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Besonders in der Vorweihnachtszeit werden unzählige Pakete verschickt.
Besonders in der Vorweihnachtszeit werden unzählige Pakete verschickt.
Bild: KEYSTONE

Wir alle wollen pünktlich unsere Geschenke haben – doch die Paketboten leiden darunter

Die Rabattschlacht, die für die Online-Shops ein einträgliches Geschäft ist, bedeutet Hochsaison für die Paketlieferdienste – das bedeutet Überstunden.
25.11.2017, 10:0425.11.2017, 10:30
Philipp Felber / schweiz am wochenende

Seit zwei Jahren tobt auch in der Schweiz der Black Friday, diese aus den USA importierte Rabattschlacht. Mit dem Cyber Monday, dem kleinen digitalen Bruder des Black Friday, wird der Start des Weihnachtsgeschäfts im Internet am Montag gestartet. Auch auf den digitalen Wühltischen beginnt dann die Schnäppchenjagd.

Die Rabattschlacht, die für die Online-Shops ein einträgliches Geschäft ist und zudem eine Möglichkeit, Restposten vor dem eigentlichen Weihnachtsgeschäft loszuwerden, bedeutet Hochsaison für die Paketlieferdienste. Was vor allem heisst: Die Verteiler müssen Überstunden schieben, um die Pakete nach Hause zu liefern. Doch nicht alle bekommen diese auch bezahlt. Dazu kommt, dass tiefe Löhne bezahlt werden und teilweise die maximale Arbeitszeit nicht geregelt ist.

Ein Netz von Subunternehmen

Dies liegt vor allem daran, dass Paketlieferdienste wie zum Beispiel TNT, DPD oder DHL nicht alle Paketverteiler selber angestellt haben. Sondern über Subunternehmer den Zustelldienst ausgelagert haben. Auch die Post arbeitet zu Spitzenzeiten mit externen Transportunternehmen zusammen, wie ein Sprecher bestätigte.

In den letzten Jahren ist ein Netz von kleineren und mittelgrossen Unternehmen entstanden, die sich für die Zustellung der Paktete verantworten. Und diese konkurrenzieren sich gegenseitig. Dies hat grosse Auswirkungen auf die Arbeitsbedingungen der Angestellten.

Drei Betroffene packen aus

Da gibt es etwa den Fall von M. T.*. Er bringt in der Ostschweiz als Chauffeur Päckchen zu den Kunden nach Hause. In seinem Arbeitsvertrag, der dieser Zeitung vorliegt, ist vieles bis ins kleinste Detail geregelt. Doch nirgends ist festgehalten, wie viele Stunden er pro Woche oder Jahr arbeiten muss.

Als Vergleich: Im Gesamtarbeitsvertrag, dem zum Beispiel Chauffeure der Post unterstellt sind, ist eine Arbeitszeit von 42 Stunden vorgeschrieben. Im Fall von M. T. ist sein Arbeitgeber für die DHL tätig. Dort heisst es auf Anfrage, dass die individuellen Anstellungsbedingungen zwischen den Subunternehmern und ihren Angestellten sich der Kenntnis von DHL entziehen würden. Jedoch verlange DHL, dass die Subunternehmer den Gesamtarbeitsvertrag der privaten Postdienstleistungsanbieter einhalten. Dort festgehalten wäre eine Arbeitszeit von 44 Stunden pro Woche.

Ein weiteres Beispiel, welches die zum Teil prekären Arbeitsbedingungen in der Branche zeigt, ist der Fall von B. L.*. Er arbeitet für ein Subunternehmen eines anderen grossen Players in der Branche. Die Firma von B. L. ist im Tessin tätig und stellte ihn für 2500 Franken pro Monat an. Erst auf Druck der Gewerkschaft Syndicom wurde der Monatslohn auf 3500 Franken erhöht. Syndicom hat deshalb mit dem Unternehmen Stillschweigen vereinbart.

Ein anderes Problem ist Arbeit auf Zeit. Dies zeigt das Beispiel von L. Z.*. Er fuhr für einen Subunternehmer in der Westschweiz und musste für 20 Franken pro Stunde jederzeit erreichbar und einsatzbereit sein.

«Keine Einzelfälle»

Daniel Münger stört es, dass grosse Unternehmen in der Branche über Subunternehmer arbeiten.
Daniel Münger stört es, dass grosse Unternehmen in der Branche über Subunternehmer arbeiten.
Bild: KEYSTONE

Für Daniel Münger, Präsident der Gewerkschaft Syndicom, ist klar: Die erwähnten Beispiele sind keine Einzelfälle. Überall wo Subunternehmen am Werk sind, seien weit über 80 Prozent der Angestellten von «unfairen» Arbeitsbedingungen betroffen, wie die Gewerkschaft diese nennt. Deshalb fordert Münger auch, dass die Arbeitgeber Gespräche aufnehmen, um einen Gesamtarbeitsvertrag auszuhandeln.

Grundsätzlich stört sich Münger an der Tatsache, dass grosse Unternehmen in der Branche über Subunternehmer arbeiten. «Das System von Subunternehmen beruht einzig darauf, dass das unternehmerische Risiko auf immer tiefere Ebene abgewälzt wird. Letztlich sind es die Arbeitnehmenden, die den Preis dafür bezahlen», sagt Münger.

Planzer will es anders machen

Die Planzer AG will beweisen, dass es auch anders gehen kann. Ab dem neuen Jahr will sie ins Paketgeschäft einsteigen. Und dies bewusst nicht über Subunternehmen, sondern mit eigenen Angestellten. Für Planzer sei dies eine Investition in den eigenen Auftritt. «Wir können so die Angestellten ausbilden, damit sie unsere Firma gegen aussen entsprechend repräsentieren», sagt ein Sprecher. Planzer bildet bis zum Start des eigenen Paketdienstes im Januar 120 Mitarbeiter aus.

* Namen von der Redaktion geändert.

Übrigens: Diese Katze will keine Post

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