Nebelfelder
DE | FR
Wir verwenden Cookies und Analysetools, um die Nutzerfreundlichkeit der Internetseite zu verbessern und passende Werbung von watson und unseren Werbepartnern anzuzeigen. Weitere Infos findest Du in unserer Datenschutzerklärung.
Sport
Unvergessen

Als George Hincapie bei Paris-Roubaix plötzlich der Lenker wegbrach

Hincapie sitzt am Boden und realisiert, dass seine Siegchancen ebendort sind.
Hincapie sitzt am Boden und realisiert, dass seine Siegchancen ebendort sind.bild: cyclingtips.com
Unvergessen

George Hincapie bricht auf dem Kopfsteinpflaster urplötzlich der Lenker weg

9. April 2006: Auf den Frühlings-Klassiker Paris-Roubaix freut sich George Hincapie das ganze Jahr. 2006 will er ihn gewinnen, der Amerikaner gilt als einer der Favoriten. Doch dann bricht sein Lenker.
09.04.2020, 00:0109.04.2020, 08:41

Die Radsportexperten des niederländischen Senders NOS sind schockiert: Ein erschrecktes «Hoooo!» entfährt beiden, als der US-amerikanische Radprofi George Hincapie über den Lenker fliegt und zu Boden geht.

Es ist der 9. April 2006, als Hincapie durch den Sturz seine Hoffnungen auf einen Sieg bei der «Königin der Klassiker», dem Tagesrennen Paris-Roubaix, begraben muss und seiner an Unfällen reichen Karriere einen weiteren Crash hinzufügt. Sein Gabelschaft ist der Tortur auf dem Kopfsteinpflaster-Abschnitt Mons-en-Pévèle nicht gewachsen und bricht. Er fährt noch ein paar Meter freihändig, dann stellt sich sein Vorderrad quer und Hincapie stürzt kopfüber auf einen angrenzenden Acker.

Animiertes GIFGIF abspielen
gif:youtube/marcodej1

Verletzungen an Schlüsselbein und Schulterblatt

Hincapie krümmt sich auf dem Boden, schaut den anderen Fahrern hinterher und hält sich das schmerzverzerrte Gesicht. Bereits kurz nach dem Rennen sagt sein Discovery-Channel-Teamdirektor Dirk Demol: «Es ist eine schwere Verletzung, das ist sicher.»

Später kommt heraus: Bei dem Sturz hat sich Hincapie eine drei Zentimeter lange Fraktur zwischen Schlüsselbein und Schulterblatt zugezogen, die ihn zu einer mehrwöchigen Pause zwingt.

Animiertes GIFGIF abspielen
gif: youtube/marcodej1

Hincapie, der seine stärksten Karriere-Auftritte als Edelhelfer von Lance Armstrong bei der Tour de France hat, 2012 aber Doping-Missbrauch gesteht, schmerzt neben den physischen Verletzungen auch die Tatsache, erneut einen Sieg beim Paris-Roubaix-Klassiker zu verpassen: Er liegt kurz vor dem Sturz knapp 50 Kilometer vor dem Ziel in aussichtsreicher Position und gilt als Mitfavorit auf den Sieg. Der Radprofi bezeichnet Paris-Roubaix als seinen Lieblingswettkampf: «Das ist das Rennen, von dem ich das ganze Jahr über träume und auf das ich mich freue.»

Doch ein Sieg ist ihm hier noch nie vergönnt gewesen. Mal stürzte er, mal kam er mit dem Wetter nicht klar oder hatte mit Defekten zu kämpfen. Auch 2006 muss er zusehen, wie der Schweizer Fabian Cancellara am Ende jubelt. Hincapies bestes Ergebnis bei Paris-Roubaix ist ein zweiter Platz aus dem Jahr 2005, als er Tom Boonen im Sprint unterlag.

Die Zusammenfassung von Cancellaras Sieg.Video: YouTube/Eduardo Dicaro

Die Ursache des Bruchs: ein vorangegangener Sturz

Als Ursache des Lenkrohr-Bruchs macht Hincapies Discovery-Team später einen vorangegangenen Unfall des US-Amerikaners in der ersten Hälfte des Rennens aus. «George stürzte schon recht früh im Rennen, aber aufgrund der Rennbedingungen und seiner Aussage, dass alles in Ordnung sei, haben wir sein Rad nicht gewechselt», sagt Discovery-Teamchef Johan Bruyneel.

Hincapies Sturz entfacht eine Debatte um die langen Kopfsteinpflaster-Abschnitte des Klassikers. Viele schimpfen über den Untergrund, bezeichnen ihn als veraltet, zudem seien die technischen Herausforderungen für die Teams zu hoch. Auch Bruyneel sagt: «Auf den vielen Kopfsteinpflaster-Passagen war der Lenker so starken Erschütterungen ausgesetzt, dass er sich nach dem ersten Sturz irgendwann lösen musste.»

Besonders bitter: Kurz vor dem Sturz informiert Hincapie sein Team doch noch über Probleme mit dem Lenker und die Helfer arbeiten an einem Plan, um einen Radaustausch ohne grösseren Zeitverlust vorzunehmen.

Doch er kommt nicht mehr rechtzeitig. Und so enden Hincapies Siegträume auf einem Acker.

Hincapies Träume enden am Rande der Pavés.Video: YouTube/marcodej1
Unvergessen
In der Serie «Unvergessen» blicken wir jeweils am Jahrestag auf ein grosses Ereignis der Sportgeschichte zurück: Ob hervorragende Leistung, bewegendes Drama oder witzige Anekdote – alles ist dabei.
DANKE FÜR DIE ♥
Würdest du gerne watson und unseren Journalismus unterstützen? Mehr erfahren
(Du wirst umgeleitet um die Zahlung abzuschliessen)
5 CHF
15 CHF
25 CHF
Anderer
twint icon
Oder unterstütze uns per Banküberweisung.

Das Kopfsteinpflaster ist bereit: Staubige Bilder des Velo-Klassikers Paris – Roubaix

1 / 21
Das Kopfsteinpflaster ist bereit: Staubige Bilder des Velo-Klassikers Paris – Roubaix
quelle: ap / michel spingler
Auf Facebook teilenAuf Twitter teilenWhatsapp sharer

Sport Quiz Teil 1

Video: watson

Das könnte dich auch noch interessieren:

Abonniere unseren Newsletter

0 Kommentare
Weil wir die Kommentar-Debatten weiterhin persönlich moderieren möchten, sehen wir uns gezwungen, die Kommentarfunktion 24 Stunden nach Publikation einer Story zu schliessen. Vielen Dank für dein Verständnis!
Keiner schaut die WM? Mitnichten - nur Deutschland hat kein Interesse
Eine halbe Million Zuschauer lockte das Schweizer Startspiel bei SRF vor die TV-Geräte. Weniger als noch 2018 in Russland oder 2014 in Brasilien. In Deutschland ist derweil Katerstimmung angesagt, in Südamerika WM-Euphorie. Die grosse Übersicht.

Seit nunmehr sechs Tagen ist die WM in Katar in Gang. Das Interesse am Grossanlass hält sich im deutschsprachigen Raum in Grenzen. Dies verdeutlichen die TV-Zahlen. Während in Deutschland die Zuschauerzahlen teils drastisch sinken, bleiben die Einschaltquoten in der Schweiz konstanter.

Zur Story