr Asylgewährungen, steigt auch die Anzahl der Familiennachzüge.
Im Schnitt gibt es jährlich rund 3000 Familiennachzüge im Asylbereich. Dazu zählen aber auch in der Schweiz geborene Kinder von Geflüchteten oder deren Angehörige, die bereits in der Schweiz leben.
Aus diesen Ländern kommen die meisten via Familiennachzug
Die meisten migrieren aus Deutschland in die Schweiz. Daher steht das Nachbarland beim Familiennachzug auch an der Spitze. Platz zwei bis vier belegen mit Portugal, Italien und Frankreich ebenfalls EU-Länder. Danach folgen mit Kosovo und den USA die ersten Drittstaaten.
Wenn man die Länder nach den Anteilen des Familiennachzugs an der gesamten Migration sortiert, steht im Nicht-Asyl-Bereich Nordmazedonien an der Spitze. Seit 2008 sind über 27'000 Menschen aus dem Balkanland in die Schweiz eingewandert – und 92 Prozent via Familiennachzug.
Die höheren Quoten hängen unter anderem damit zusammen, dass die Einwanderung aus Drittstaaten deutlich strenger geregelt ist als jene über die Personenfreizügigkeit. Dadurch gewinnt der Familiennachzug für Menschen aus diesen Ländern an Bedeutung.
Im Asylbereich steht Eritrea beim Familiennachzug an der Spitze. Mehr als 22'000 Personen sind über diesen Weg seit 2008 in die Schweiz eingewandert. Wie bereits erwähnt gehören hierzu auch in der Schweiz geborene Kinder von Geflüchteten oder Angehörigen, die bereits in der Schweiz leben.
Dahinter folgen mit grossem Abstand die Türkei und Syrien. Auf den ersten Plätzen stehen – genauso wie bei der Migration im Nicht-Asyl-Bereich – jene Länder, die absolut gesehen am meisten Asylgewährungen haben.
Besonders zwischen 2010 und 2016 gab es «eine sehr hohe Anzahl an eritreischen Asylsuchenden und eine sehr hohe Anerkennungsquote», sagt der SEM-Sprecher gegenüber dem «Tages-Anzeiger». Daher ist im Vergleich auch die Anzahl der Familiennachzüge bei Eritreern hoch.
Hier will die SVP beim Familiennachzug ansetzen
Die SVP plant, Familiennachzüge insbesondere im Asylbereich einzuschränken, schreibt der «Tages-Anzeiger». Hierbei handelt es sich, gemessen an den gesamten Familiennachzügen, um einen kleinen Bereich.
Der Zürcher SVP-Nationalrat Thomas Matter sieht das Problem jedoch auch bei der Personenfreizügigkeit, schreibt die Zeitung weiter. Er störe sich daran, dass das EU-Recht unter bestimmten Voraussetzungen auch den Familiennachzug von Eltern oder Grosseltern erlaube. Im Zeitraum von 2008 bis 2025 kamen insgesamt 1447 Personen in die Schweiz, die das SEM unter der Sammelkategorie «Verwandte» aufgeführt habe.
Das zeigt: Selbst wenn die Vorschläge der SVP zum Familiennachzug umgesetzt würden, hätte das nur einen begrenzten Einfluss auf die gesamte Zuwanderung. Im Extremfall könnte die 10-Millionen-Initiative deshalb zur Kündigung der Personenfreizügigkeit führen.
(hkl/pre)
